Die Kuh vom Eis geholt

- Wer kam, wer ging, was wurde zum großen Erfolg, was hat man schon vergessen? Ein ­ nicht ganz ernst gemeinter ­ Rückblick auf die Namen und Ereignisse des Jahres in der deutschen Fernsehlandschaft.

Aschenputtel ­ mit bürgerlichem Namen Tatjana Gsell und Witwe eines Schönheitschirurgen (kein Witz!), wollte "ihren" Ferfried ("Foffi") von Hohenzollern live im Fernsehen ehelichen. Nach drei von vier Folgen fiel dem Prinzen endlich ein schöner Grund ein, die Hochzeit doch noch abzusagen. Er sei ja bereits verheiratet\x0f.\x0f.\x0f.

Borg, Andy ­ löste Karl Moik als Moderator des ARD-"Musikantenstadls" ab. Den Applaus des Publikums muss der Neue nicht persönlich nehmen. In die Halle darf sowieso nur hinein, wer gerne rhythmisch klatscht.

Buhrow, Tom ­ der neue ARD-"Tagesthemen"-Moderator führte sich perfekt auf diesem Posten ein. Sachlich, sympathisch und ohne Sperenzchen präsentiert er die wichtigesten Nachrichten des Tages.

Computergebühr ­ müssen ab 1. Januar nur diejenigen zahlen, die via Internet fernsehen und kein "echtes" TV-Gerät angemeldet haben. Obwohl die Regelung leicht verständlich ­ und die finanzielle Belastung zumutbar ­ ist, drohten viele Unternehmen schon einmal prophylaktisch mit Bankrott.

Dancing on Ice" ­ jeder Promi blamiert sich, so gut es geht, indem er vor der Kamera zeigt, was er nicht kann ­ entweder im oben genannten RTL-Produkt oder in der Pro Sieben-Konkurrenzveranstaltung "Stars auf Eis". Das gilt in fataler Weise auch für Katarina Witt, die zwar eislaufen kann, es hier aber nicht tut, sondern ­ moderiert.

"Dresden" ­ ein weiteres Exemplar aus dem beliebten Genre "Eventmovie", dessen Erfinder vor keinem historischen Ereignis zurückschrecken. Roland Suso Richters ZDF-Zweiteiler wurde von vielen Zuschauern gesehen und mit Preisen bombardiert, der MM-Kritiker blieb skeptisch. Für ihn war die Produktion "eine Schnulze zwischen Heimatfilm und ,Schwarzwaldklinik’".\x0e

Emmerlich, Gunther ­ muss mit 62 in den Vorruhestand. Sein ARD-Format "Kein schöner Land" wird eingestellt. Das gleiche Schicksal trifft Peter Sodann (70) alias "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher. Ob man bei solchen Entscheidungen wohl immer von "Jugendwahn" sprechen kann, dem die Sender verfallen seien?

Ferres, Veronica ­ beeindruckte als Hauptdarstellerin der ZDF-Verfilmung von Hans-Jürgen Massaquois Buch "Neger, Neger, Schornsteinfeger". Jörg Grünlers Film über das Schicksal eines dunkelhäutigen Buben im "Dritten Reich" zeigte, ebenso wie Jo Baiers Werk "Nicht alle waren Mörder" (ARD) nach den Erinnerungen Michael Degens, wie man die jüngere deutsche Geschichte auch lebendig machen kann ­ ohne Kitsch und Knalleffekte.

Germany‘s next Topmodel ­ ist die 18-jährige Lena Gercke aus Cloppenburg (Niedersachsen). Das bestimmten die Zuschauer der von Heidi Klum moderierten Pro Sieben-Reihe. Die Castingshow sorgte wegen des Vorwurfs, sie verführe junge Mädchen zur Magersucht, für Schlagzeilen. Ein Vorwurf, der vermutlich schwerer wiegt als alle 16 Finalistinnen zusammen.

Heide Simonis ­ ging bei RTL öffentlich tanzen, nachdem man sie im Jahr zuvor vom politischen Parkett gedrängt hatte. Nach fünf Wochen Tango und Quickstep in "Let‘s Dance" hatten die Ärzte Erbarmen und holten die Kuh vom Eis.

Inoffizieller Mitarbeiter" (der Stasi) ­ als solchen verdächtigte das ZDF seinen langjährigen DDR-Korrespondenten Michael Schmitz. Erst kurz vor der Ausstrahlung eines entsprechenden Films von Christhard Läpple bequemte sich der öffentlich-rechtliche Sender, entlastende Indizien zur Kenntnis zu nehmen. Kein gutes Beispiel für seriösen Journalismus.

Jauch, Günther ­ der Tausendsassa kehrt zurück ins Erste. Darüber sind die ARD-Chefs so froh, dass sie ihn auch bei der privaten Konkurrenz weiter wirken lassen, was sie sonst keinem ihrer besten Köpfe erlauben.

Jürgen Klopp ­ bei der WM in Deutschland konnte keiner so gut wie der Mainzer Trainer den Fußball erklären. Doch ausgerechnet sein eigenes Team versteht seit Monaten nur noch Bahnhof.

Kerkeling, Hape ­ sorgte mit seiner Kunstfigur des Schmierenjournalisten Horst Schlämmer für Sternstunden, nicht zuletzt in einer denkwürdigen Prominentenausgabe des Quiz‘ "Wer wird Millionär?", in der Gastgeber Günther Jauch plötzlich selbst die Fragen beantworten musste.

Kerner, Johannes B. ­ andere Bezeichnung für "Zweites Deutsches Fernsehen". Gerüchten zufolge übernimmt der kleine Blonde im kommenden Jahr auch alle Nachrichtensendungen sowie den "Fernsehgarten" und "Wetten, dass\x0f.\x0f.\x0f.\x0f?"

Lieblingsorte der Deutschen" ­ präsentierte das ZDF. Einer aus diesem Grund veranstalteten, nicht repräsentativen Umfrage zufolge liegt der Kölner Dom auf Platz eins. Alaaf!

Makatsch, Heike ­ das einstige Girlie vom Dienst überzeugte in der Filmbiografie "Margarete Steiff" von Xaver Schwarzenberger Kritiker und Publikum. Dafür gab‘s unter anderem den Bayerischen Fernsehpreis und einen Bambi (ohne Knopf im Ohr).

Neubauer, Christine ­ im Ersten fast so häufig auf dem Bildschirm wie Johannes B. Kerner im Zweiten. Wann immer in Fernsehfilmen eine patente, alleinerziehende Mutter mit Sexappeal zu besetzen ist, die nebenher einen Skandal aufdeckt, fällt der ARD nur der Name der Münchner Schauspielerin ein.

Osthoff, Susanne ­ wurde erst vermisst, als böse Buben sie im Irak entführten, dann aber nach ein paar Wochen entnervt freiließen. Bluthund Reinhold Beckmann freute sich schon auf eine Superstory in seiner Talkshow. Doch es war alles nur Schall und (Zigaretten-)Rauch.

Popetown" ­ eine pubertäre MTV-Zeichentrickserie um ein kleines gelbes Männlein, das den Papst darstellen soll, zeigte, dass man eine Sache (hier: Sendung), über die man urteilt, gar nicht kennen muss. Was ja nicht nur in der Politik nichts Neues ist. Die unfreiwillige Werbung durch Hobby-Theologen wie Edmund Söder bescherte dem Jugendsender vermutlich ein einziges Mal einen messbaren Marktanteil. Und der Untergang des Abendlandes fand nicht statt.

Quote ­ auch 2006 das Maß aller Dinge.

Regner, Tobias ­ der Teisendorfer ist der Gewinner der dritten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (RTL). Hoffentlich erleidet er nicht das gleiche Schicksal wie seine Vorgänger Alexander Klaws und Elli Erl. Bei denen kann von "Superstar" keine Rede (mehr) sein.

Scheibenwischer" ­ sein Motor muss stark sein, damit er gut funktioniert. Bruno Jonas und Mathias Richling ließen von der ARD-Werkstatt den robusten Georg Schramm gegen Richard Rogler austauschen, obwohl gar nichts an ihm kaputt war. Seitdem ist die Sicht merklich schlechter.

Schimpf, Rolf ­ will als "Der Alte" (ZDF) aufhören. Die Rente mit 82 ist keine Utopie.

Texas Lightning" ­ die "kleine tapfere Band" um Musiker und Komiker Olli Dittrich ließ die Schmach von Kiew (letzter Platz) aus dem Jahr 2005 vergessen. Zwar belegte die Truppe heuer beim Eurovision Song Contest in Athen "nur" Platz 15, für die deutschen Fans wurde das Quintett aber unangefochten "Sieger der Herzen".

Ullrich, Jan ­ nicht fürs Doping sehr gut bezahlter freier Mitarbeiter der ARD, dessen Vertrag überraschend nicht verlängert wurde. Den hatte Programmdirektor Günter Struve zuvor, wie er gestand, gar nicht erst gelesen. Eine schwache Leistung. Hätte er sich doch ein Beispiel an seinem Schützling genommen. Der weiß, wie sich Leistung steigern lässt.

Verena Wiedemann ­ dass die ARD eine Generalsekretärin braucht, glaubt vermutlich nur die Generalsekretärin ­ und die, die diesen Posten schufen.

Wickert, Ulrich ­ zwinkert uns nach seinem Abschied von den ARD-"Tagesthemen" einmal im Monat in einer Büchersendung freundlich über den Rand eines spannenden Schmökers zu.

XY ­ ungelöst" \-­ der ZDF-Dauerbrenner muss noch lange im Programm bleiben, sonst ist diese Chronik unvollständig.

Zugangspauschale ­ neues Wort für Gebühr. Auch der Empfang bisher unter "Free TV" firmierender Privatsender könnte künftig Geld kosten. RTL und Pro Sieben-SAT\x0f1 grübeln bereits über entsprechenden Plänen. Nicht, dass der Zuschauer am Ende "freiwillig" auf den Genuss dieser Programme verzichtet\x0f.\x0f.\x0f.

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