Francis Fulton-Smith: "Ich musste lernen, wie man sich als Pater bewegt"

München - Er liebt Fußball und Motorräder, knackt Schlösser und ist auch im Nahkampf ein Ass. Simon Castell ist ein Spezialagent - allerdings einer mit Soutane statt Smoking und Bibel statt Ballermann. Mit "Ihr Auftrag, Pater Castell" startet das ZDF heute um 20.15 Uhr eine neue Krimireihe mit einem Geistlichen als Ermittler.

Francis Fulton-Smith spielt darin einen Sonderbeauftragen des Vatikan, der immer dann ausgesandt wird, wenn ein Verbrechen auch kirchliche Interessen verletzt. In seinem ersten Fall geht es um den mysteriösen Tod eines Prälaten, der für den Posten des Bischofs von München und Freising im Gespräch war.

Kirchenmänner mit kriminalistischer Spürnase gibt es bereits einige im deutschen Fernsehen. Was hat Pater Castell, was andere nicht haben?

Castell genießt zwar einen diplomatischen Status, muss aber vor Ort mit den Behörden zusammenarbeiten, namentlich mit Marie Blank, einer Kommissarin, die sich als Atheistin bezeichnet. Das Verhältnis zwischen den beiden, das anfangs eher das von Hund und Katz ist, bringt noch einmal eine ganz andere Handlungsebene mit herein. Hinzu kommt, dass Castell direkt aus Rom gesandt wird und kein Dorfpfarrer ist, der irgendwohin strafversetzt wurde. Solche Sonderbeauftragten des Vatikan gibt es wirklich, und so basieren unsere Fälle teilweise auf wahren Begebenheiten. Das ist ein großer Unterschied zu anderen Serien.

Inwiefern?

Es geht bei uns nicht nur darum herauszufinden, wo wer zwischen 20 und 21 Uhr war. Es ist vielmehr eine Kombination von Krimi und Kultur. Man erfährt ganz nebenbei etwas über Kirchengeschichte. Das macht alles ein wenig anspruchsvoller.

Sie haben die Figur vorab als "James Bond des Papstes" beschrieben . . .

Das war ironisch gemeint - mir liegt natürlich fern, mich mit James Bond zu vergleichen. Fakt ist aber, dass Pater Castell eine Spezialausbildung hat. Er kann ein Flugzeug fliegen, hat eine Kampfsportausbildung, kann Schlösser knacken. Damit wollten wir die Figur ein wenig aufpeppen.

Wie stehen Sie persönlich zur katholischen Kirche?

Ich bin zwar protestantisch getauft, aber in Bayern geboren und aufgewachsen, so dass ich mit der katholischen Kirche groß geworden bin. Gerade in der Auseinandersetzung mit der Figur wurde mir wieder klar, wie wichtig die Kirche für viele Menschen ist, weil sie Halt und Orientierung bietet, sich aber auch karitativ engagiert. Ich würde mich als gläubig, aber nicht als religiös bezeichnen. Ich gehe in die Kirche, aber nicht jeden Sonntag.

Wie bereitet man sich auf die Rolle als Pater vor?

Ich habe viele Bücher gelesen und die Gelegenheit gehabt, in Rom den Sekretär von Kurienkardinal Walter Kasper kennenzulernen. Der hat mir so eine Art Crashkurs gegeben darüber, was wichtig ist an der Arbeit als Pater. Das in Rom, dem geistigen Zentrum der katholischen Kirche, zu tun, war schon etwas Besonderes. Und dann musste ich lernen, wie man sich als Pater bewegt, wie man die Soutane trägt, mit ihr Treppen steigt oder gar Vespa fährt. Das war sehr witzig.

Warum war es Ihnen so wichtig, das alles in Rom zu erlernen?

Ich liebe Rom, das ist im buchstäblichen Sinne heiliger Boden. Und dort mit Soutane zu drehen, war unglaublich spannend. Wenn man da über den Petersplatz geht und plötzlich ein echter Monsignore "Buon giorno, collega" ruft, das ist schon toll.

Ihr größter Erfolg bisher ist die Rolle des Dr. Kleist. Ist "Pater Castell" auch ein Versuch, aus der "Kleist"-Schublade heraus zu kommen?

Alle sind doch irgendwo in Schubladen, auch die internationalen Stars. Außerdem bin ich sehr stolz darauf, dass die Leute den "Kleist" so mögen. Trotzdem komme ich vom Theater und habe dort gelernt, möglichst vielseitig zu arbeiten. Deshalb hoffe ich, dass ich das auch weiterhin tun darf.

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