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Freddy tanzt: Im neuen "Tatort" aus Köln geht es um kaputte Ehen und zerrüttete Beziehungen.

Kritik zur neuen Folge

"Freddy tanzt": Dieser "Tatort" hallt noch lange nach

Köln - Kaputte Ehen und zerrüttete Beziehungen, der tägliche Kampf ums Überleben, privat wie beruflich, auf der Straße wie im Bankenturm – schnell wird man im jüngsten "Tatort" (ARD) aus Köln konfrontiert mit brüchigen Biografien, die der klassischen Krimihandlung große Tiefe geben.

Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Andreas Kleinert haben in „Freddy tanzt“ eine ungewöhnlich komplexe Geschichte geschaffen, in der in vielen Einzelepisoden viele verschiedene Schicksale vorgeführt werden. Die Rivalität der Broker, die unterdrückte Homosexualität des Trainers, das Doppelleben der alleinerziehenden Künstlerin, die sich und ihr Kind als Edelprostituierte durchbringen muss – das Wichtigste ist allen diesen Charakteren, das Gesicht, den schönen Schein zu wahren.

Werner und Kleinert brechen mit dem Muster, den Tathergang nur in Rückblenden zu erzählen, und sie nutzen diese Variation, um in einer längeren Exposition eindringlich zu schildern, wie tiefe Kränkungen einen Gewaltausbruch mit tödlichen Folgen in Gang setzen. So ist ihr Film stets viel mehr als der nicht ganz neue Topos der kollektiv unterlassenen Hilfeleistung, samt stereotyper Tätersuche im Ausschlussverfahren.

Mit großer Souveränität binden Autor und Regisseur auch die beiden Kommissare in die Story ein, sie konfrontieren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) mit der Frage, wie sehr ihn nach all den Jahren der Mensch hinter dem Fall noch interessiert, und stellen Freddy Schenks (Dietmar Bär) eheliche Treue auf die Probe.

Gute Darsteller und ein ruhiges Erzähltempo ganz ohne Action und klassischen Showdown lassen diesen „Tatort“ noch lange nachhallen.

Rudolf Ogiermann

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