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Hollywood-Schauspieler Donald Sutherland spielt in dem TV-Mehrteiler „Die Säulen der Erde“ Bartholomäus, den Grafen von Shiring, wunderbar opahaft.

Gut gemachte Unterhaltung: „Die Säulen der Erde“

München - Die erste Ader ritzt ein Mönch nach sechs Minuten. Der Aderlass dient als plakatives Symbol dafür, wie die Menschen im Mittelalter medizinische Grundregeln, ja den Fortschritt ganz allgemein ignorierten.

Das Fernseh-Epos „Die Säulen der Erde“ nach dem Roman von Ken Follett dekliniert die in zahllosen Historienschinken erprobten Klischees vom düsteren Zeitalter durch: Hexenprozesse, scheinheilige Kirchenmänner und Adelige, die sich rücksichtslos nehmen, was sie begehren.

In dieser Welt will Tom Builder (Rufus Sewell) eine Kathedrale erbauen, die die Architektur seiner Zeit revolutioniert. Seine Mitstreiter sind natürlich Individuen, die dem Fortschritt huldigen: Die unabhängige kräuterkundige Frau Ellen (Natalia Wörner), der gelehrsame Prior Philipp und die Tochter des ausnahmsweise gütigen Adeligen Bartholomäus. Ihn spielt wunderschön opahaft die Hollywood-Ikone Donald Sutherland. Im England des 12. Jahrhunderts geraten sie alle in die Wirren des Erbfolgekriegs nach dem Tod von König Heinrich.

Diese geballte Ladung Klischees nervt. Anzulasten ist sie vor allem Ken Follett, dem Autor der Romanvorlage. Wer jedoch die Klischees auszublenden versteht, kann Fernseh-Unterhaltung genießen, wie sie selten handwerklich so gut gemacht ist. Drastische, aber allzu billig wirkende Effekte, wie sie bei groß angekündigten Fernseh-Ereignissen gang und gäbe sind, sucht man vergebens. Regisseur Sergio Mimica-Gezzan findet wohltuend unprätentiöse Bilder, die detailreich Folletts Geschichte erzählen.

In der Darsteller-Riege beweisen die noch nicht ganz so großen Namen die größten Stärken. Allen voran Matthew Macfadyen, der zurzeit als Musketier Athos neben Orlando Bloom „Die drei Musketiere“ dreht. Den großen Durchbruch könnte ihm schon die Rolle des Prior Philipp bringen. In seinem Gesicht und seinen blauen Augen zeichnet sich ab, wie er allmählich das Schlechte in der Welt erkennt.

So entsteht im ersten Teil aus den Intrigen der Mächtigen und den Visionen der Protagonisten eine Spannung, die hoffentlich die nächsten drei Folgen der „Säulen der Erde“ durchhält.

Kolja Kröger

Die zweite Folge von „Die Säulen der Erde“ läuft am kommenden Montag (20.15 Uhr, Sat.1). Der erste Teil ist nochmals am Sonntag um 16.55 Uhr auf Sat.1 zu sehen.

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