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Der Rentner Willi (Jesper Christensen, li.) und Flüchtling Nama ­(Nama Traore) schließen Freundschaft.

„Der Andere – eine Familiengeschichte“

Flüchtlingsdrama im ZDF: Dieser Film geht unter die Haut

Die Autorin, Regisseurin und Produzentin Feo Aladag (44) hat mit „Der Andere – eine Familiengeschichte“ ein echtes Fernsehjuwel geschaffen.  Bei uns spricht Aladag über ihren ersten TV-Film.

Es ist ein Film, der unter die Haut geht. Ein TV-Drama, das berührt, ohne rührselig zu sein. Die Autorin, Regisseurin und Produzentin Feo Aladag (44) hat mit „Der Andere – eine Familiengeschichte“ ein echtes Fernsehjuwel geschaffen. In starken Bildern erzählt sie die ­Geschichte des minder­jährigen Flüchtlings ­Nama (hervorragend gespielt vom Laiendarsteller ­Nama Traore), der dem Rentner Willi (Jesper Christensen) begegnet. Zwischen dem alten Mann und dem Jungen aus Mali entsteht eine Freundschaft. Als Willi Nama bei seinem Sohn (Milan Peschel) einquartiert, kommt es auch wieder zur Annäherung zwischen den Generationen. Bei uns spricht Kino-Regisseurin Feo Aladag über ihren ­ersten TV-Film.

Frau Aladag, Sie haben Ihr TV-Drama „Der Andere“ mit dem Untertitel „eine Familiengeschichte“ versehen. Warum war Ihnen das ­wichtig?

Feo Aladag: Das ist nicht nur ein ­Untertitel, sondern durchaus ein gleichwertiger Teil des Titels. Der ­Andere ist eine Familiengeschichte. Eine über die Annäherung von Vater und Sohn, aber auch zwischen unterschiedlichen Kulturen. Ein Film übers Brücken bauen.

Nach zwei Kinofilmen ist das Ihre erste Arbeit fürs Fernsehen. Warum haben Sie sich gegen die große Leinwand entschieden?

Feo Aladag.

Aladag: Aus zweierlei Gründen. Für mich hat das Tempo eine wichtige Rolle gespielt. Ich wollte den Film möglichst schnell umsetzen. Beim Kino ist der Vorlauf relativ lang, weil man viele Finanzierungspartner benötigt. Im Fernsehen läuft das unkomplizierter. Der zweite Grund nährt sich aus der Hoffnung, mit so einem Fernsehfilm auch Zuschauer zu erreichen, die vielleicht nicht die eigene Haltung teilen. Ich finde es spannend, wenn man mit einem Film ein möglichst breit gefächertes Publikum anspricht.

Was hat Sie zu diesem Film ­inspiriert?

Aladag: Auslöser war ein privater Abend bei meiner Cousine, die regelmäßig Leute aus verschiedenen Bereichen zusammenbringt. Ihre Idee ist, dass man sich vernetzt und jeder überlegt, wie er sich bei einem bestimmten Thema engagieren kann. Bei diesem Treffen ging es um unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, auf die wir in Deutschland nicht ausreichend vorbereitet waren – weder in den gesetzlichen, noch in den organisatorischen Strukturen.

Und das Thema hat Sie nicht mehr losgelassen?

Aladag: Es waren viele engagierte Helfer an diesem Abend dabei und ihre Erzählungen haben mich tief beeindruckt. Daraus entstand der Wunsch, Jugendliche persönlich kennenzulernen, mir ihre Geschichten anzuhören. Also habe ich angefangen zu recherchieren. Die Begegnungen, die ich hatte, waren voller Lebensmut, Kraft und Zuversicht. Es war auffällig, wie groß das Bedürfnis der Jugendlichen war zu erzählen. Ihre Geschichten haben in mir gebrannt.

Ihre Hauptfigur, der Afrikaner Nama Traore, ist ein Laiendarsteller. Wie haben Sie ihn kennengelernt?

Aladag: Bei meinem ersten Besuch in einem Flüchtlingsheim. Nama hat mich sofort tief berührt. Seine Art, der Ausdruck in seinem Gesicht, seine Durchlässigkeit. Zu dem Zeitpunkt war aber nicht klar, dass er die Rolle spielen würde. Wir haben erst deutschlandweit gecastet und sind dann mit unseren Castings sogar nach Amsterdam, London und New York gegangen. Am Ende wurde mir klar, dass ich immer nur Nama gesucht habe. Dieses Gefühl, das er in mir ausgelöst hat, war einzigartig.

Ist es nicht ein Wagnis, mit einem vollkommenen Laien zu drehen?

Aladag: Schon, aber auch bei meinen anderen Filmen haben ja viele Laien mitgespielt. Ich konnte da bisher ganz gut meinem Bauchgefühl vertrauen. Wenn man professionelle Kollegen dabei hat, die wissen, dass es bei der Schauspielerei nicht darum geht, sich selbst in den Vordergrund zu spielen, sondern dem anderen etwas zu geben, dann ist die ­Mischung aus Profis und Laien extrem bereichernd.

Wie nah ist das im Film gezeigte Schicksal seinem eigenen?

Aladag: Es gibt Parallelen. Und das Team wusste um seine Geschichte. Da gab es Szenen, die uns auch beim Drehen zu Tränen gerührt haben. Ich hatte schon das Gefühl, dass Nama noch mal sein eigenes Schicksal durchlebt hat, aber mir war es wichtig, ihn nicht zu ­instrumentalisieren. Da gibt es eine ­Grenze, die nicht überschritten werden darf. Der Mensch muss immer über dem Film stehen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die glauben, dass man Psychen zerlegen und zerreiben muss, damit etwas dabei herauskommt.

Sie haben das Buch geschrieben, Regie geführt und sind auch Produzentin. Bereitet Ihnen so viel Verantwortung nicht schlaflose Nächte?

Aladag: Natürlich. Ich hatte viele schlaflose Nächte, weil ich auch einen großen Zeitdruck beim Schreiben hatte. Dazu kommen die Zweifel und dass man vieles hinterfragt. Aber diese Art des Arbeitens gibt einem auch ein Maximum an Freiheit.

Welches Gefühl sollten die ­Zuschauer bestenfalls aus „Der Andere“ mitnehmen?

Aladag: Ich habe bei der Recherche viele Leute kennengelernt, die in ­Sachen Flüchtlingspolitik eine radikale Einstellung haben. Aber wenn ich gesagt habe: Stellen Sie sich vor, das ist Ihr Sohn, der mit 15 in ein fremdes Land kommt. Wie würden Sie sich wünschen, dass er aufgenommen wird? Dann öffnete sich manchmal für Sekunden eine Tür. Es waren ­Momente, in denen sich die Leute in die andere Position einfühlen konnten. Für diese Momente kämpfe ich.

„Der Andere – eine Familiengeschichte“

Montag, 20.15 Uhr, ZDF

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