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Saß 19 Jahre hinter Gittern: Henry-Oliver Jakobs.

"37 Grad"

ZDF-Doku: Der Gewaltspirale entkommen

München - Die Reportage „Vom Mörder zum Helfer“ schildert die gelungene Resozialisation des Ex-Häftlings Henry-Oliver Jakobs.

Wie schafft es ein verurteilter Mörder, vom Kriminellen zum verantwortungsvollen Menschen und Helfer zu werden? Die Hamburger Filmemacherin Birthe Jessen forscht behutsam nach den Motiven von Henry-Oliver Jakobs. In der „37 Grad“-Reportage „Vom Mörder zum Helfer“ schildert sie den Prozess seiner Wandlung. Das ZDF strahlt den Film morgen Abend um 22.15 Uhr aus.

Jakobs ist ein dynamisch wirkender Mann von 46 Jahren und wünscht sich nichts mehr, als die Welt ein wenig besser zu machen. Er ist bescheiden geworden, aber das war nicht immer so. Er stammt aus einer alteingesessenen Kiezfamilie auf St. Pauli. Sein Großvater Harry, den er sehr bewunderte, betrieb den berühmten Hafenbasar, sein Vater ein Geschäft für Münzen und Briefmarken. Als Henry-Oliver mit acht Jahren zu klauen anfing, verkauften sie die Beute.

In den Neunzigerjahren war Jakobs eine Kiezgröße, verdiente sein Geld mit illegalen Briefmarken-Geschäften. Die dubiose Karriere fand ein Ende, als er 1995 auf zwei Händler aus Lübeck schoss. Er habe sie nach Hamburg gelockt, um sie zu berauben, erzählt er. Es sei um Briefmarken im Wert von 100 000 Euro gegangen. Einer der Männer war tot, der andere schwer verletzt und sitzt bis heute im Rollstuhl. Jakobs wurde wegen Mordes und schweren Raubs verurteilt und verbrachte 19 Jahre im Gefängnis.

Seine enge Zelle, Platzangst, Urinkontrollen in der Nacht, Hofgänge, Essensausgaben, fehlende Privatsphäre und das ständige Knallen der Zellentüren brachten ihn dazu, seine Situation zu reflektieren. Er machte Therapien, bildete sich weiter und schloss eine Lehre ab. Sein Schlüsselerlebnis war die Begegnung mit einer Gruppe Jugendlicher, die der Verein „Gefangene helfen Jugendlichen“ betreute. Der Verein kümmert sich um junge Leute, die auf der Kippe stehen, und bringt sie mit Häftlingen zusammen. Im Gefängnis und im Gespräch mit den Häftlingen sollen sie ein Bild davon gewinnen, wo sie landen, wenn sie kriminell werden. Jakobs engagiert sich ebenfalls bei dem Verein und arbeitet heute als freier Präventions-Helfer und Anti-Gewalt-Trainer an Schulen.

Birthe Jessen schildert in ihrer einfühlsamen und sensibel gestalteten Reportage den Prozess einer erstaunlichen Wandlung. Sie zeigt auch, wie Resozialisierung und Gewaltprävention funktionieren können. Ein spannender und bewegender Fall, der Stoff zum Nachdenken liefert und Antworten auf viele Fragen bereithält.

Heide-Marie Göbbel

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