Gnadenlos und gutherzig

München - Sie ist von Beruf Kosmetikerin und Aushilfskellnerin, verträumt, öfter mal verliebt, immer sozial engagiert und - sie löst Kriminalfälle. Zum nun dritten Mal spielt Katja Flint die ZDF-Hobby-Detektivin Franziska Luginsland.

Man kann sie gar nicht mehr zählen, die vielen TV-Kommissare. Keine Woche vergeht, ohne dass sich wieder ein namhafter Star als Bildschirm-Polizist verpflichten lässt. Da mutet es geradezu wohltuend an, wenn eine Figur geschaffen wird, die keine Polizeimarke, keinen Dienstwagen und erst recht keinen Kollegen braucht, um den Bösen auf die Schliche zu kommen. Katja Flint (47) ist stolz darauf, dass sich die Münchnerin Luginsland so von anderen Fernseh-Ermittlern unterscheidet. "Franziska ist nicht cool und auch keine dieser Gewinner-Typen. Sie interessiert sich sehr für Menschen, die durch das soziale Netz gefallen sind. Sie kann das gut nachvollziehen, ist ja selber auch nicht gerade vom Leben verwöhnt."

In dem Fall "Mord in aller Unschuld", heute um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen, begegnet Franziska in der Straßenbahn einem verwahrlost ausschauenden Mädchen, das kein Wort spricht. Wer und wo sind ihre Eltern? Welches Geheimnis verbirgt sie? Auf der Suche nach ihrer Mutter stößt Franziska auf eine Frau, die seit einer Mordtat verschwunden ist.

Das Drehbuch stammt von dem Münchner Autor Friedrich Ani, der Katja Flint die Rolle auf den Leib geschrieben hat. Er scheint ziemlich vernarrt in die Schauspielerin zu sein, bescheinigt er ihr doch eine schier unglaubliche "Beschwingtheit, Neugierde, Unerschrockenheit, Direktheit, Unbeugsamkeit, Wahrhaftigkeit und schauspielerische Präsenz." Dennoch sei es nicht einfach, für sie eine Rolle zu schreiben, denn "sie mosert sofort und gnadenlos und unaufhörlich und solange, bis der Autor weinend in seine Klause zurückkehrt". Aber dann komme schon bald die Erlösung mit engelsgleicher Stimme am Telefon: "Alles sei gut, alles werde gelingen, die Figur sei wunderbar und die Geschichte ganz besonders."

Konfrontiert man Flint mit derlei, gerät sie ins Lachen: "Ich bin gerührt. Ich bin beeindruckt. Ich bin begeistert. Ich liebe Ani, muss aber dazu setzen, dass er mit seiner Ehefrau ein wunderbares Paar abgibt. Im Ernst: Er ist ein toller Autor. Ich wusste von Anfang an, dass er der Richtige ist für diese Detektiv-Figur, die mir da vorschwebte."

Bei dieser Folge hat Katja Flint, die inzwischen in Berlin lebt, alte Freunde aus ihrer Münchner Zeit wieder getroffen: Oliver Berben, als Produzent. Günther-Maria Halmer und Uwe Ochsenknecht als Mitspieler. Dazu der Österreicher August Schmölzer, der ihren Bruder darstellt.

Die wichtigsten Szenen hat Flint jedoch mit Janina Fautz, die das Straßenkind spielt. "Ich mag Kinder sehr," sagt Flint. "Ich habe auch bis heute einen engen Kontakt zu zwei früheren Filmkindern. Wenn es nach mir ginge, würde ich nur mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Das ist für mich das Schönste überhaupt." Angesichts von immer mehr obdachlosen Kindern und jugendlichen Hartz IV-Empfängern findet sie es an der Zeit, dass der "Gesetzgeber endlich reagiert und mehr für den Kinderschutz tun will". Ihre neue Nähe zur Politik in Berlin empfindet sie als praktisch, weil man da auch hin und wieder Politiker trifft. Allerdings: "Die lassen sich nicht sonderlich beeindrucken. Politiker sind uns Schauspielern gegenüber in der Regel sehr charmant, mehr aber auch nicht. Eher schicken sie einem am nächsten Tag eine Einladung zu einer ihrer nächsten Wahlkampfveranstaltungen und versuchen, einen vor ihren Karren zu spannen."

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