Man gerät in einen Teufelskreis

Köln - Seit einer Woche singen sie wieder ­ oder tun das, was sie dafür halten: die Kandidaten der inzwischen fünften Ausgabe von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Tobias Regner, der Sieger der dritten Staffel, und Leonhard Hechenbichler, Popbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, berichten von ihren Erfahrungen mit der RTL-Show.

"Will ich überhaupt Dieter Bohlen etwas vorsingen?", die Frage stellte sich der heute 25-jährige Tobias Regner aus Teisendorf (Kreis Traunstein) vor dem Casting auch. 2005 war er gerade mit dem Studium fertig, die Kumpels von der Band ermunterten ihn, und außerdem war er davon überzeugt, "eher früher als später aus der Show rauszufliegen", schließlich steht er "auf Metallica, harte Mucke halt". Dass seine beiden Vorgänger im richtigen Leben keine Superstars geworden sind, war ihm auch klar. "Man gerät schnell in einen Teufelskreis, macht sich Hoffnungen, glaubt, dass die anderen Gewinner eben untergegangen sind und man es vielleicht besser macht. Die meisten haben keine Ahnung, was für eine Maschinerie dahintersteckt."

Und zu der zählen auch Dieter Bohlens Sprüche, "die unzweifelhaft oft unter der Gürtellinie liegen. Als Privatmann würde er die nicht machen", sagt Regner. Das müsse man einfach wissen und ein bisschen hochnäsig sein, um sich dagegen zu wappnen. Seinen Erfolg führt er übrigens darauf zurück, dass er "am glaubwürdigsten war in einem unglaubwürdigen Konzept": "Es geht natürlich um Unterhaltungseffekte, das sieht man schon daran, dass Zuschauer abstimmen dürfen, die die Musikalität gar nicht einschätzen können, sondern nach Sympathie gehen." Und wie fühlt sich das angebliche "Superstar"-Dasein nun an? "Gespalten. Ob ich es wieder machen würde, kann ich abschließend nicht sagen. Zunächst einmal wird einem das Image der Show aufgedrückt. Und weil ich versucht habe, so gut wie möglich meinen Rocker-Stil einzubringen, stoße ich auf positives Wiedererkennen." Sein Plattenvertrag wurde übrigens nicht verlängert, "weil wir nicht gut genug waren", sagt Regner selbstkritisch. Jetzt hat er wieder eine Band und arbeitet an einer neuen Demo-CD. Hat er von DSDS profitiert? "Im Gesanglichen. Ich habe gelernt, mich aufzuwärmen, meine Stimme zu schonen, große Bögen zu singen. Und mit etwas Routine trifft man beim Auftritt auch den Ton besser."

"Es geht nicht um Nachwuchs, von Künstleraufbau kann keine Rede sein", kritisiert der 56-jährige Musiklehrer Leonhard Hechenbichler, der von der Bayerischen Staatsregierung zum Popbeauftragten bestellt worden ist und im Internet eine Plattform für junge Musiker betreibt. "Wie will man auch als Künstler Erfolg haben, wenn nicht mit eigenen Titeln?", fragt er. Der normale Weg das sei nunmal "Üben, Üben, Üben", eine CD-Produktion, Live-Konzerte, die Online-Vermarktung und schließlich ein Künstlermanagement durch "Produzenten, die keine Bohlens sind". Was viele beobachten, ist auch sein Eindruck: Dass durchaus begabte Kandidaten früh ausscheiden, um weniger Talentierte vorzuführen. Hechenbichler hält das DSDS-Image deshalb eher für kontraproduktiv. Er glaubt, dass es den wenigstens bewusst ist, was sie eigentlich tun, "wie beim Dschungelcamp. Da müssen sich die Werte doch krass verschoben haben, wenn sogar der ,Spiegel ernsthaft berichtet, was inhaltlich toll ist an diesem Konzept".

Trotzdem rechnet er den bisherigen Siegern durchaus Chancen für eine musikalische Zukunft aus: "Elli Erl macht jetzt ihre eigenen Sachen. Und Tobias Regner kann was. Er muss sich eben treu bleiben." Und was rät er den hoffnungsvollen aktuellen Kandidaten? "Was man jedem rät: Wahrhaftigkeit."

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