Frauenleben voller Widersprüche

- In ihrem 1979 erschienenen Memoirenband "Mein Glashaus" hat die Schauspielerin Gisela Uhlen ihre eigene Geschichte als "ein Frauenleben voller Widersprüche, Irrtümer und Katastrophen" beschrieben und damit wohl auch ihre ganze Generation gemeint. Die 1919 in Leipzig als Gisela Friedlinde Schrenk geborene Künstlerin ist am Dienstag nach langer Krankheit in Köln gestorben.

Ihr Repertoire reichte vom anspruchsvollen Spielfilm bis zum "Tatort". Späte Popularität brachte ihr die Rolle der Großmutter in der ZDF-Fernsehserie "Forsthaus Falkenau" ein.

Harsch beurteilte die Schauspielerin, die zuletzt nur noch schreibend tätig war, die heutige Film- und Theaterszene in Deutschland: "Unser Beruf bedeutet doch nicht Selbstdarstellung, heute ist ja nur noch Selbstdarstellung gefragt." Gegen sich und andere sei sie ein "sehr kritischer Mensch" gewesen, erinnert sich Tochter Susanne Uhlen an ihre Mutter: "Sie konnte die Entwicklung des deutschen Theaters nicht mehr nachvollziehen."

Das Leben von Gisela Uhlen war prall gefüllt mit Filmen, Theater, Büchern -­ und auch Männern. Im Jahr 1936 stand sie in Bochum erstmals auf der Bühne und hatte mit der Titelrolle im Ufa-Streifen "Annemarie" zugleich ihr Spielfilmdebüt. Zwei Jahre später holte Heinrich George die Schauspielerin zum Berliner Schillertheater. Sie spielte auch im Propagandastreifen "Ohm Krüger" (1941) mit, wurde im "Dritten Reich" zu einem der bekannteren Stars. Zwar habe sie das Schicksal jüdischer Freunde und Kollegen "sehr unglücklich gemacht ­ aber diese Generation war nur auf das Theater fixiert und hat alles andere nicht wahrhaben wollen", sagt Tochter Susanne, die der Ehe mit Schauspieler Wolfgang Kieling entstammt.

Nach dem Krieg arbeitete Gisela Uhlen sie unter anderem in Stuttgart und Frankfurt am Main und wechselte 1954 aus privaten Gründen für wenige Jahre nach Ostberlin, trat in Defa-Filmen und am Ostberliner Deutschen Theater auf. Für ihre Rolle in Rainer Werner Fassbinders Film "Die Ehe der Maria Braun" erhielt Gisela Uhlen 1979 den Bundesfilmpreis in Gold. Der junge deutsche Autorenfilm hatte die Diva, die auch in Boulevardstücken und Krimis zu sehen war, für sich entdeckt.

In den Achtzigern gründete die unternehmungslustige Künstlerin ihre eigene "Wanderbühne Gisela Uhlen" und fuhr mit einem Wohnmobil von Ort zu Ort. Nach vielen Jahren in der Schweiz ließ sie sich schließlich in Köln nieder, um näher bei ihrer Tochter Susanne zu sein, die über ihre Mutter sagte: "Sie war immer eine Suchende, wie so viele Künstler."

Nachrufe auch auf www.trauer.de.

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