Frieden schließen

- Die Familientherapeutin Rena unternimmt mit ihrer Mutter Edith eine lange Reise nach Norwegen, um den Ort ihrer Geburt kennenzulernen. Es ist ein Lebensborn-Heim, von den Nazis während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg eingerichtet, diente es auf der Grundlage der nationalsozialistischen "Rassenhygine" der Zucht einer "arischen Elite".

Doch die alte Frau ändert ihre Version über das, was damals in den Kriegsjahren geschehen ist, immer wieder. Sie hat über die Jahrzehnte ein Netz aus Lügen, Halbwahrheiten und Verdrängung gesponnen, das die Tochter nicht zerreißen kann. "Sie ist meine Mutter" heißt der Film, der morgen im Ersten gezeigt wird. Thekla Carola Wied spielt die etwa 60 Jahre alte Tochter, Kyra Mladeck die Mutter.

Auswirkungen der Vergangenheit

Die Entstehungsgeschichte des Films begann mit der Suche der WDR-Fernsehfilmredaktion nach einem Stoff für Thekla Carola Wied. Von der Autorin Hannah Hollinger kam der Vorschlag, den authentischen Lebensbericht "Das endlose Jahr" von Gisela Heidenreich, das 2002 erschienen ist, für eine Verfilmung zu bearbeiten. Im Unterschied zu dem autobiografischen Roman verlegte Hollinger die Handlung komplett in die Gegenwart und konzentrierte sich auf die Nachwirkungen der Vergangenheit auf die heutigen Situationen der Protagonisten.

In dem norwegischen Dorf in der Nähe von Oslo will Edith plötzlich nichts mehr davon wissen, dass sie Rena in einem Lebensborn-Heim zur Welt gebracht habe. Sie sei dort zwar in untergeordneter Funktion als Sekretärin tätig gewesen, aber zur Entbindung in eine Klinik in Oslo gegangen. Die kleine Rena wuchs in Bad Tölz bei ihrer Tante auf, denn die Mutter verleugnete das uneheliche Kind, wurde interniert und musste in den sogenannten Nürnberger Nachfolgeprozessen aussagen.

Nun ist Edith nach einer Hüftoperation bei Rena und ihrem zweiten Mann Jan (Rüdiger Vogler), einem erfolgreichen Schriftsteller, eingezogen. Für zusätzliche Unruhe sorgt ein älterer Herr namens Friedrich (Michael Altmann), der dringend mit Edith sprechen will, weil sie eine wichtige Zeugin über seine Herkunft sei. Doch Edith will ihn nicht sehen und kennt ihn angeblich gar nicht. Bei einem Treffen mit Rena und ihrem Sohn Daniel (Robert Dölle) legt Friedrich Unterlagen vor, die Ediths Vergangenheit in einem anderen Licht erscheinen lassen als in ihrer eigenen Darstellung.

Friedrich und seine Schwester waren nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 entführt, in Lebensborn-Heime gesteckt und zur Adoption freigegeben worden. Renas Mutter selbst habe ihn nach Nürnberg gebracht und seine Adoptionspapiere unterschrieben, erzählt er. Das aber bedeutet, dass Edith weit mehr als eine unbedeutende Bürokraft gewesen sein muss.

Rena verbeißt sich so intensiv in die Vergangenheitsforschung, dass die ganze Familie darunter leidet. Nach einem Hörsturz wird ihr eine Kur verordnet ­ ausgerechnet in Bad Tölz. Am Ende gesteht sie sich ihr Scheitern ein, und nach einem heftigen Streit entspannt sich die Atmosphäre zwischen Mutter und Tochter. Edith erklärt sich sogar dazu bereit, mit Friedrich zu sprechen. Doch dazu kommt es nicht mehr.

ARD, morgen, 20.15 Uhr.

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