Gottschalks olympische Gedanken

München - Nun bekommt auch das Öffentlich-Rechtliche seine Castingshow: Thomas Gottschalk steigt fürs ZDF erneut von seinem Unterhaltungsthron "Wetten, dass...?". Im April präsentiert er dreimal die Sendung "Musical-Showstar 2008".

RTL hat "Deutschland sucht den Superstar". Seit sechs Jahren läuft die Castingshow richtig gut. Sat.1 hat neuerdings "Ich Tarzan, Du Jane" mit Hugo Egon Balder und will so auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Nun macht die Castingwelle auch vorm öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht mehr Halt: Nach Sendungen, die eher mäßig erfolgreich waren, wie "Gottschalk zieht ein" und "Gottschalk & Friends", steigt der gebürtige Kulmbacher nun wieder einmal von seinem Unterhaltungsthron "Wetten, dass...?".

Vor zwei Jahren fing es an. Der 57-jährige Gottschalk ist mit dem englischen Musical-Produzenten Andrew Lloyd Webber befreundet, über den er sagt: "Ich kenne ihn seit den 90er-Jahren, wo er zu Gast in meiner Late-Show war. Er ist scheu wie ein Reh und ein possierliches Kerlchen."

Webbers Musical "Starlight Express" läuft in der Bochumer "Starlighthalle" seit 20 Jahren. Heuer wird umbesetzt. So trat ZDF-Star Gottschalk mit der Idee, über eine Castingshow zwei neue Hauptdarsteller für die Musical-Rollen "Rusty" und "Pearl" zu finden, an ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut heran.

Beworben haben sich 8000 Menschen - und laut ZDF wurde keiner abgewiesen. Ein Teil davon nahm an den Castings in München, Duisburg und Bremen teil. Daraus ergab sich eine Auswahl von Kandidaten, die vor einer ZDF-Jury auftraten, bestehend aus der Sängerin Katja Ebstein sowie den Musical-Darstellern Alexander Goebel und Uwe Kröger. Diese Vorrunden sind als "Die Castings" täglich von 31. März bis 3. April (19.25 Uhr) zu sehen. Sie dokumentieren, wie die jeweils zehn besten Kandidaten ermittelt wurden, die dann in den drei Live-Abendshows "Musical-Showstar 2008" gegeneinander antreten, die Thomas Gottschalk am 9., 16. und 18. April (20.15 Uhr) moderiert. Wir sprachen mit dem ZDF-Star.

Über seine neue Aufgabe sagt er: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Castingshow moderiere. Ich habe immer - lautstark - mein Problem mit Castingshows geäußert: Das führt zu nichts. Hier werden Menschen in die Welt gestellt, die keiner braucht. Dschungelkönige muss es nicht geben, und Superstars gibt es genug."

Dann aber sei die Anfrage von Webber gekommen - und Gottschalks Kehrtwende: "Wir wollen keine Leute vorstellen, die berühmt werden wollen, sondern Leute, die das Zeug haben, eine Hauptrolle in einem Musical zu spielen. Was ich toll finde und was ein olympischer Gedanke ist, dass der Bessere der Feind des Guten ist und es eine Ausscheidung gibt. Ob in Hollywood oder anderswo Rollen zu besetzen sind - das Casting ist die klassische Form, den Besten zu finden. Nur eben nicht mit dem Hintergrund, zu sagen, wir verfeuern erst mal ein paar zur Freude des Publikums, um hinterher etwas zu suchen, was man wirklich gar nicht braucht."

Und wie schätzt sich Gottschalk, der bisher mit "Wetten, dass...?" über den Dingen stand, nun im Vergleich mit seinen Castingshow-Kollegen Dieter Bohlen (DSDS) und Hugo Egon Balder (Tarzan) ein? "Ich sehe mich hier nur als Kellner, der das austrägt, was passiert. Ich würde meine Rolle, ganz anders als der Kollege Bohlen, darin sehen, dass ich zwischen meinen Kandidaten und der Jury vermittle. Dass ich das Unverständnis des Publikums mit der einen oder anderen Entscheidung definiere oder auch meine Verwunderung andeute. Aber ich bin froh und sehr zufrieden mit meiner Jury, weil ich genau weiß, dass die wissen, wovon sie reden, und was ich bisher gesehen habe, das macht mir großen Appetit."

Wie sieht sich Gottschalk als Moderator: Wird er seriös sein oder väterlich, gibt es den emotionalen Gottschalk, wenn bei einer Kandidatin Tränen fließen, oder bleibt es bei kräftiger Sprüchemacherei? "Das Schöne ist bei mir, dass ich vorher immer nicht weiß, was ich tun werde. Normalerweise kriege ich ein Gefühl für eine Sendung, wenn ich reingehe, die Dekoration sehe und probe. Ich habe mir vorgenommen, dass ich bei den Kandidaten nicht den Finger in die Wunde lege und sie nicht technisch und praktisch bewerte. Ich sehe mich als Seelsorger, um eventuell angespannte Egos zu trösten. Ich gehe an diese Aufgabe so heran, wie ich alles mache, ich habe kein Konzept. Und ich spiele nicht die Hauptrolle in dieser Veranstaltung, das tun die Kandidaten. Trotzdem sehe ich genügend Spielraum für mich. Das ist ganz klar keine Sendung, mit der ich berühmt werden kann, aber ich bin es schon, insofern habe ich die Aufgabe gerne übernommen."

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