Per Fuhrwerk zum Dreh

- Zwei Lastwagen, ein Kran, ein Feuerwehrwagen - so viele Fahrzeuge hat der Hafen von Kloster auf der Ostseeinsel Hiddensee noch nie gesehen. Denn auf der kleinen Insel westlich von Rügen sind Autos tabu: Nur Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Inselarzt sind motorisiert, und Schul- und Linienbus dürfen verkehren.

Eine Ausnahme wurde jetzt für ein Filmteam des Norddeutschen Rundfunks gemacht, das auf Hiddensee unter der Regie von Hannu Salonen das Fluchtdrama "Über die Ostsee in die Freiheit" dreht. 2007 wird der Film mit den Hauptdarstellern Peter Lohmeyer, Jürgen Vogel und Camilla Søeberg im Fernsehen zu sehen sein.

Die Geschichte: In einer Februar-Nacht beobachtet der 45-jährige Ben (Peter Lohmeyer), wie eine Jolle auf die Küste der Insel zutreibt. Darin findet er den Jungen Satya (Brevin Koneswaran), einen Zwölfjährigen, der vor dem Bürgerkrieg auf Sri Lanka nach Dänemark geflohen war. Diese Begegnung weckt in Ben Erinnerungen an seinen eigenen Fluchtversuch über die Ostsee im Jahr 1986, bei dem er Frau und Sohn verlor. Deshalb versteckt Ben den Jungen vor der Polizei und vor der Sozialarbeiterin Mette (Camilla Søeberg), die Satya auf der dänischen Insel Moen betreute.

Der NDR-Film basiert nicht auf einem realen Fall. Vielmehr sollen Bens fiktive Erlebnisse stellvertretend für das Schicksal von tausenden DDR-Bürgern stehen, die die Flucht über die innerdeutsche Grenze über die Ostsee gewagt haben.

"Die Problematik der Flucht über die innerdeutsche Grenze ist ein Stück gesamtdeutsche Geschichte."

Jürgen Vogel

Der finnische Regisseur Hannu Salonen will dennoch keinen politischen Film machen: "Mir geht es vielmehr darum, allgemein menschliche Emotionen zu zeigen, die mit dem Thema Flucht verbunden sind", erklärt er. "Die Problematik der Flucht über die innerdeutsche Grenze ist ein Stück gesamtdeutsche Geschichte", sagt Schauspieler Jürgen Vogel. Der gebürtige Hamburger spielt in dem Streifen den Inselpolizisten Straussberg. "Jeder, der im Westen lebte, wusste auch von den Fluchtversuchen."

Vogel erhielt auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären für seine herausragende künstlerische Gesamtleistung als Schauspieler, Co-Autor und Co-Produzent für den Film "Der Freie Wille". Politische Fragen, wie zum Beispiel der Bürgerkrieg auf Sri Lanka, würden nur angerissen, beschreibt Peter Lohmeyer, dem die Rolle als Kriegsheimkehrer in Sönke Wortmanns Erfolgsfilm "Das Wunder von Bern" 2004 den Publikumspreis "Schauspieler des Jahres des Deutschen Filmpreises" einbrachte. Auch würde die Asylproblematik nicht weiter ausgeführt. "Es gibt aber Interpretationsmöglichkeiten."

Der Dreh auf der Insel stellte das Filmteam vor besondere Probleme. "Normalerweise fahren wir mit unserer Ausrüstung direkt an den Drehort", erzählt Produktionsleiter Eckard Lippens. "Jetzt müssen wir alles auf eine Fähre, später vieles auf Pferdefuhrwerke umladen." Weil die Insel unter Naturschutz steht, mussten Sondergenehmigungen beantragt werden. Als Statisten oder Helfer sind auch einige Hiddenseer an den Dreharbeiten beteiligt.

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