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Das Gebäude des Bayerischen Rundfunks (BR) in München.

"Geschlechtergerechte" Sprache

"Kultur-Faschismus!": User empört über BR-Plan

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München - Der "Feuerwehrmann" ist tabu. Eine geschlechtergerechte Sprache soll beim Bayerischen Rundfunk (BR) Einzug halten. Unsere User zeigen sich empört über den Vorstoß eines BR-Bosses.

Er wünscht sich eine "geschlechterkorrekte" Sprache beim Bayerischen Rundfunk: Jürgen Wieland, Kommissarischer Leiter der BR-Verwaltungsdirektion.

Nach den Vorstellungen von Jürgen Wieland, Kommissarischer Leiter der BR-Verwaltungsdirektion, sollen männlich besetzte Begriffe vom Schirm, aus dem Radio und aus dem Netz verschwinden. So sollen BR-Mitarbeiter nicht mehr über  "Feuerwehrmänner" berichten, sondern über "Einsatzkräfte der Feuerwehr". Ebenso sollen Moderatoren künftig nicht mehr die Anrede "verehrte Zuschauer" oder "liebe Zuhörer" verwenden. Statt dessen sollen sie sich ans "Publikum" oder "Auditorium wenden". Das sieht eine Handreichung für BR-Mitarbeiter vor, die den Titel "Faire Sprache. Tipps für eine geschlechtergerechte Sprache im Bayerischen Rundfunk."

Was hat der BR-Boss sich dabei eigentlich gedacht? Der "tz" erklärt Jürgen Wieland: "Der Leitfaden 'Faire Sprache' ist vor dem Hintergrund entstanden, dass der Bayerische Rundfunk die sprachliche Gleichstellung als einen wichtigen Baustein im beruflichen Alltag sieht. Wir folgen damit dem Vorbild anderer Medienhäuser und haben den Leitfaden als reine Empfehlung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgegeben.“

Allerdings liegt Wieland viel daran, dass seine Ideen auch umgesetzt werden. So schriebt er im Vorwort der BR-Handreichung: "Ich bitte alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in ihrem Arbeitsalltag eine faire Sprache zu verwenden."

User verstehen die geplante Regelung nicht

Auf völliges Unverständnis stößt Wielands Vorstoß bei unseren Usern. Fast einmütig wird eine "geschlechterkorrekte Sprache" beim BR verurteilt. Eine Auswahl der Kommentare:

"Altbayer" fragt: "Gibt's wirklich, ganz ehrlich nichts Wichtigeres als den Mist. Do kon i blos no an Kopf schüttln..."

Feuerwehrmann "Franzl" ärgert sich: "Ich bin Feuerwehrmann und keine Einsatzkraft. Wie heißen dann die Gruppenführer? Gruppenleitung??? Oder der Maschinist?? Is' das dann die Fahrzeugbedienkraft?? Und Atemschutzgeräteträger???? Da fällt mir nix ein.... Sorry, der BR soll sich um sein Radio-und Fernsehprogramm kümmern, anstatt so 'nen Mist zu verzapfen!!!!"

"bledbleibtbled" vermutet, dass der BR-Plan bei den Feuerwehrmännern nicht gut ankommt: "Wenn' s im Funkhaus mal brennt, bleiben alle Feuerwehrmänner beim Schafkopfen auf ihren Wachen, denn das können ja dann die Feuerwehrinneninneninnen übernehmen."

Probleme bei Berichten über den Papst?

"Hans" vermutet, dass sich eine geschlechterkorrekte Sprache bei Berichten über die katholische Kirche schwierig gestalten dürfte: "Schwierig wird es für den BR vermutlich beim Papst, denn Franziska die Päpstin, da weiß ich nicht, ob dies dem Vatikan so gefallen dürfte. Oder der Begriff 'Heiliger Vater', oh meine Göttin, vielleicht hören wir ja demnächst die Umschreibung 'Heilige Mutter'. Ich denke, der Schwabe sagt dazu genderneutral: Heilig´s Blechle!" 

"gast" ärgert sich über diese Entwicklung beim gebührenfinanzierten Sender und kommentiert sarkastisch: "Wie kann ich dem BR meine Rundfunkgebühren und Rundfunkgebührinnen zukünftig vorenthalten? Für so einen Schmarrn und Schmarrinnen will ich Geld und keine Geldinnen ausgeben!"

"Dunnerslach" stößt sich an einem verordneten Sprachgebrauch: "Sprache ist etwas, das sich im Alltagsgebrauch von selbst entwickeln sollte. Obrigkeitliche Eingriffe gehören da nicht hin. Diese sind Kennzeichen einer totalitären Gesellschaft."

"Auch eine subtile Form der Diskriminierung"

Ähnlich sieht es "TheAdvocate": "Das Ganze grenzt an Kultur-Faschismus! Den Menschen soll von einer gender-wahnsinnigen Minderheit eine neue Sprache indoktriniert werden, die dem Alltag normaler Bürger in keiner Weise entspricht, weder benötigt noch erwünscht ist. Die Bekämpfung von Ungleichbehandlung hat mit konkreten Taten zu erfolgen und nicht mit einer verordneten Sprachzensur. Im Übrigen stellt die Ausmerzung maskuliner Endungen auch eine subtile Form der Diskriminierung dar. Schäm Dich, Bayerischer Rundfunk!"

"Feuerwehrfrau" wundert sich, ob Wielands Vorgabe, künftig nur über "Einsatzkräfte der Feuerwehr" zu berichten, in jedem Fall Sinn macht. Denn: "Was ist, wenn bei einem Einsatz nur Feuerwehr-Männer dabei waren?"  

"ichsachmal" fragt sich, warum so ein Plan ausgerechnet beim BR auftaucht, der sich sonst der Pflege der Sprachtradition verschrieben hat? "Auf der einen Seite 'Rettet den bairischen Dialekt' Auf der anderen Seite die Sprache aus lauter überpolitischer Pseudo-Korrektheit zensieren. Und das von einem... darf man noch.. oder frau? 'einem' sagen oder muss neutron jetzt statt einem öffentlichem Rundfunksender jetzt Rundfunkwesen schreiben?"

"Bert" zieht erbost die Konsequenz aus Wielands Vorstoß: "Der/Die/Das BR ist aus meiner Senderliste entfernt worden."

"Der ganz normale Wahnsinn" im BR

"Swapinga" fühlt sich durch die BR-Broschüre an einen Serienklassier des Senders erinnert: "Früher gab' s im BR mal die Serie: 'Der ganz normale Wahnsinn'. Anscheinend kommen nach 35 Jahren jetzt neue Folgen."

"bayer" schreibt erbost über den für ihn völlig überflüssigen Vorstoß: "Langsam wird es Zeit die Glotze und das Radio aus dem Fenster zu werfen - eigentlich ein Grund, auch den BR zu boykottieren. Ich hoffe inständig, dass es demnächst in Wirtschaft und Gesellschaft richtig kracht - offenbar verfügen wir über zu viel Zeit, um uns mit Nichtigkeiten zu beschäftigen."

"Spiritus Omnibus" fragt sich, warum von Wieland nicht die baierische Alternative zu "Feuerwehrmännern" vorgeschlagen wurde: "Feuerwehrleut hat´s ned gleit, wos? Sitzn jetzt nur noch Preissn im BR? Bayern schafft sich ab."

 "Gasti" sieht es ähnlich: "Was der BR schnabelt, ist doch eh wurscht. Die Mitarbeiter der Feuerwehr, die ich kenne (freiwillig und Beruf) reden von sich selber als 'Feuerwehrler'."

"Woifi" fragt sich: "Mein Sohn will immer Feuerwehrmann werden. Muss ich ihn jetzt umerziehen und zwangsweise zur 'Feuerwehrkraft' machen? Oder darf er Mann bleiben, ohne diese Tatsache in unserem Land bald schamhaft verstecken zu müssen?"

"Gast" witzelt über "geschlechterkorrekte" Begriffe: "Meine Tochter wird in der Schule gehänselt. Das geht gar nicht, ich erwarte dass sie ab sofort gegretelt wird."

Diese User sind für eine "geschlechterkorrekte" Sprache

In der großen Zahl der empörten User finden sich zwei Stimmen, die Wielands Plan befürworten.

"Murckel" schreibt: "Zunächst skeptisch - doch bei näherer Betrachtung finde ich die Überlegungen gut. JA LEUTE es ist immer anstrengend sich an Neues zu gewöhnen - aber wenn wir unser Hirn nicht bewegen, dann bewegt sich nichts." 

Und "Lilly" meint: "Ich finde es super!!! Geschlechtergerechte Sprache sollte überall der Standard sein!"

Kopfschütteln bei Sprachexperte Berschin

Weniger auf Zorn als auf Kopfschütteln stößt die Broschüre beim Regensburger Sprachwissenschaftler Helmut Berschin, Autor mehrerer Beiträge für den "Münchner Merkur". Der Titel „Faire Sprache“ unterstelle, die deutsche Sprache sei „unfair“ gegenüber bestimmten Personengruppen, so Berschin. Als Kommunikationsmittel für alle sei die Sprache jedoch neutral. „Dass – wie der BR meint – wer nicht genannt werde, nicht vorkomme, stimmt nicht. Wer ,Meine Damen und Herren‘ sagt, weiß durchaus, dass im Publikum Junge und Alte sind, Reiche und Arme, Inländer und Ausländer, aber es ist nicht nötig, darauf extra hinzuweisen.“ Die konkreten Tipps seien „Schnee von vorgestern und nur punktuell praktikabel“, befindet Berschin.

Der Experte kann sich abschließend eine Spitze gegen den Autor der Broschüre nicht verkneifen. Indem Jürgen Wieland das Papier als „Kommissarischer Leiter der Verwaltungsdirektion“ unterzeichne, verstoße er gegen die eigene Richtlinie. Aber: „,Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern.‘ Im BRDeutsch: ,Alle haben das Recht, ihre Meinung frei zu äußern.‘“

fro

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