Fußball in Opernkulisse

Bregenz - Die öffentlich-rechtlichen Sender übertragen die Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr. Das ZDF plant, von der Seebühne in Bregenz zu senden. Um das Fußballturnier wieder in Live-Atmosphäre vor einer großen Zuschauerkulisse übertragen zu können, will der Mainzer Sender seinen Moderator Johannes B. Kerner auf die Bühne mit 7000 Sitzplätzen im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Österreich schicken.

Wo heuer unter freiem Himmel Puccinis Opernklassiker "Tosca" aufgeführt wird, sollen im nächsten Sommer Fußballkrimis auf Videoleinwänden zu sehen sein. Kerner soll die Spiele zusammen mit dem Mainzer Trainer Jürgen Klopp und dem Schweizer Schiedsrichter Urs Meier präsentieren. Das Trio war bereits während der WM 2006 im Einsatz.

Nachdem die öffentlich-rechtlichen Sender den Zuschlag für die EM-Übertragung aus Österreich und der Schweiz erhalten haben, will das ZDF Fußball und Kultur am Bodensee verbinden. Doch noch gibt es Bedenken wegen der Kosten, da die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft aus einer Arena im Sony-Center in Berlin im vergangenen Sommer recht aufwändig war. "Bindende Zusagen gibt es noch nicht", heißt es beim ZDF, und der Sprecher der Bregenzer Festspiele, Axel Renner, betont: "Wir sind auf einem guten Weg, aber fix ist es noch nicht." Dabei freut sich ZDF-Intendant Markus Schächter schon auf die Übertragung: "Bregenz ist der spektakulärste Ort, an dem man die besondere Dramaturgie der Weltmeisterschaft in Berlin fortschreiben kann."

Der Senderchef erwartet emotionale Bilder und kritische Berichterstattung vor einer eindrucksvollen Kulisse zwischen Alpenblick und Bodensee. "Berlin war eine einmalige Geschichte. Wir werden das Sony-Center immer in bester Erinnerung behalten und gleichzeitig wissen, das ist nicht der Platz zum Bleiben."

Für das österreichische Bregenz könnte die Übertragung ein gutes Geschäft sein. Die Opernsaison beginnt dort im kommenden Jahr am 23. Juli. Mit der Fußball-Übertragung wäre die Bühne am Bodensee auch im Juni ausgebucht, und zwischendrin stünde noch Zeit für Proben zur Verfügung. Sprecher Renner verweist auf das gigantische Bühnenbild für "Tosca" mit einem riesigen gemalten Auge, das auch für die EM-Übertragung den Hintergrund bilden würde. Hinzu komme ein einzigartiges Klangsystem. "Wir können eine richtige Stadionatmosphäre erzeugen - ein Raumklang unter freiem Himmel."

Neben den 7000 Sitzplätzen vor der Bühne könnten auf dem Vorplatz weitere 8000 Fans Platz finden. Das ZDF beginnt die EM-Übertragung mit der Eröffnungspartie am 7. Juni in Basel. Es werden die Quoten vom WM-Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica erwartet. Damals saßen rund 20 Millionen Menschen vor dem Fernseher und nach Schätzungen zusätzlich zwölf Millionen Fußballfans vor Leinwänden im Freien. Das Finale am 29. Juni in Wien ist im Ersten zu sehen. Bei der ARD-Programmdirektion heißt es: "Man möchte so nah wie möglich ran an das Geschehen in den Stadien." Von wo aus das Duo Günter Netzer und Gerhard Delling senden wird, stehe allerdings noch nicht fest.

Nach den Doping-Enthüllungen im Radsport stellen sich bei solchen Großereignissen aber auch journalistische Fragen. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender mahnte kürzlich, die Gratwanderung zwischen Emotionen und Distanz müsse besser gelingen. Schächter will am großen Sport festhalten, betont aber: "Wir werden mit der investigativen Kraft des Sportjournalismus an die Sache herangehen. Wir sind durch die Entwicklung im Radsport deutlich nachdrücklicher geworden, fragen nach einer echten Leistung im Sport und einer durch die Pharmazie gestützten."

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