Finnenrocker in München

München - "Pimp your Vita" lautet der Arbeitstitel der Komödie, die die Bavaria Fernsehproduktion derzeit dreht. Der Film um eine Musikgruppe spielt ausschließlich inMünchen.

Rocken ohne Musik: Im Münchner Backstage an der Friedenheimer Brücke ist dieses obskure Bild derzeit tagsüber zu beobachten. Bei den Dreharbeiten für die Komödie mit dem vorläufigen Titel "Pimp your Vita" schrammen die Musiker auf der Bühne ihre Gitarren, die Fans, dargestellt von rund 90 Komparsen klatschen und jubeln - nur eben ohne dass ein Mucks zu hören ist.

Das ändert sich erst nach dem "Danke, das war's" des Regisseurs Marco Petry. Freilich werden nicht alle Szenen ohne Klang aufgezeichnet; Musik spielt schließlich eine entscheidende Rolle in der Komödie, in der eine Hard-Rock-Band auf massentauglichen Boy-Group-Gesang getrimmt werden soll.

Seit Ende Mai laufen die Dreharbeiten. Der Film soll Ende des Jahres auf ProSieben ausgestrahlt werden. Er spielt ausschließlich in München. Für einen Musikfilm sei das außergewöhnlich, betont Christian Schipke von ProSieben. Außer im Backstage wurde etwa in der Freiheizhalle, dem Flughafen und dem Hilton Parkhotel gedreht.

Jasmin Schwiers, bekannt aus Filmen und Serien wie "Ritas Welt", "Leo und Claire" und "NVA", spielt die glücklose Dauerpraktikantin Annika. Sie folgt dem Rat ihrer Schwester und schönt ihren Lebenslauf, indem sie vorgibt, Finnisch zu sprechen. Genau das beschert ihr einen Traumjob bei einem Plattenlabel. Ihre Aufgabe: Sie soll die bekannte finnische Band "Ripili" nach Deutschland holen und auf einen Wettbewerb vorbereiten. Aus Versehen lädt Annika stattdessen die erfolglose Hardrock-Band "Rypeli" ein. Ihr Irrtum zeigt sich, als sie die Musiker am Flughafen abholen will und sie in der Ausnüchterungszelle antrifft. Annika gesteht ihren Fehler nicht, sondern versucht, die Rocker für den Contest zu einer Boy-Group zurecht zu biegen.

Das Herausfordernde an den Dreharbeiten für "Pimp your Vita" liege in dem Spagat zwischen Komik und Tragik, sagt Schwiers: Der Film thematisiere die Existenzangst einer Berufseinsteigerin und sei gleichzeitig "super charmant und witzig, aber auf eine geistreiche Art". Bei Komödien schaut die 25-Jährige das Drehbuch nach eigenen Angaben ganz genau an, da man mit diesem Genre auch leicht danebenliegen könne.

Auch Drehbuchautor Axel Staeck kennt die Tücken von Komödien. Wichtig sei es, nicht zu übertreiben. Traurige Momente gehörten zu einer guten Komödie unbedingt dazu. In "Pimp your Vita" sei das unter anderem dadurch sichergestellt, dass die drei Musiker aus ärmlichen Verhältnissen kommen. Der eine verdient sein Geld als Friedhofsgärtner, der andere als Pizzabote, der dritte als Klavierspieler in einem Bordell.

Im wahren Leben haben die Darsteller der Finnenrocker wenig mit Musik zu tun. Nur einer von ihnen, Daniel Zillmann, singt in einer Band. Im Film gibt er den Schlagzeuger. Musikproduzent Yullwin Mak hat die drei Schauspieler darin unterrichtet, sich wie Musiker auf der Bühne zu bewegen. "Authentisch vorzugeben, Schlagzeug zu spielen ist besonders schwierig", sagt Mak. Ansonsten zähle einfach das Gefühl für Rhythmus. Anders als geplant, singen Zillmann, Volker Bruch und Lasse Myhr, Schauspieler an den Münchner Kammerspielen, den Großteil der Lieder selbst. "Ich war überrascht, wie gut die singen können", sagt Mak.

Es ist viel los bei den Dreharbeiten im Backstage. Ab und an schaut auch Drehbuchautor Staeck vorbei und beobachtet, wie der Regisseur seine Vorlage umsetzt. Inspiriert habe ihn die finnische Lordi-"Chaotengruppe", die 2006 den Grand-Prix abräumte. "Außerdem klingt das Deutsch von Finnen so putzig", sagt der 46-Jährige. Feldrecherchen habe er für das Drehbuch nicht betrieben.

"Ich hab' alle Klischees, die ich über Finnland kannte, zusammengewürfelt", sagt er und schmunzelt. Ein Finne, der den Rypeli-Darstellern für den Film Finnisch-Kenntnisse beibrachte, habe ihm aber bestätigt, dass er mit seinem Bild, das der Film von Finnen zeichne, ins Schwarze getroffen habe. Ohnehin können auch Klischees noch manch Neues ans Licht bringen: Dass Finnen ein ausgeprägtes Faible für Tango haben, war auch einigen Darstellern neu.

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