Fußball im Fernsehen: Schräubchen drehen hinter den Kulissen

München - Die Fans atmen auf - endlich wieder Bundesliga. Doch während sich die Zuschauer auf die an diesem Wochenende beginnende Saison freuen, rangeln Funktionäre und Fernsehverantwortliche schon um die Rechte ab der Saison 2009/2010. Im Visier von Premiere-Chef Georg Kofler ist einmal mehr die ARD-"Sportschau" unter ihrem Redaktionsleiter Steffen Simon (42), zugleich Sportchef des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

-Rund 100 Millionen Euro hat die ARD zuletzt für die Free TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga gezahlt. Wieviel wären Sie künftig zu zahlen bereit, um die Spiele samstags zeitnah in der "Sportschau" zeigen zu können?

Das ist eine Frage, über die sich die Intendanten den Kopf zerbrechen müssen, nicht ich. Aber davon abgesehen wäre es ganz unklug, sich jetzt mit einer Summe öffentlich festzulegen.

-Premiere-Chef Georg Kofler bläst mit Blick auf den im Herbst anstehenden Rechtepoker unverhohlen zum Angriff auf die "Sportschau" . . .

Nun ja, er hat beim letzten Mal eine schwere Niederlage einstecken müssen durch den überraschenden Einstieg von Arena beim Pay TV, und natürlich hat er schon deshalb auch mit uns noch eine Rechnung offen. Aber wir werden alles tun, damit es nicht dazu kommt, dass die "Sportschau" abgeschafft wird, so wie er das gerne hätte.

-Der Premiere-Chef sagt, Fußball im Abonnementfernsehen könne nur dann erfolgreich vermarktet werden, wenn die Rechte wirklich exklusiv vergeben werden...

Wir sind davon überzeugt, dass Pay TV und Free TV sehr wohl nebeneinander existieren können. Georg Kofler geht davon aus, dass die beiden Märkte wie kommunizierende Röhren funktionieren. Das heißt, was man dem einen wegnimmt, bekommt der andere automatisch dazu. Wenn das stimmen würde, hätte die "Sportschau" 2006/2007 eine halbe Million Zuschauer dazugewinnen müssen. So viele Zuschauer hat nämlich Arena in der abgelaufenen Saison im Vergleich zu Premiere verloren. Wir haben zwar 140 000 Zuschauer dazu gewonnen, aber eben nicht die halbe Million. Das ist für mich ein eindeutiger Beweis dafür, dass Koflers Theorie nicht stimmt.

-Der neue Präsident der Deutschen Fußballliga, Reinhard Rauball, hat in einem Interview angedeutet, die DFL habe "natürlich" den Wunsch, beim nächsten Vertrag über die Fernsehrechte mehr zu erlösen als bisher. Das kann doch nur zu Lasten einer frühen "Sportschau" gehen . . .

Wenn die zeitnahe Free-TV-Verwertung der Bundesliga wegfiele, würde die Liga sich selbst keinen Gefallen tun - egal ob das Ding "Sportschau", "Anpfiff" oder "ran" heißt. Wir können das bei den Sonntagsspielen ja jetzt schon sehen. Durch die Verschiebung der Free-TV-Grenze von 19 auf 22 Uhr hat das Deutsche Sportfernsehen, das hier die Rechte hat, mehr als die Hälfte seines Marktanteils verloren. Ein Spitzenspiel wie die Partie Schalke 04 gegen Bayern München in der vergangenen Saison haben da gerade einmal 1,3 Millionen Zuschauer gesehen. Auf dem Sendeplatz um 19 Uhr war ein solches Spiel vorher immer für viereinhalb bis fünf Millionen Zuschauer gut. Das zeigt, dass die Leute selbst dann nicht mehr zuschauen, wenn man Spitzenspiele zeigt. Genau das würde der DFL auch passieren, wenn sie den 18.30-Uhr-Sendeplatz gegen den 22-Uhr-Sendeplatz eintauscht. Auch dann würde der Fußball im frei empfangbaren Fernsehen die Hälfte seiner Zuschauer verlieren, und Georg Kofler würde trotzdem nicht die Gewinne machen, die er heute prognostiziert.

-Der öffentlich-rechtlichen ARD wird immer wieder vorgeworfen, die "Sportschau" kommerzialisiert zu haben. Statt Fußball pur gebe es Werbung satt...

Wenn man keine anderen Argumente hat, muss man sich solche ausdenken. Tatsache ist, dass wir in der "Sportschau" so wenig Werbung haben wie in keinem Bundesliga-Format seit 1989, als die Rechte an RTL und damit erstmals an einen Privatsender gegangen sind. Wir werden in der neuen Saison zwei Werbeblöcke und einen sogenannten Split Screen haben, also einen dreißigsekündigen Werbespot, der redaktionell umrahmt ist. In der letzten "ran"-Saison, 2002/2003, gab es noch doppelt so viel Werbung. Insofern ist dieser Vorwurf einfach nicht zutreffend.

-Und dann gibt's da ja noch die Gewinnspiele . . .

Wir reden jetzt über die Bundesliga-"Sportschau" am Samstag, die um 18.30 Uhr beginnt und um 19.52 endet. Da gibt es nur die Auflösung eines Gewinnspiels. Das ist keine klassische Werbung. Dass es in Zeiten, in denen Lizenzen exorbitant teuer geworden sind, auch bei uns nicht ganz ohne Werbung geht, ist eine Realität, mit der man sich als Zuschauer einfach abfinden muss. Das ruft aber absolut nicht die Proteststürme hervor, die vielleicht der eine oder andere gerne hätte - ganz im Gegenteil.

-Viele Clubs haben sich mit neuen Spielern verstärkt - Ihr Team auch?

Es gibt zwei neue Kommentatoren, Markus Othmer vom Bayerischen und Claus Lufen vom Westdeutschen Rundfunk. Ansonsten ist die Sendung, was Berichterstattung, Moderation und Technik angeht, auf einem so hohen Niveau, dass wir zwar immer mal wieder hinter den Kulissen an kleinen Schräubchen drehen, der Zuschauer sich aber auf eine "Sportschau" freuen darf, wie er sie kennt.

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