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Führte ein strenges Regiment: Anna Sacher (Ursula Strauss) in der Küche des legendären Hotels.

Zweiteiler „Das Sacher“ geht an diesem Mittwoch weiter

Bittersüße Kost

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Ein Gespräch mit der Autorin des ZDF-Zweiteilers „Das Sacher“ über die Wahrheit hinter der Schokoladentorte

In Wien im Kaffeehaus sitzen und ein Buch über die Hüterin der Sachertorte schreiben – man kann sich durchaus unangenehmere Tätigkeiten vorstellen. „Ja, das ist natürlich immer der schönste Teil der Arbeit“, sagt Rodica Doehnert und lacht herzlich. Denn in Wahrheit ist das Schreiben eines Drehbuches – selbst bei so süßer Thematik – kein Zuckerschlecken. Drei Jahre lang arbeitete sie an dem Projekt, das nun serviert werden kann: An diesem Montag und Mittwoch sendet das ZDF je um 20.15 Uhr den Zweiteiler „Das Sacher. In bester Gesellschaft“.

Im Zentrum dieses bittersüßen Dramas über die von Intrigen durchzogene Wiener Gesellschaft an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert steht Anna Sacher, Besitzerin und Leiterin des legendären Hotels. Eine Frau als Unternehmerin – das war damals zwar nichts völlig Ungewöhnliches, aber durchaus besonders. „Man nannte das so düster ,Witwenbetrieb‘“, erzählt Doehnert. „Und wie heute schaute man mit viel stärkerem Interesse auf die von Frauen geleiteten Firmen als auf die von Männern.“

In die süße Welt tauchte Anna Sacher durch ihre Heirat ein

Drehbuchautorin Rodica Doehnert

Die Autorin, die unter anderem das Drehbuch zum Dreiteiler „Das Adlon“ geschrieben hat, setzt als Tochter eines Journalisten bei ihren Arbeiten vor allem auf eines: gründliche Recherche. Und die zog die Österreichliebhaberin – wie praktisch – immer wieder nach Wien. Sie besuchte die Kapuzinergruft, den Wienerwald, schaute sich sämtliche Filme an, die in der Zeit spielen, las Joseph Roth, Arthur Schnitzler, Ödön von Horváth, traf Wissenschaftler an der Wiener Uni. Und, nun ja, saß im Kaffeehaus. Schließlich muss man doch wissen, wie sie mundet, die unvergleichliche mit Marillenmarmelade gefüllte Schokoladen-Sünde, die Anna Sachers Schwiegervater Franz einst erfand.

In die süße Welt tauchte die Wienerin erst durch ihre Heirat mit dem Hotelier Eduard Sacher (1843-1892) ein. Sie selbst wuchs in einem Umfeld auf, wo kein Melange-Duft in der Luft lag: „Sie war die Tochter eines Fleischhauers“, erzählt Doehnert. Ein harter, aber hoch angesehener Beruf. Weil der Vater früh starb, die Mutter sich neu verheiratete, verließ die junge Anna schon bald die Fleischhauer-Welt. „Dieser Startpunkt ist aber wichtig. Da wächst ein Mädchen mit dem Schlachten von Tieren auf – gibt es einen größeren Widerspruch zur Schokoladentorte als ein geschlachtetes Tier?“, fragt die Autorin. Diesen Widerspruch wollte sie im Film aufgreifen. Und so gehe es in ihrer Geschichte um den Wunsch, ein gutes, ein süßes Leben zu führen, der durch eigene Fehlentscheidungen und bittere Momente zerstört wird.

Ganz nah dran an der historisch belegbaren Wahrheit

Sie hat illustre Gäste ersonnen, die im „Haus Österreich“, wie die Besitzerin ihr Unternehmen nannte, nächtigten. Von der Autorin erfunden, aber stets an historischen Fakten orientiert. Also: Wie nah sind wir dran an der Wahrheit? „Wir wissen sehr wenig über Anna Sacher. Das war auch ihr Credo, dass sie sich bedeckt gehalten hat“, sagt Doehnert. Sie hat sich das Wenige – „ein paar Aussprüche, ein paar Anekdötchen“ – und Porträts von ihr genau angeschaut. „Ich habe meine eigene Lesart gefunden. Doch ich glaube, ich bin ganz nah an der historisch belegbaren Wahrheit.“ Am Ende gehe es um die Frage, was eine Frau in jener Zeit geopfert hat, um ein solches Imperium zu schaffen? „Lebe deine Vision!“ hätte Annas Leitspruch sein können, meint Rodica Doehnert. Gegen alle Widerstände. Als bestes Hilfsmittel in Krisenzeiten wirkt, das wusste schon Mary Poppins, ein Löffelchen voll Zucker – am liebsten in Tortenform.

Das Buch zum Film

von Rodica Doehnert ist im Europaverlag erschienen: „Das Sacher. Die Geschichte einer Verführung“, 331 Seiten; 19,90 Euro.

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