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Flower Power im Kuhstall

- Unvermittelt klopften sie an. Ob er schnell eine Szene drehen dürfe, fragte der Filmemacher. Gerhard Greimel hatte nichts dagegen. Das Fernsehen hat man schließlich nicht jeden Tag im Haus, schon gar nicht, wenn man einen Hof im tiefsten Oberbayern betreibt. Dass aus diesen schnellen Filmaufnahmen allerdings Dreharbeiten werden würden, die sich fast über das ganze Jahr 1985 hinziehen, das hatte Greimel nicht erwartet: "Es ist dann immer mehr geworden", erinnert er sich heute.

Nicht nur weil es dem Filmemacher so gut gefallen hat bei Grüntegernbach (Landkreis Erding), nicht nur weil die Lage für seine Zwecke geradezu ideal war, sondern auch weil der Autor offenbar dazu neigte, spontan das Drehbuch umzuschreiben, zu erweitern und neu zu erfinden. "Er hat die Szenen am Hof geschrieben, in seinem Kombi", erzählt Greimel. Heraus gekommen ist dabei ein Stück Fernsehgeschichte. Mit der Serie "Irgendwie und Sowieso" machte Autor und Regisseur Franz Xaver Bogner nicht nur Ottfried Fischer berühmt, sondern setzte der bayerischen Provinz auch ein Denkmal.

Vor 20 Jahren strahlte das Bayerische Fernsehen "Irgendwie und Sowieso" zum ersten Mal aus. Der Kult um die Serie ist inzwischen so groß geworden, dass Fangruppen jährlich zu den Drehorten pilgern. "Wir bezeichnen uns als Edelfans", erzählt etwa Heinz Hort aus dem niederbayerischen Mallersdorf-Pfaffenberg. Als "DJ Schoferl" organisiert er regelmäßig "Irgendwie und Sowieso"-Partys, in möglichst authentischen Klamotten tanzen die Fans zu den Klängen der Sechzigerjahre. Ab Samstag werden sie aber wohl wieder vor dem Fernseher sitzen, dann wiederholt der BR die Serie.

Echte Fans können nicht genug kriegen von dem, was Franz Xaver Bogner ein Dokument seiner Jugendzeit genannt hat. So wie er sie selbst in Pliening (Kreis Ebersberg) erlebt hat. Eine nostalgische Geschichte, angesiedelt in einem zwar fiktiven Ort Zell, so fiktiv aber auch wieder nicht, dass die Autos keine Ebersberger Nummernschilder tragen durften. Gedreht hat Bogner die komisch-bitteren Geschichten aus '68 um den schwergewichtigen Sir Quickly (Fischer), Effendi (Robert Giggenbach) und Sepp (Elmar Wepper), um Flower Power, Musik und die Revolte gegen Väter und sonstige Autoritäten im Grenzgebiet zwischen Ober- und Niederbayern. Irgendwo dort, mittendrin, liegt auch der Hof von Gerhard Greimel. Und wenige hundert Meter entfernt der von Johann Greimel. Wie geschaffen für die Serie, in der Sir Quickly den Hof des verhassten Stiefvaters verlässt und bei einer Bäuerin gleich gegenüber anheuert.

"Für uns ist das eine ewige Erinnerung."

Landwirt Gerhard Greimel

Nirgendwo fanden Flower Power und Kuhstall besser zueinander als dort. Bis heute. Denn wenn sie auch etwas verblasst und verstaubt sind - die berühmten psychedelischen Farben und Formen, mit denen Sir Quickly seinen Rindviechern auf üblicherweise weiß getünchten Wänden und Decken den Geist der neuen Zeit verklickern wollte, sind bis heute erhalten. Fast alles auf seinem Hof hat Gerhard Greimel umgebaut seit damals, nur der Stall, in dem auch die hofeigenen Kälber ihren Auftritt hatten, existiert fast unverändert mit den bunten Bemalungen. Allerdings dient er heute als Lagerraum. "Für uns ist das eine ewige Erinnerung", erzählt Greimel, der vor allem von Ottfried Fischer angetan war. "Wenn er Pause g'habt hat, dann hat er sich zu meinem Vater aufs Kanape gesetzt und Video geschaut."

Auch gegenüber bei Johann Greimel prangten die Beatles mit ihrer "Yellow Submarine" von der Wand des Kuhstalls. Weil es das Drehbuch verlangte, mussten sie aber wieder übermalt werden. Dafür hatte der damals 13-jährige Johann ein delikates Tê^te-à`-tê^te mit einer Schauspielerin. Denn im Wohnhaus der Greimels waren auch die Garderoben untergebracht. In eines jener Zimmer platzte der Bub einmal arglos rein - "und da steht die Olivia Pascal oben ohne da." Vielleicht hat das Erlebnis ja entschädigt für andere Entbehrungen. "Der Ablauf des Betriebs war schon eingeschränkt", so Greimel. Die Melkmaschine etwa war den Filmemachern zu laut und musste während der Dreharbeiten ausgeschaltet bleiben. Auch wurde oft nachts gedreht.

Bogners Filmteam hielt auch die Freiwillige Feuerwehr von Velden auf Trab. Dort, in dem kleinen Ort bei Landshut, fand Bogner den idealen Schauplatz für die Kirchturmszene. Liebeskummer treibt Sir Quickly in luftige Höhen, wo er sich mit Himbeerjoghurt und Plattenspieler einschließt und den ganzen Ort mit Songs der "Byrds" und Jimi Hendrix beschallt. Für 120 Mark mussten sich die Floriansjünger die Nacht um die Ohren schlagen - als Statisten. "Gedreht wurde von neun Uhr nachts bis sechs Uhr früh", erzählt Feuerwehrler Alfons Schratzenstaller, der damals auf die Leiter stieg, um den Sir vom Turm zu holen.

Das Bayerische Fernsehen zeigt immer drei der insgesamt zwölf Folgen am 8., 22. und 29. April sowie am 20. Mai, jeweils ab 21.15 Uhr.

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