Fernsehpionier im Rentenalter

- Er hat Horrorfilme gedreht, Thomas Manns "Zauberberg" und zahlreiche andere Literatur verfilmt, sich mit Heimatfilm und Krimis beschäftigt, aber bekannt ist Hans W. Geißendörfer vor allem als "Vater der Lindenstraße" geworden.

Dass die Öffentlichkeit ihn größtenteils nur mit diesem Werk identifiziert, stört den Regisseur und Produzenten, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, aber überhaupt nicht: "Ich liebe die ,Lindenstraße’ und habe große Freude, wenn ich ,Vater der Lindenstraße’ genannt werde", sagte er.

Am 8. Dezember 1985 flimmerte die Endlosserie als erstes solches Format in Deutschland über die Bildschirme, und dass es überhaupt dazu kam, hat mit Geißendörfers Liebe zu tun. In den Siebzigerjahren war er mit der britischen Kunststudentin Jane liiert (mit der er inzwischen verheiratet ist und drei Töchter hat), die es sich nicht nehmen ließ, regelmäßig die Endlosserie "Coronation Street" zu sehen. Er habe sich das angeschaut und festgestellt, "dass das schon 20 Jahre läuft. Da hat es mich auch interessiert, denn sowas hatten wir nicht".

Als Geißendörfer später dann angeboten wurde, eine Fernsehserie zu machen, erklärte er sich unter der Bedingung dazu bereit, dass diese von Technik und Format her an die "Coronation Street" angelehnt sein müsse, und so kam es zur ersten deutschen "Weekly Soap" - von Kritikern spöttisch beäugt, vom Publikum geliebt.

Nach dem Studium begann der am 6. April 1941 in Augsburg geborene Geißendörfer mit Dokumentar- und Autorenfilmen. Bereits 1970 bekam er für den Film "Jonathan", ein Horrorfilm nach Bram Stokers "Dracula", den ersten seiner insgesamt vier Deutschen Filmpreise. Es folgten Produktionen unterschiedlichster Art, darunter zahlreiche Literaturverfilmungen, die auch von weiteren Auszeichnungen gekrönt wurden. 1979 wurde Geißendörfers Film "Die gläserne Zelle" für den "Oscar" nominiert, 1993 sein Film "Justiz" nach Friedrich Dürenmatt für den "Golden Globe". 1982 war er Mitbegründer der "Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion" (GFF), mit der er auch heute noch Projekte neben der "Lindenstraße" realisiert.

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