Ein "Frauenmagazin" auch für Männer

München - Am Anfang, im Jahr 1988, wurde in der Sendung noch gekocht und es gab ein Horoskop. Auch mit der Frage, was frau im kommenden Frühjahr trägt, beschäftigte sich die Redaktion. Doch diese Phase ging schnell vorbei. Längst berichtet "ML ­ Mona Lisa" ausschließlich über gesellschaftspolitische Themen, macht bisweilen sogar selbst Politik. An diesem Sonntag feiert das ZDF-"Frauenmagazin" seinen 20. Geburtstag.

Zum 20. Geburtstag von "ML ­ Mona Lisa" (ZDF) zieht Redaktionsleiterin Barbara Dickmann eine positive Bilanz

"Frauenmagazin" ­ ein Wort, das Redaktionsleiterin Barbara Dickmann im Gespräch mit unserer Zeitung ebenso meiden möchte wie "Emanzipation". Vor allem letzteres sei negativ besetzt, "da geht gleich eine Schublade auf, und heraus kommen Frauen, die gegen die Männer in den Krieg ziehen wollen". Das sei nie das Ziel der Sendung gewesen. Für die Gleichberechtigung der Geschlechter, die zwar vom Grundgesetz garantiert, aber noch längst nicht überall umgesetzt sei, werde sich "ML" jedoch weiterhin einsetzen.

Und zwar so, dass die Zahl der Männer unter den zwei Millionen Zuschauern immer mehr zunimmt, wie Dickmann mit Blick auf die hauseigene Marktforschung betont: "Früher waren die Männer nur zufällig dabei, wenn ihre Frauen uns zugesehen haben, das hat sich inzwischen geändert."

Eine spezifisch weibliche Perspektive auf die behandelten Themen will die 64-Jährige, die auch Kolumnistin unserer Zeitung ist, nicht verhehlen: "Natürlich lassen die Frauen in der Redaktion ihre eigenen Erfahrungen etwa als allein erziehende, berufstätige Mütter nicht vor der Tür, wenn sie ihre Filme machen. Ihr Alltag fließt mit ein."

Lang ist die Liste der Skandale, die das Team um Barbara Dickmann und ihre Vorgängerin Maria von Welser im Lauf der Jahre publik gemacht haben. Und von Anfang an beschränkte sich ihre journalistische Neugier nicht auf Deutschland, auf vernachlässigte, misshandelte oder missbrauchte Kinder oder auf Krebsfälle in der Umgebung von Kernkraftwerken. Dickmann nennt die Massenvergewaltigungen während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, die Beschneidung von Mädchen in vielen Ländern Afrikas, die Kinderprostitution in aller Welt.

Neben der Berichterstattung stand immer auch die konkrete Hilfe, etwa durch Spendenaktionen für Opfer von Kriegen und Katastrophen. "Ich sehe dazu eine gewisse Verpflichtung, wenn man ein solches Magazin macht. Wir tragen als Journalisten auch Verantwortung", sagt Dickmann.

Auf dem Programm der Jubiläumssendung am Sonntag um 18 Uhr steht eine "Zeitreise durch 20 Jahre Politik in Deutschland, die ja immer auch Frauenpolitik war." Im "ML"-Bus fuhr die Chefin quer durchs Land, um vier Prominente, die Journalistin Alice Schwarzer, Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die ehemalige Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe und Bundeskanzlerin Angela Merkel, nach ihren Erfahrungen als Frauen in Deutschland zu fragen. "Und da", so verspricht die Journalistin, "sind wirklich Aussagen dabei, die ich so zuvor noch nie gehört habe".

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