Forelle im Hummerpanzer

- Spät übt sich, wer ein Seeräuber sein will. Erst gilt es, in der Mönchskutte allerlei Kampfsportarten zu erlernen - um später in astreinen Actionszenen zu glänzen. Und dann ist da ja auch noch die herzallerliebste Kaufmannstochter, der man am Ostseestrand einst das kindliche Versprechen abgenommen hat, man würde aufeinander warten. So vergeht im ARD-Historienzweiteiler "Störtebeker" (Regie: Miguel Alexandre) schon mal eine dreiviertel Stunde, bis das erste Schiff aus Hamburgs mittelalterlichem Hafen ausläuft, und ein ganzer Fernsehabend gar, bis es dann im zweiten Teil zum ersten Mal heißt: "Mein Name ist Störtebeker, und ich muss euch leider bitten, uns euer Schiff zu übereignen!"

Ein echter Pirateriemangel also - in immerhin drei Stunden. Und der Pirat? Ken Duken gibt in der aalglatten, blondzöpfigen Titelrolle einen jugendlichen coolen Hecht, forellensanft unter dem gegerbten Hummerpanzer. In seine Seeräuberrolle wächst der aber gerade erst hinein, ganz im Gegensatz zu Jochen Nickel, der als Goedecke Michels für seine eiserne Hakenkralle wie geschaffen scheint.

Klaus Störtebeker, der berüchtigtste Freibeuter zwischen den Hansestädten und Dänemark, ist ein Mann, der seine Versprechen hält. Wenn das eine von süßer Rache spricht und das andere süße Leidenschaft verspricht, eignet er sich vortrefflich für ein solide besetztes (Gudrun Landgrebe kühlt ihr Lächeln als dänische Königin), etwas flapsig zurechtgedichtetes, humorvolles Ostermärchen zum entspannten Mitfiebern.

 Weil aber das Happy End - der schöne Widersacher kriegt seine Strafe und der schöne Störtebeker kriegt seine Elisabeth - im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch keine Historienbiografie rechtfertigt, reicht man als Epilog eine kleine Zeitlupe zu Störtebekers sagenumwobenem Tod. Denn im romantischen Flötenspektakel soll nicht untergehen, dass der Kopf des Robin Hood von Nord- und Ostsee doch fiel, und er kopflos noch das Leben seiner Kumpane rettete. Es ist halt kein reiner Spaß mit der Seeräuberei.

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