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Optimistischer Blick in die Zukunft der Film- und Fernsehbranche: Regisseurin Anna-Katharina Maier (li.) und Schauspielerin Laura Preiss beim Gespräch mit unserer Zeitung in München.

Zur ARD-Komödie am Mittwoch, 20.15 Uhr  

Gemeinsam für ein neues Frauenbild: Zu zweit gegen Filmklischees

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Zur besten Sendezeit tritt Laura Preiss am Mittwoch in einer Hauptrolle in der ARD-Komödie auf. Preiss und die Regisseurin Anna-Katharina Maier sprachen mit uns über Frauen-Klischees beim Film und was sich daran ändern sollte.

In England haben sie mal dieses Experiment gemacht. Männliche und weibliche Schauspieler gehen ein Drehbuch durch. Bis die Männer aufmucken. Sie haben ja viel weniger Text! Und was sie zu sagen haben, entspricht so gar nicht ihrem Verständnis einer tragenden Rolle. „Die haben sich geärgert, weil sie oft nur Stichwortgeber waren“, erzählt Laura Preiss amüsiert. Das Experiment, von dem die junge Münchner Schauspielerin da erzählt, zeigt ein grundlegendes Problem der Branche auf: Noch immer sind Frauen in Film und Fernsehen unterrepräsentiert. In den Hauptrollen spielen im Schnitt zu 70 Prozent Männer, zu 30 Prozent Frauen.

Besagtes Experiment wollte das deutlich machen, indem man die Männer ohne deren Wissen die weiblichen Parts und umgekehrt lesen lies. „Und plötzlich sahen die Männer, wie nervig es ist, immer nur ,Ich liebe dich‘ zu hauchen.“ Laura Preiss kennt das. Schlank, blond, blaue Augen – da waren die Rollenangebote zu Beginn recht einseitig: „Du bist entweder die Bitch oder das blonde Naivchen.“ Die 32-Jährige ärgert das. Vor zwei, drei Jahren bekam sie zur selben Zeit vier Angebote. „Die Rollenbeschreibungen waren immer gleich: Das ist so eine Kecke, aber die macht auch was, was eigentlich nur Männer machen. Die eine war bei der Feuerwehr. Als müsste man das so besonders hervorheben, weil Frauen noch nie bei der Feuerwehr waren.“

Verdreht ihm den Kopf: in „Trauung mit Hindernissen“ umgarnt Melanie (Laura Preiss) den anderweitig liierten Philipp (Hary Prinz).

Preiss kann sich herrlich in Rage reden. Und Regisseurin Anna-Katharina Maier nickt lachend. Sie kennt das alles nur zu gut. Von der anderen Seite. Am Mittwoch, 13. Juni, läuft ihr erster Film in der ARD – „Trauung mit Hindernissen“, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Mit gerade einmal 34 Jahren, kurz nach Abschluss ihres Studiums an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), etwas Besonderes. Preiss spielt die Nebenbuhlerin der von Nicolette Krebitz gespielten Hauptfigur.

Beim gemeinsamen Frühstück sollen die beiden erzählen, wie es ist für junge Frauen, sich in der Branche durchzusetzen. Maier grinst zu Preiss herüber. „Das ist lustig, das erlebe ich gerade auch. Da werden viele Geschichten über taffe weibliche Hauptfiguren geschrieben. Man durchschaut schnell, was da für ein Frauenbild platziert werden soll. Aber leider ist da immer sehr viel Klischee dahinter.“

Wie wählt sie die Drehbücher aus? „Meine Frage ist immer: Mag ich meine Figuren und ihre Haltung? Sind das Männer- und Frauenbilder, die ich heute vertreten kann? Man kann nicht alle Klischees einfach brechen, denn der Zuschauer braucht sie, um den Film schnell verstehen zu können.“ Und wie ist das mit den Diven? Kann sie sich genauso gut durchsetzen wie ihre männlichen Kollegen? Da wird diese angenehm bedächtige junge Frau sehr bestimmt: „Ich glaube, das Wichtigste ist, den Begriff Diven komplett zu streichen. Das ist meine Erfahrung bisher: Dass alle, die den Ruf hatten, schwierig zu sein, einfach wahnsinnig ehrgeizig waren – und nicht bereit, einen Text zu sagen, der für sie keinen Sinn ergeben hat. Wenn ich dann eine logische Erklärung dafür hatte, war alles gut.“

„Bei jeder Veränderung muss es erst mal einen Knall geben.“

LAURA PREISS, SCHAUSPIELERIN

Jetzt ist es Preiss, die heftig nickt. Was meint sie – agiert Maier anders als ihre männlichen Kollegen? „Ich glaube nicht, dass man das am Geschlecht festmachen kann. Gerade beim Fernsehen, wo alles schnell gehen muss, gibt es solche, die dich als Schauspieler nur hinstellen und sagen: ,Text bitte!‘ Und andere, die eine Rolle mit dir erarbeiten. Doch das habe ich sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Regisseuren gehabt.“

Mit Maier in jedem Fall. Die hat bisher mit ihren Darstellern überhaupt meist gute Erfahrungen gemacht. Wo allerdings der Spaß aufhört bei beiden Frauen, ist bei diesem einen Problem, von dem sie sich durch die derzeitige Sexismusdebatte eine Lösung erhoffen. „Wie oft ist es passiert, dass ich jemanden aus der Branche kennengelernt habe, man über mögliche Projekte gesprochen hat – und dann kam der Moment des Abcheckens durch das männliche Gegenüber: Geht da was? Wenn nicht, war jede Zusammenarbeit gestorben, und du hast plötzlich nichts mehr von der Person gehört.“ Das sei unfair, findet Preiss.

Wie lässt sich das ändern? Indem man die Debatte, die viele bereits anödet, immer weiterführe, meint die Schauspielerin: „Bei jeder Sache, die sich in der Welt verändert hat, muss es erst mal einen Knall geben. Wenn nicht einer vorneweg rennt und schreit: ,Hier ist Revolution!‘, dann funktioniert es nicht. Damit sie selbst nicht auf ewig das süße Mädel spielen muss, hat Preiss getan, was viele ihrer Kolleginnen tun: Sie hat Abschlussfilme mit Studenten gedreht, in denen sie ihre Vielseitigkeit zeigen konnte. Und nun eben die ARD-Komödie, in der das Verhältnis ganz gut stimmt. Maier: „Hier gibt es nicht nur eine starke Frauenfigur, umringt von Männern. Sondern das Verhältnis ist etwa 50 zu 50. Wenn das kein Anfang ist!“

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