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Die Schauspieler Tobias Moretti (als Luis Trenker) und Brigitte Hobmeier (als Leni Riefenstahl) bei Dreharbeiten des Fernsehfilms "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit".

Film-Vorschau

Gefälschtes Tagebuch von Hitlers Sekretärin - Eine fast vergessene Geschichte

München - Von den Nazis erst geschätzt, dann geächtet. Der Film "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" auf ARD erzählt die Geschichte eines Filmproduzenten.

„Eva, mehr Salz.“ Wer das gesagt hat? Adolf Hitler, zu seiner Sekretärin Eva Braun. Mit der er im Übrigen ein Verhältnis gehabt hat. Stimmt natürlich nicht, das mit dem Salz. Ist frei erfunden - bietet aber Stoff für große Geschichten. Das weiß auch Luis Trenker, populärer Bergfilm-Macher der 30er Jahre. Der fälscht 1948, als seine Karriere eine tiefe Delle hat, kurzerhand ein Tagebuch der Eva Braun - und versucht, es an amerikanische Studios zu verscherbeln. So sitzt Hitler, den Rücken zum Zuschauer und die Füße im Wasser, vor heimeligem Alpen-Panorama. Mehr Salz.

Eine Szene, so absurd wie Trenkers Leben, das der Bayerische Rundfunk jetzt verfilmt hat. Eine Szene, die es so nicht gab, sondern die vorm inneren Auge des Südtirolers abläuft. „Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) heißt das Werk von Regisseur Wolfgang Murnberger und Drehbuch-Autor Peter Probst. Der Film beginnt mit Hitlers Fußbad und endet mit Trenkers zweitem Frühling als reingewaschener Märchenonkel im Bayerischen Rundfunk.

Zwischendurch springt der Film in die Zeit zwischen 1925 und Kriegsende. Und porträtiert einen Mann, gespielt von Tobias Moretti, der so charismatisch ist wie egoman. Einen Mann, der durchs Dritte Reich laviert, strauchelt und doch davon kommt. Einen Mann, der in inniger Hassliebe mit der umstrittenen Regisseurin Leni Riefenstahl (Brigitte Hobmeier) verbunden ist - ein furioses Paar.

Die gefälschten Hitler-Tagebücher aus den 80er Jahren sind jedem ein Begriff. „Aber wer von uns heute weiß eigentlich, dass Trenker die Tagebücher von Eva Braun gefälscht hat? Ich wusste es nicht“, sagt Hobmeier, die in München lebt. Und Moretti (56) fragt: „Welcher junge Mensch mit 30 oder 25 weiß heute, wer Luis Trenker ist?“

Moretti, selbst Südtiroler, spielt den Trenker (1892-1990) als exzentrischen Filmemacher und selbstverliebten Frauenversteher. Als talentierten Erzähler, der für die Überhöhung des Heimatmotivs von der NS-Führung geschätzt wird. „Danke, Luis Trenker, danke für dieses großartige Werk“, frohlockt Propagandaminister Josef Goebbels nach der Premiere von „Der Rebell“ (1933): „Ein deutsch-nationaler Kampf, der uns Mahnung sein wird, das Joch von Versailles abzuschütteln.“ Trenker nickt, widerspricht nicht. Applaus von der falschen Seite? Egal, solange er jene Filme machen kann, die er möchte.

Mit dieser Freiheit hat es spätestens dann ein Ende, als Trenker sich in der Optionsfrage - also der Umsiedlung deutschstämmiger Südtiroler ins Deutsche Reich - nicht gleich für Deutschland entscheidet. Später wird er zwar doch optieren und in die NSDAP eintreten, die Nazis lassen ihn aber doch fallen. Erst Jahre nach Kriegsende gerät seine Karriere wieder in Schwung. Parteieintritt und Option kehrt er unter den Teppich.

Trenker wird zum Idol einer ganzen Fernseh-Generation - auch für Drehbuchschreiber Probst. „Wenn der Vater einen Trenker-Hut als letzten Modeschrei sieht, dann macht man da mit. Mit zunehmendem Alter war mir aber klar, dass Trenker schwadroniert“, sagt Probst.

Und Moretti: „Wenn jemand durch den Teich so vieler Epochen schwimmt und am Schluss dabei trocken aus dem Wasser steigt, dann ist das eine eigenwillige Qualität.“ Ihm - Moretti also - sei wichtig gewesen, den Menschen - Trenker also - zu deuten. „Man kann so eine Person nicht ohne kritische Distanz erzählen.“ Der Film sei für ihn auch „ein Geraderücken dieser Figur“, die in der Nachkriegszeit in Österreich zur Ikone des Erzählers geworden war.

„Der schmale Grat der Wahrheit“ zeigt einen Menschen, der sein Werk über alles stellt. Und in der ebenso ehrgeizigen wie kaltblütigen Riefenstahl ein gleichwertiges Gegenüber hat. „Wenn man sich ihre Geschichte anschaut, sieht man immer wieder die Versuche, sie einzuordnen. Entweder: Sie muss die Nazi-Künstlerin bleiben. Oder: Jetzt geben wir ihr die Absolution“, sagt Hobmeier über Riefenstahl. Sie habe das Bild indes „wabern lassen“ wollen.

Dabei wäre es, aus heutiger Sicht, ein Leichtes, moralisch zu urteilen. Der Film spart sich das - und überlässt es dem Zuschauer.

dpa

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