Die Gesellschaft als Fall

- Vor dem Bremer Zentralkrankenhaus St.-Jürgen- Straße stehen blutverschmierte Skinheads, Polizisten in Uniform gehen auf und ab. Was wie eine eskalierte Demonstration aussieht, ist das Set des ARD-"Tatorts" mit dem Arbeitstitel "Schwelbrand". Drehbuchautor und Regisseur Thorsten Näter greift darin das Thema Rechtsextremismus auf. Ein ebenso brisanter wie aktueller Stoff: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte erst im vergangenen Monat bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2005 von einem sprunghaften Anstieg rechtsextremistischer Straftaten und einer hohen Gewaltbereitschaft innerhalb der Skinhead-Szene gesprochen.

"Der Rechtsextremismus ist gezielt

in den Osten exportiert worden."

Regisseur Thorsten Näter

"Ich habe schon vor zehn Jahren einen Film über Neonazismus gemacht und seit damals ziemlich viel recherchiert", erzählt Näter. Und auch wenn der Verfassungsschutzbericht belegt, dass es vor allem in ostdeutschen Bundesländern pro Einwohner gerechnet häufiger rechtsextreme Gewalt gibt, glaubt Näter, dass die Macht der rechten Szene im Westen liegt. "Der Rechtsextremismus ist ganz gezielt in den Osten exportiert worden", ist der Regisseur überzeugt, "denn er zielt auf Menschen, die verführbar sind und eine Gemeinschaft suchen". Schlechte Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg: die Unzufriedenheit wächst. "Die Politik bietet den Menschen keine Lösung, es gibt keine linke Alternative", so Näter, der darin ein großes Risiko sieht. "Wer auf die Suche nach Gemeinschaft mit einer Ellbogengesellschaft reagiert, der wird die Quittung bekommen", ist der Autor sich sicher.

Mit dem "Schwelbrand" möchte er beim Publikum eine Diskussion anstoßen. In dem Krimi, der voraussichtlich Anfang kommenden Jahres ausgestrahlt wird, wird ein Plakatkleber ausländischer Herkunft im Vorfeld eines Live-Konzerts gegen Rechts - Jeanette Biedermann spielt die Rocksängerin Dana - lebensgefährlich verletzt. Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und ihr Kollege Stadefreund (Oliver Mommsen) gehen von einem rechtsradikalen Hintergrund aus und ermitteln in der Bremer Neonazi-Szene.

"Gott sei Dank habe ich persönlich noch keine Erfahrung mit Rechtsradikalen gemacht", sagt die Kölner Schauspielerin Sabine Postel in einer Pause bei den Dreharbeiten, "aber es ist ganz klar ein Thema". Der Mutter eines 14 Jahre alten Sohnes ist es wichtig, auch in Unterhaltungsfilmen sozialkritische Probleme anzupacken. Gefährlich findet sie die "unauffälligen Rechtsextremen, die nicht mehr an Bomberjacken und Springerstiefeln zu erkennen sind".

Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten ist laut Verfassungsschutzbericht in Deutschland im Jahr 2005 um 27 Prozent auf 15 361 gestiegen. Dabei ist nach Worten von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble Besorgnis erregend, dass die rechtsextremistische Ideologie bei einem beachtlichen Teil der männlichen Jungwähler im Alter von 18 bis 24 Jahren ankomme. Diese stiegen oft über rechtsextremistische Skinhead-Musik in die Szene ein.

Kommissarin Lürsen (Sabine Postel) und Kollege Stadefreund (Oliver Mommsen) bei den Dreharbeiten. Foto: dpa

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