Grenzenlose Euphorie

- Der Sommer des Jahres 2006 ist längst Geschichte ­ doch Sönke Wortmann hat die schönsten Momente eingefangen. Rund vier Monate nach dem Finale der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land erinnert die ARD noch einmal an das Großereignis. Sönke Wortmanns Dokumentarfilm "Deutschland. Ein Sommermärchen", den bereits fast vier Millionen Zuschauer in den Kinos sahen, kommt ins Fernsehen.

Der Streifen zeigt Bilder vom Geschehen rund um die WM, die dem Zuschauer der Fußballspiele verborgen blieben. Wortmann durfte hinter die Kulissen der deutschen Nationalmannschaft blicken. Doch im Vorfeld der Ausstrahlung war nicht alles eitel Sonnenschein.

Der Senderverbund musste sich wegen des frühen TV-Termins nach der Kinoverwertung mit dem Hauptverband der deutschen Filmtheater (HDF) auseinandersetzen. HDF-Vizevorstand Andreas Kramer sprach von einem "unerwarteten Dämpfer". Insbesondere kleinere Kinos, die den Film bisher noch nicht hätten zeigen können, treffe die Entscheidung hart. Für die ARD habe immer festgestanden, dass der Film, der ausschließlich mit Fernsehgeldern finanziert worden sei, noch dieses Jahr im TV gezeigt werden sollte, unterstrich dagegen WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf.

Für Filmemacher Wortmann (47) hat sich der WM-Film, der vergangene Woche mit dem Bambi ausgezeichnet wurde, noch zusätzlich gelohnt, weil sein WM-Tagebuch in wenigen Wochen 150 000 Mal verkauft wurde. Der Erfolgsregisseur ("Allein unter Frauen", "Kleine Haie", "Der bewegte Mann", Das Wunder von Bern") hatte für die Dokumentation exklusiven Zugang zu Spielern und Stab. Bis in die Kabine folgte er den Helden, filmte Klinsmanns scharfe Ansprachen, die Freudenfeiern und auch die Enttäuschung nach dem verlorenen Halbfinale.

Im Zentrum des Films stehen die Mannschaft und die Spiele ­ das Trainingslager auf Sardinien, der Einzug ins Hotel in Berlin, das letzte Training vor dem Eröffnungsspiel, die knisternde Spannung in der Kabine. Die Zuschauer sind wieder beim Elfmeterschießen gegen Argentinien dabei, sitzen mit auf der Bank und feiern zusammen mit den Spielern in der Kabine. Das bittere Aus im Halbfinale gegen Italien kann die grenzenlose Euphorie nur kurzfristig trüben - das Spiel um Platz 3 und die triumphale Jubelfeier auf der Berliner Fanmeile werden zum emotionalen Höhepunkt der Weltmeisterschaft. Wortmann wird der Erfolg seines Films über einen Rückschlag hinwegtrösten: Seine Fußballerserie "Freunde für immer" auf SAT 1 kam bei den Zuschauern, gemessen an den Einschaltquoten, im Frühjahr überhaupt nicht an.

ARD, heute, um 20.15 Uhr.

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