Frischer Blick auf die 68er

München - Das ZDF verfilmt das Schicksal des Studentenführers Rudi Dutschke. In diesen Tagen gehen die Dreharbeiten zu Ende.

Der dunkle Scheitel stimmt. Die akademische Redensweise, die heute noch verquaster wirkt als früher, auch. Christoph Bach (Jahrgang 1975) spielt den legendären Berliner Studentenführer Rudi Dutschke (Jahrgang 1940). Die Dreharbeiten zu dem Film "Dutschke" liegen in den letzten Zügen, die Ausstrahlung im ZDF ist noch für dieses Jahr geplant. 40 Jahre ist es her, dass der Revolutionär in Berlin Opfer eines Attentats wurde.

Die Debatte um 1968 ist wieder einmal hochaktuell. Seit kurzem heißt eine Straße am Springer-Hochhaus, einem Ort der Studentenproteste, nach dem 1979 verstorbenen Dutschke. Zur Vorstellung des Dokudramas lud der Mainzer Sender in einen alten Hörsaal in Zehlendorf ein und begrüßte die Gäste im Scherz zu einem "zeitgeschichtlichen Proseminar". Der Film soll ein Werk mit Anspruch werden. ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke sagt, es werde "keinen Hauch von Event drumherum" geben.

Das Team ist jung und gehört zur Nach-1968-Generation. Regie führt Stefan Krohmer ("Sommer '04", "Sie haben Knut"), das Buch stammt von Daniel Nocke. Davon verspricht sich Produzent Nico Hofmann ("Die Luftbrücke") einen frischen Blick auf den umstrittenen Studentenführer, dessen Bedeutung für eine ganze Generation und die deutsche Geschichte. Eine "Heldenverehrung" soll "Dutschke" laut Hofmann jedenfalls nicht werden ­ auch wenn der Revolutionär in den ersten Ausschnitten, die das ZDF präsentierte, als mutiger Anführer auftritt. "Herr Brandt wird sich nicht vor uns verstecken können", sagt der Film-Dutschke im Jahr 1964 bei einer Demo in Berlin.

Rund 30 Stunden Interviews mit Zeitzeugen, Weggefährten und Kontrahenten wurden gesammelt, zu Wort kamen die Witwe und Biografin Gretchen Dutschke, die Beraterin des ZDF-Films war, sowie so unterschiedliche Stimmen wie die Zeitzeugen Bernd Rabehl (im Film: Matthias Koeberlin) und Gaston Salvatore (Pasquale Aleardi), der Wissenschaftler Wolfgang Kraushaar und Ex-Bürgermeister Eberhard Diepgen.

Produzent Hofmann hält den Themenkomplex 1968 keineswegs für "abgefilmt". "Ich finde, es gibt viel zu wenig Filme dazu", sagt er. Spontan fallen ihm nur die später angesiedelten Terrorismus-Filme wie Bernd Eichingers "Der Baader Meinhof Komplex" oder sein eigenes Projekt "Mogadischu" ein ­ keine Filme über 1968.

Ein wenig zaudernd wirkt Hauptdarsteller Christoph Bach ("Prager Botschaft"), als er gefragt wird, was ihm Dutschke und die Rolle bedeuten. Für ihn sei es ein Versuch, sich vom Menschen Dutschke "ein möglichst plastisches Bild" zu machen, sagt Bach. Die Britin Emily Cox ("Verwehte") spielt die amerikanische Ehefrau des Studentenführers und konnte dazu auch mit dieser sprechen. "Ich finde, sie hat ein sehr großes Geheimnis. Ich mag sie", sagt die 23-Jährige über Gretchen Dutschke. Wenngleich sie diese "sehr speziell" finde.

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