Grimme-Gold für "Hierankl"

- Düsseldorf - Barbara Sukowa ist für ihren Mut und ihre Leistung in dem Heimatfilm "Hierankl" mit einem Grimmepreis belohnt worden. Das Familiendrama ist sogar von der Jury mit der höchsten Auszeichnung, dem Grimmepreis in Gold, bedacht worden. Die in New York lebende Schauspielerin hatte sich für die Familientragödie des Nachwuchsregisseurs und Buchautors Hans Steinbichler entschieden und Erfolg gehabt. "Es war ein Risiko. Wenn der Regisseur unbekannt ist, muss man sich auf das Buch verlassen", sagte Sukowa bei der Vorstellung der 42. Grimme-Preisträger am Mittwoch in Düsseldorf.

Das Buch und ihre Schauspielerkollegen wie Josef Bierbichler und die Neuentdeckung Johanna Wokalek hatten sie überzeugt.

Insgesamt vergab die Jury 14 Grimmepreise, davon drei in Gold. Neben Steinbichlers Heimatepos würdigten die Juroren vor allem die Fernsehfilme "Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel" und "Marias letzte Reise". Sie erhalten ebenfalls am 31. März bei der Grimmegala in Marl eine goldene Bildschirmtrophäe

Wieder deutlich die Nase vorn in Sachen Qualitätsfernsehen hatten die öffentlich-rechtlichen Sender mit 13 Auszeichnungen. ProSieben hielt mit der Serie "Stromberg" dagegen. Besondere Freude herrschte bei Stromberg-Darsteller Christoph Maria Herbst. Er bekam nicht nur namentlich einen Grimmepreis. Seine Serie wird jetzt auch in der dritten Staffel fortgesetzt. "Trotz des Grimmepreises hat sich ProSieben für eine dritte Staffel entschieden", witzelte Herbst. Irgendwann möchte er allerdings aus der Comedyecke wieder heraus, wenn ihm auch die Rolle des fiesen Stromberg gefallen hatte. "Ich gewinne der Rolle immer mehr Freude ab, sie ist facettenreicher, betonte Herbst.

Im WM-Jahr spielte sich ein Fußballthema nach oben. Die kritische Dokumentation über die Rettung des Vereins FC Barcelona erhielt einen der drei Spezial-Grimmepreise. "Eigentlich hätte der Beitrag auch im Bereich Dokumentation ausgezeichnet werden können", urteilte die Jury. In der Co-Produktion unter anderem von ZDF, Arte und BBC nahmen der Engländer Justin Webster und der Spanier Daniel Hernandez den ewigen Konkurrenten des königlichen Clubs Real Madrid unter die Lupe. Im Mittelpunkt steht die Sanierung des hoch verschuldeten FC Barcelona durch Juan Laporta und eine Gruppe Mittdreißiger.

Neben den 14 Hauptpreisen für Filme und Autoren zeichneten die Jurys elf Schauspieler namentlich aus. Neben den Goldtrophäen für "Hierankl" bekommen Monica Bleibtreu in "Marias letzte Reise" sowie Michaela May, Edgar Selge und Nina Kunzendorf in "Der scharlachrote Engel" aus der Reihe "Polizeiruf 110" die gleiche Auszeichnung. "An allen drei Goldauszeichnungen war der Bayerische Rundfunk beteiligt", lobte Uwe Kammann. Der Grimmedirektor zeigte sich insgesamt begeistert von den Filmen: "Es war nicht nur ein starkes, es war ein herausragendes Fernsehjahr." Im Bereich Information fehlten den Juroren allerdings ein wenig die herausragenden Wissenschafts- und Wirtschaftsbeiträge. Zudem wiederholten sie die alljährliche Bitte, gute Informationssendungen nicht am späten Abend zu verstecken.

 Im Wettbewerb Information und Kultur landete ARDKorrespondentin Annette Dittert einen Doppelerfolg. Für ihre Reihe "Abenteuer Glück" erhält sie neben dem Grimmepreis auch den Publikumspreis der "Marler Gruppe". "Das hat mich besonders gefreut, weil wir die Beiträge ja nun auch für das Publikum machen." Unter anderem hatte Dittert einen 12 Jahre alten indischen Jungen begleitet, der von seinen Eltern in die Großstadt Kalkutta geschickt wird, weil sie ihn nicht mehr ernähren können.

Einen Grimmepreis bekam auch die investigative Serie "die story", die gleich fünf Mal nominiert war. Für den Beitrag über die Kriegsmotive der USA im Irak und das Zusammenspiel von Politik und Rüstungsindustrie wurde die Folge "Why we fight - Die guten Kriege der USA" des Amerikaners Eugene Jarecki ausgezeichnet.

Endlich erfolgreich war Regisseur Matti Geschonnek. Er erhält einen Grimme-Preis für seinen Film "Die Nachrichten". In der Mediengeschichte geht es um einen aus der DDR stammenden Nachrichtensprecher, verkörpert von Jan Josef Liefers, die sich nach der Wende mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, für die Stasi gearbeitet zu haben.

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