Porträt

Das Geheimnis der „Marke Ferres“

Sie lockt mit ihren Filmen, die grundsätzlich als „Events“ verkauft werden, Millionen vor die Bildschirme und füllt obendrein regelmäßig die Seiten der Boulevardpresse – aktuell durch ihre Trennung von Ehemann Martin Krug. Veronica Ferres ist und bleibt– da mögen die Kritiker noch so stöhnen – eine der erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Schauspielerinnen.

Doch was ist das Geheimnis der „Marke Ferres“, als die sie ihr Noch-Ehemann und Manager gern bezeichnet? Warum verkauft sich Veronica Ferres, die Tochter eines Kartoffelhändlers, die schon als dickes Kind den Traum von der großen Karriere träumte, so viel besser als viele ihrer Kolleginnen? Ist es das perfekte Marketing, das attraktive Äußere des „Superweibs“ – der eben doch das Talent, das ihr so mancher nach wie vor gerne bestreitet?

„Die geniale Vermarktung oder ein hübsches Äußeres allein genügen nicht, um ihre große Popularität zu erklären“, stellt Ulrich Spies, zuständig für den renommierten Adolf-Grimme-Preis, klar. Natürlich spiele es eine Rolle, dass Veronica Ferres nicht nur durch ihre schauspielerische Arbeit, sondern auch mit ihrem sozialen Engagement und mit ihrem Privatleben Schlagzeilen mache. Das jedoch könne man ihr nicht vorwerfen: „Wir leben in einer Mediengesellschaft, die stark auf öffentliche Präsenz setzt. Da wäre es geradezu merkwürdig, wenn Schauspieler davon nicht auch profitieren dürften.“

Mindestens so wichtig für den Erfolg des „Produkts Ferres“ seien die Auszeichnungen, die sie für ihre schauspielerischen Leistungen bisher erhalten hat, und die Art, wie sie ihre Rollen spiele, so Fernsehqualitätsprüfer Spies: „Sie identifiziert sich mit den Figuren, die sie verkörpert, in einer Weise, dass sie für das Publikum in höchstem Maße glaubwürdig wirkt.“

Tatsächlich scheint hier der größte Unterschied zu vielen Kollegen zu liegen. Während andere Schauspieler betonen, dass sie professionelle Distanz zu ihren Rollen brauchen, um sie zu spielen, propagiert Veronica Ferres das genaue Gegenteil: „Schauspielen heißt für mich, in Drehsituationen völlig eins mit meiner Figur zu sein. Wenn ich mein Kostüm angezogen habe und der Dreh beginnt, verschwinde ich komplett hinter der Filmfigur.“ Durch diese totale Identifikation mit ihrer Rolle wird sie für das Publikum zur Projektionsfläche. Die Zuschauer nehmen ihr ihre Emotionalität ab, leiden oder freuen sich mit ihr. Das findet jedenfalls Nico Hofmann, Filmproduzent und Chef von Teamworx, der Produktionsfirma, mit der Veronica Ferres viele ihrer größten Erfolge gedreht hat. „Das ist keine künstliche Schauspielerei, sondern ein ganz tiefer, innerer Punkt, aus dem heraus Veronica die Kraft zum Spielen nimmt“, schwärmt Hofmann. „Mit welcher Emotion und Energie, mit welcher Intensität sie eine Rolle ausfüllt – das macht für mich einen großen Schauspieler aus.“

Kein Zweifel – Veronica Ferres ist eine starke Frau. Eine, die sich aus einem ganz normalen Leben nach oben gekämpft, eine, die es geschafft hat. „Und auch dieser biografische Hintergrund trägt zu ihrer Glaubwürdigkeit bei“, vermutet Ulrich Spies vom Grimme-Institut: „Sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn jemand, der aus kleinen Verhältnissen kommt, auf einmal ins Zentrum einer großen Geschichte gerät.

eswegen kann sie genau solche Rollen auch so glaubwürdig spielen.“
Und sie spielt eben diese Rollen. Immer wieder, wie ihr Kritiker vorwerfen. Ob wie zuletzt in „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ (2006), „Die Frau vom Checkpoint Charly“ (2007), oder jetzt in dem RTL-Dreiteiler „Die Patin“ (zu sehen am Sonntag, Montag und Dienstag, jeweils um 20.15 Uhr) – immer ist Ferres die Mutter, die zur Kämpferin mutiert, um ihre Familie oder ihr(e) Kind(er) zu beschützen. Im aktuellen Thriller, vom Kölner Privatsender erwartungsgmäß als „fiktionales Highlight des Jahres“ annonciert, spielt die 43-Jährige eine biedere Hausfrau, die erkennen muss, dass ihr Knall auf Fall verhafteter Mann offenbar in illegale Geschäfte verstrickt ist.

Produzent Nico Hofmann wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, er besetze Veronica Ferres stets gleich: „Das Gegenteil ist der Fall. Veronica sucht ständig neue Herausforderungen, erweitert ständig ihre Grenzen, spielt immer neue Wendungen in ihren Rollen. Gerade in der ,Patin‘ sieht man Facetten von ihr, die es so noch nie gab.“

Ulrich Spies pflichtet ihm bei. Daran, eine Schauspielerin das spielen zu lassen, was sie am besten kann, sei nichts Verwerfliches. Natürlich sei bei den Filmen, in denen Ferres bisher mitgespielt habe, so manches dabei, das eher unter den Begriff „Süßstoff“ falle, räumt der 61-Jährige ein: „Aber Geschmack ist eben subjektiv. Solche Filme decken ein tiefes Bedürfnis nach der Wiederherstellung einer heilen Welt, die vielen abhanden gekommen ist. Und letztlich gehört es zum Job des Schauspielers, auch andere Rollenangebote anzunehmen.“ Das müsse man Ferres ebenso zugestehen wie allen ihren Kolleginnen und Kollegen: „Ein Schauspieler kann nicht nur bei Filmen mitspielen, die den Grimme-Preis bekommen.“

Melanie Brandl

Biografisches zu Veronica Ferres

Geboren 1965 in Solingen, studierte Veronica Ferres zunächst Germanistik in München, bevor sie Schauspielunterricht nahm und erste Theaterengagements bekam. Ihre erste Kinorolle war die der Landpomeranze Dorli in Edgar Reitz‘ Monumentalwerk „Die zweite Heimat“ (1992). Bekannt aber wurde Ferres vor allem durch die Filme „Schtonk!“ (1992) und „Rossini“ (1997) von Regisseur Helmut Dietl, mit dem sie von 1990 bis 1999 liiert war.
Als Nelly Mann in Heinrich Breloers hochdekorierter Fernsehproduktion „Die Manns – ein Jahrhundertroman“ (2002) erhielt Veronica Ferres unter anderem den Adolf-Grimme-Preis – und große Anerkennung ihrer schauspielerischen Leistung. Auf der Bühne erregte sie erneut Aufmerksamkeit mit ihrer Rolle als Buhlschaft in der „Jedermann“-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen (2002). Aus der Ehe mit dem Werbemanager Martin Krug hat die 43-Jährige eine siebenjährige Tochter.

mbl

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