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Für ARD und ZDF ist es ein „Beitrag“, für viele Bürger eine „Zwangsabgabe“: Exakt 17,98 Euro monatlich oder 219,66 Euro jährlich berappt jeder Haushalt für das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen.

Milliardenspiel mit Haushaltsabgabe

Gebühr: Das nehmen die Öffentlich-Rechtlichen ein

Mainz - Seit fast einem Jahr kassiert der Beitragsservice von ARD und ZDF – ehemalige GEZ – nun schon die Haushaltsabgabe zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und das kommt dabei rum.

Anders als bei der alten gerätebezogenen Gebühr wird der Beitrag, wie bisher 17,98 Euro monatlich, von jedem Haushalt erhoben, egal, ob es dort Rundfunkempfänger – dazu gehören auch PCs und Smartphones – gibt oder nicht. Außerdem müssen viele Unternehmen, beispielsweise Discounter mit vielen Filialen, mehr zahlen. Nach ersten Schätzungen könnten, wie berichtet, bis zum Ende der laufenden Gebührenperiode, also bis Ende 2016, insgesamt eine Milliarde Euro an Mehreinnahmen erzielt werden. Daher wurden in den vergangenen Tagen aus der Politik Stimmen laut, den Beitrag in der nächsten Gebührenperiode zu senken. Die Intendanten warnten dagegen vor vorschnellen Entscheidungen. Grund genug, ein paar Fragen zum Rundfunkbeitrag und seiner Verwendung zu stellen.

Wie hoch sind die jährlichen Gebührenerlöse?

Im Jahr 2011 erzielten ARD, ZDF und das öffentlich-rechtliche Deutschlandradio 7,5 Milliarden Euro an Gebühren. Davon entfielen auf die ARD mit ihren insgesamt neun Landesrundfunkanstalten rund 5,5 Milliarden, auf das ZDF rund 1,8 Milliarden und auf das Deutschlandradio rund 200 Millionen Euro. Größter Einzelempfänger ist der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit 1,15 Milliarden Euro, der Bayerische Rundfunk (BR) kassierte rund 900 Millionen Euro.

Wieviel erzielen ARD und ZDF aus Werbung?

Im Jahr 2011 betrugen die Werbeeinnahmen der ARD – Fernsehen und Hörfunk – 105,6 Millionen Euro, die Einnahmen aus dem Sponsoring beliefen sich auf 37,8 Millionen Euro. Das ZDF nahm 125,8 Millionen Euro durch Werbung und 19,6 Millionen Euro durch Sponsoring ein. Den 7,5 Milliarden Euro Gebühreneinnahmen stehen also Werbeeinnahmen von knapp 290 Millionen Euro gegenüber.

Wie wird die Abgabe von 17,98 Euro verwendet?

Die ARD-Anstalten erhalten im Durchschnitt 8,49 Euro pro Gebührenzahler, für Gemeinschaftsaufgaben sind 4,32 Euro vorgesehen. Das ZDF erhält 4,37 Euro monatlich von jedem Gebührenzahler. Von den 4,32 Euro für die Gemeinschaftsaufgaben entfallen wiederum 3,04 Euro für das Erste, davon wiederum 72 Cent für den Sport, 63 Cent für die Filmtochter Degeto und 26 Cent für „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Von den durchschnittlich 8,49 Euro pro Rundfunkanstalt (beispielsweise BR) entfallen auf die Dritten Fernsehprogramme 3,15 Euro, auf den Hörfunk 2,31 Euro und auf die Klangkörper 41 Cent. Ein Cent Beitrag pro Monat entspricht 4,15 Millionen Euro pro Jahr, die Aufwendungen für den Hörfunk der ARD belaufen sich nach diesem Schlüssel somit auf 959 Milionen Euro jährlich.

Wie viele Beschäftigte haben ARD und ZDF? 

Die ARD hat derzeit rund 23 000 festangestellte Mitarbeiter, davon entfallen auf den BR (2012) 3350. Das ZDF hat 3600 Mitarbeiter. Rund 16 000 Ruheständler der Öffentlich-Rechtlichen kassieren monatlich im Durchschnitt 1500 Euro Betriebsrente – zusätzlich zur gesetzlichen Altersrente. Diese Pensionen finanziert der Gebührenzahler mit mehr als einem Euro monatlich.

Wie viele Kanäle unterhalten ARD und ZDF?

Die ARD betreibt das Erste, neun Dritte Programme (unter anderen das Bayerische Fernsehen), BR alpha, ferner die Digitalkanäle Eins Plus, Eins Festival und Tagesschau 24. Außerdem strahlen die Landesrundfunkanstalten zusammengerechnet 64 Radioprogramme aus. Zur ZDF-Familie gehören neben dem Hauptprogramm die Digitalkanäle ZDF Neo, ZDF Kultur (dessen Einstellung bereits beschlossen ist) und ZDF Info. Programmlich und finanziell beteiligt sind ARD und ZDF an den europäischen Kanälen Arte und 3 sat, gemeinsam betreiben sie den Kinderkanal (Kika) und Phoenix. Geplant ist ferner ein Jugendkanal, in dem Eins Plus und Eins Festival aufgehen sollen. Die Kosten für den Jugendkanal beziffern ARD und ZDF auf rund 45 Millionen Euro jährlich.

Wie hoch ist der finanzielle Aufwand für den Sport?

 Die ARD gibt für ihre Sportberichterstattung jährlich knapp 300 Millionen Euro aus, das ZDF plant für das kommende Jahr sogar 328 Millionen Euro ein. Allein 164 Millionen Euro davon sollen für die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien, die Olympischen Winterspiele in Sotschi und die Leichtathletik-EM in Zürich aufgewendet werden. Die Champions League ließ sich der Mainzer Sender für drei Jahre 156 Millionen Euro kosten. Zu sportlichen Großveranstaltungen rücken die beiden öffentlich-rechtlichen Sender gemeinsam an. Fast 500 Mitarbeiter von ARD und ZDF berichteten im vergangenen Jahr von den Olympischen Sommerspielen in London.

Was kostet das Programm im Einzelnen? 

Eine Ausgabe der ZDF-Unterhaltungsshow „Wetten, dass...?“ kostet zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro. Ein „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ im Ersten wird mit 1,3 bis 1,5 Millionen Euro veranschlagt, das entspricht einem Minutenpreis von rund 15 500 Euro. Zwischen 43 und 48 Erstausstrahlungen sind pro Jahr vorgesehen. Ähnlich teuer sind die sogenannten „Mittwochsfilme“ – rund 40 gibt es davon jährlich. Günstiger sind die Dienstagabendserien im Ersten wie etwa „Um Himmels Willen“, die pro Minute 11 500 Euro kosten. Vergleichsweise billig sind die spätabendlichen Talkshows. So kostet eine Minute „Menschen bei Maischberger“ im Schnitt 1552 Euro, für „Beckmann“ gibt die ARD 2225 Euro aus, für „Hart aber fair“ 2906 Euro, am teuersten ist Anne Will, eine Minute ihrer Sendung kostet 3164 Euro. Für eine Minute Maybrit Illner berappt das ZDF 1893 Euro (alle Zahlen von 2010).

Rudolf Ogiermann

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