Geheimnisse der arabischen Welt

- Sie versuchten es noch einmal miteinander, obwohl es beim ersten Treffen vor einem Jahr für beide eine desaströse Erfahrung war. Susanne Osthoff, einst Geisel im Irak, und ARD-Seelenpuler Reinhold Beckmann wollten es diesmal besser machen. Vor einem Jahr saß eine traumatisierte Frau, gerade der Geiselhaft im Irak entronnen, vor ihm und erlebte vermutlich so etwas wie eine Höllenfahrt. Sie konnte sich nicht verständlich machen und verstand nicht, was man von ihr wollte.

Die Anteilnahme an ihrem Schicksal war in Häme umgeschlagen, als sie sich den Mechanismen der Mediengesellschaft verweigerte. Sie wolle wieder in den Irak zurück, verkündeten die Boulevardblätter, sie hätte gemeinsame Sache mit den Entführern gemacht, wurde gestreut. Überhaupt sei sie undankbar und eine Rabenmutter dazu. Und manche meinten, eine irre Emanze auf dem Egotrip habe die Liebe des Volkes nicht verdient.

Damals wollte Osthoff, die für einige Zeit einen Wohnsitz in Glonn (Landkreis Ebersberg) hatte, bei "Beckmann" ihre Sicht der Dinge erläutern, aber es lief völlig schief, was letztlich an Beckmann lag, vermutlich, weil es ihm darum ging, einen "Freak" vorzuführen. Diesmal gab er sich Mühe, und es wurde prompt ein überraschend interessantes Gespräch. Es war keine schlechte Idee, auch Patrick Leclercq, Nahostkorrespondent der ARD, einzuladen. Der kennt Osthoff und die Lage im Irak und konnte daher Hintergründe offenlegen und Zusammenhänge erklären.

Denn das strukturierte Erzählen ist nicht Osthoffs Stärke. Sprunghaft stromert sie durch die Syntax und vermittelt oft den Eindruck, in einer hermetischen Gedankenwelt zu hausen. Nur ließ Beckmann sie diesmal nicht ins offene Messer laufen, sondern gab dem Zuschauer Übersetzungshilfe. Und so wurde klar, dass Osthoff eine schwierige Frau ist, eine, die sich nicht rechtfertigen will -­ und damit im Grunde Recht hat. Sie pocht darauf, so zu sein, wie sie eben ist. Und auf eine merkwürdige Art ist einem das sympathisch. Andererseits hat sie nie darum gebeten, ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Umso verletzter reagierte sie auf die Berichterstattung.

In ihr brodelt es noch immer, und so ging sie doch wieder vor eine Kamera, um mit ein paar Mythen aufzuräumen. Etwa die Sache mit dem Lösegeld. Die Entführer hätten ihr einen Teil davon vermutlich aus schlechtem Gewissen überlassen, und sie hätte es sofort dem deutschen Botschafter gemeldet. Erbost berichtete Osthoff, dass sie zum Stillschweigen verpflichtet wurde und dann Details der Gespräche in denZeitungen standen. Offenkundig gibt es Maulwürfe in den Behörden, die gezielt Redaktionen mit Informationen versorgt haben. Das klingt nach Osthoff‘scher Verschwörungstheorie, aber Leclercq bestätigte es, und das wirft im Rückblick ein übles Licht auf einige Zeitungen, die mit Halbwahrheiten bewusst Stimmung gegen Osthoff gemacht haben, weil die nicht so wollte,wie man es von ihr erwartete.

Nur damit keiner auf die Idee kommt, sie wäre durch diese Erfahrungen gezähmt -­ Osthoff gab als berufliche Perspektive an, als Reiseveranstalterin Touristen am Ort die Geheimnisse der arabischen Welt zu erklären. "Harem und so".

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