Der Gärtner und sein Hirte

- Im Film ist alles möglich - eine auf den Kopf gestellte Chronologie etwa. Die Szenen über die Amtszeit von Papst Johannes Paul II. (1920 - 2005) sind abgedreht, nun entsteht in der sächsisch-polnischen Grenzstadt Görlitz der Teil des Dokudramas, in dessen Mittelpunkt die Jugendjahre Karol Wojtylas stehen. Pünktlich zum ersten Todestag am 2. April soll die ZDF-Produktion, bei der Gero von Boehm Regie führt, fertig sein.

"Der Papst war als junger Mann sehr an Frauen interessiert." Regisseur Gero von Boehm

Unter den politischen Ereignissen, die sich mit dem langen Pontifikat des polnischen Papstes (ab 1978) verbinden, nimmt die Öffnung des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West einen besonders großen Raum ein. Zu Wort kommen Zeitzeugen wie Arbeiterführer Lech Walesa, der damalige polnische Staatspräsident Wojciech Jaruzelski, Henry Kissinger, Ex-Außenminister der USA, sowie der letzte Regierungschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Sie sollen erhellen, welche Rolle das Kirchenoberhaupt beim Zusammenbruch des Kommunismus spielte. Ohne den Papst, so die Überzeugung von Historikern, hätte das Ende des Warschauer Paktes länger auf sich warten lassen.

Doch immer, wenn die filmische Biografie zu politik- oder theologielastig zu werden droht, tritt der Gärtner aus dem Dickicht und hilft seinem Papst, dargestellt von Michael Mendl, auf die Sprünge. Die Idee dafür wurzelt in einem früheren Film von Boehms über den Vatikan. Bei Dreharbeiten in Castelgandolfo vor zwei Jahren interviewte er einen Gärtner der päpstlichen Sommerresidenz, der dann nicht nur von der Blumenliebe Johannes Pauls II., sondern auch von zufälligen Begegnungen mit ihm erzählte.

So wird der Gärtner Peppino Mancuso (Mario Adorf) eine wichtige Nebenfigur. In seiner Familie gibt es Scheidung, Abtreibung, ungewollte Kinderlosigkeit. Und der Papst, der eigentlich nur eine Blume fürseinen Schreibtisch holen wollte, erteilt dem Mann mit der grünen Gärtnerschürze und dem Dreitagebart gute Ratschläge und legt in einfachen Sätzen dar, was er mit der von ihm propagierten Kultur des Lebens meint.

Über die Jahre hinweg begegnen sich der Gärtner und sein Hirte immer wieder. Der Park hinter dem Petersdom - er zeigt die Rückseite der großen Weltbühne, auf der polnische Werftarbeiter die Gewerkschaft "Solidarnosc" gründen, der Papst Opfer eines Anschlags wird und die Mauer fällt.

In den päpstlichen Gärten durfte das ZDF nicht drehen, dafür wichen die Filmemacher nach Trastevere aus - sehr zur Freude einiger Kinder, die den vermeintlichen Papst stürmisch begrüßten. Immerhin ähnelt der hier gelegene kleine Park mit seinen gepflegten Beeten und dem alten Gewächshaus durchaus dem vatikanischen Original.

Bei den Aufnahmen in Görlitz, dessen historische Straßen als Kulisse für die in Krakau spielenden Szenen dienen, spielt Devid Striesow den jungen Karol Wojtyla, während Cosma Shiva Hagen als Wojtylas Jugendfreundin Halina Kroliewicz auftritt. Für den Regisseur die Idealbesetzung: "Ich lernte die echte Halina kennen. Mit ihren über 80 Jahren ist sie immer noch eine sehr schöne Frau. Cosma Shiva passt sehr gut für die Rolle. Der Papst war als junger Mann sehr an Frauen interessiert, hat viel erlebt. Auch darum war er ein Papst, der aus dem Leben kam."

In seiner Montage aus Interviews, Dokumentaraufnahmen und Spielszenen zeigt der Film den Papst von seinen kraftvollsten Seiten, den Seelsorger, Politiker und charismatischen Kirchenführer. Und niemand habe übrigens - laut Boehm - Johannes Paul II. besser verstanden als dessen Nachfolger Benedikt XVI.: "Der ehemalige Kardinal Ratzinger ist der klarste Interpret dessen, was Johannes Paul II. geglaubt, gedacht und praktiziert hat."

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