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Unerbittlich in der Sache: Der Sportjournalist Harry Valérien.

85. Geburtstag

Formvollendeter Sportreporter

Er ist der Grandseigneur der Sportreportage und Mitbegründer des "Aktuellen Sportstudios" des ZDF. Heute wird Harry Valérien 85 Jahre alt.

Wenn sich die Skirennfahrer auf zwei Brettern ins Tal stürzten und Kopf und Kragen riskierten, dann war Harry Valérien in seinem Element und der Zuschauer daheim vor dem Bildschirm ganz nah dran. "Sappradi. Bursch’, pass auf!", rief er mit so viel Erstaunen und Entsetzen ins Mikrofon, dass es den TV-Zuschauern in der warmen Stube kalt den Rücken herunterlief. Die Reportagen des großen Wintersport-Experten sind Kult, sein liebenswerter, aber auch unerbittlicher Umgang mit den Gästen im "Aktuellen Sportstudio" im ZDF legendär. Heute feiert der Grandseigneur der Sportreportage seinen 85. Geburtstag.

Mit großem Fachwissen, mit Neugier und Charme prägte Valérien jahrzehntelang die Sportberichterstattung im Fernsehen. Die Mischung aus brillantem Journalismus, Leidenschaft und bayerischem Wortwitz wurden oft kopiert, aber nie erreicht. "Reporter war mein Traumberuf", hat er einmal gesagt.

Dabei lief es für den Sohn eines Pressefotografen zunächst einmal nicht so gut. Mit 14 verlor er seine Mutter durch einen Autounfall, ein Jahr später starb sein Vater an den Folgen eines Herzleidens. Valérien wurde von seinem Großvater erzogen, der ihn in eine Lehre zum Mechaniker steckte. Als Geselle arbeitete er dann in einem "kriegswichtigen Betrieb".

Nach Kriegsende machte der begeisterte Skifahrer und Schwimmer schließlich doch noch seine Leidenschaft zum Beruf und begann 1946 seine journalistische Laufbahn an der damals neu eröffneten Deutschen Journalistenschule. Nach einigen Jahren als Volontär und Redakteur bei unserer Zeitung folgte die Arbeit beim Bayerischen Rundfunk, bei dem er sich zunehmend auf den Sportjournalismus spezialisierte. 1952 berichtete Valérien erstmals von den Olympischen Winterspielen in Oslo.

Mit Ausnahme von 1956 war er bis 1996 bei allen Olympischen Spielen als Kommentator für Hörfunk und Fernsehen dabei.

1963 erlangte der beliebte Vollblutjournalist als Moderator und Mitbegründer des "Aktuellen Sportstudios" noch größere Popularität. Mit buntem, oft knallgelbem Pullover führte er 283 Mal durch die abendliche Sendung. "Ich mach’ keine Reportagen auf Kosten anderer, und auch bei Interviews soll keiner als Sieger oder Verlierer den Ring verlassen", so sein Motto.

"In seiner kontrolliert provokanten Art schaffte er es fast immer, seine Gesprächspartner hartnäckig zu bedrängen. Er hakte nach, formvollendet im Ton, doch unerbittlich in der Sache", hat Dieter Kürten, früher selbst Sportstudio-Moderator, über seinen Kollegen geschrieben. Als er 1983 ZDF-Sportchef werden sollte, lehnte Valérien ab: "Ich bleibe lieber Reporter, das sagt mir mehr zu als jede Verwaltung."

Seine Vielseitigkeit stellte Valérien auch als Golf-Kommentator bei Sat.1 und Premiere sowie als Moderator der Verkehrssendung "Telemotor" oder Gastgeber des "Sonntagsgesprächs" und der Talkshow "Live" im ZDF unter Beweis. Valérien lebt mit seiner norwegischen Frau Randi, einer ehemaligen Skirennfahrerin, am Starnberger See. Eine der beiden Töchter starb 2007 an Krebs.

Martin Pohl

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