Geständnisse in der Hitze des Gefechts

Feuer im Fernsehturm: - Schwarze Rauchwolken hoch über Berlins Mitte lassen ahnen, welcher Horror sich gerade in der Kugel des Fernsehturms am Alexanderplatz abspielt. Eine Feuersbrunst wütet ungebremst in 270 Metern Höhe. Das weckt Assoziationen an den 11. September 2001 in New York. "Das Inferno - Flammen über Berlin" heißt, unmissverständlich, der neueste Reißer des Münchner Privatsenders Pro Sieben, der heute (20.15 Uhr) ausgestrahlt wird.

Nachdem Pro Sieben schon Naturkatastrophen wie einen Tsunami und einen Tornado in Deutschlands Wohnzimmer brachte, dreht sich im neuen Streifen alles um menschliche Schicksale inmitten einer Flammenhölle.

Platzangst, Höhenangst und Angst vor dem Feuer - alle menschlichen Phobien und Albträume werden in Rainer Matsutanis Film bedient. Bereits nach zehn Minuten raucht es im Turmrestaurant hoch über der Hauptstadt. Und kaum hat der Zuschauer die emotionalen Verwicklungen zwischen den handelnden Personen durchschaut, brennt es auch schon lichterloh.

Alle Beteiligten kämpfen angesichts der Katastrophe auch noch ihre persönlichen Kämpfe. Brandinspektor Horst Strasser ("Tatort"-Kommissar Klaus J. Behrendt) fühlt sich an den Flammentod seines eigenen Sohnes erinnert, während Tochter Katja (Silke Bodenbender), in der Kuppel gefangen, zusammen mit den anderen Eingeschlossenen gegen die Flammen kämpft. Der größte Held der ganzen Truppe aber ist Ex-Feuerwehrmann Tom (Stephan Luca), unter dubiosen Umständen aus der Feuerwehr entlassen und zufällig auch noch Katjas große Liebe.

Aller Panik zum Trotz - für klärende Worte zwischen dramatischen Rettungsszenen nehmen sich die vom Schicksal gebeutelten Figuren genügend Zeit. Große Geständnisse in der Hitze des Gefechts, denn der natürliche Fluchtreflex scheint bei Heroen ausgeschaltet. Glaubwürdigkeit ist im Genre Katastrophenfilm nicht unbedingt vorgesehen.

"Es war unglaublich heiß", erinnert sich Silke Bodenbender an die Dreharbeiten: "Das Feuer war echt, und wir mussten Schutzkleidung tragen." Gedreht wurde vor allem in Litauen, wo die einzelnen Etagen des Fernsehturms in einer alten Sporthalle nachgebaut wurden. Stephan Luca ließ es sich nicht nehmen, während der Dreharbeiten auch noch zu heiraten. Feuerwehrmänner können "ziemlich sexy" sein, meint seine Filmpartnerin.

"Wir wollten eine Heldengeschichte nur über Feuerwehrleute machen", erzählt Produzent Max Wiedemann. Nach dem international gefeierten und sogar mit einem Oscar als bestem ausländischem Film ausgezeichneten Opus "Das Leben der Anderen" empfindet Wiedemann sein neues Werk als "erfrischende Abwechslung". Zusammen mit Kompagnon Quirin Berg suchte er noch während der Dreharbeiten zu Florian Henckel von Donnersmarcks Drama in Berlin einen spektakulären Ort für sein nächstes Projekt, die Feuersbrunst. "Der Berliner Fernsehturm ließ sich dabei nicht übersehen", schmunzelt Wiedemann. So erhielt das in den Jahren 1965 bis 1969 auf Geheiß des damaligen DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht errichtete, noch immer höchste Gebäude Deutschlands die heimliche Hauptrolle.

Damit die Menschen am Alexanderplatz in Zukunft nicht sorgenvoll in den Himmel blicken, beruhigt Jens-Peter Wilke von der Berliner Feuerwehr. Ein "echter" Brand dieses Ausmaßes im Fernsehturm sei unwahrscheinlich: "Seit mehr als 40 Jahren hat es kein Feuer gegeben." Ein spezielles Gasleitungssystem sorgt im Fall der Fälle dafür, dass die Flammen schnell erstickt werden. Die Feuerwehr kann die Wasserschläuche direkt an spezielle Leitungen in der Kugel anschließen.

Offenes Feuer ist sowieso streng verboten, nicht einmal ein klassischer Herd darf betrieben werden. Die im Turmrestaurant servierten Speisen werden unten gekocht. Insofern sind alle möglichen Vorkehrungen getroffen. Aber theoretisch - diese Bemerkung kann sich Wilke nicht verkneifen - kann "auch das Unmögliche mal möglich werden".

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