Große Achtung vor Guillaume

- Schon im berühmt-berüchtigten Wachregiment "Feliks Dzierzynski" entdeckte Hagen Boßdorf offenbar seine Neigung zum Journalismus. Im regimentseigenen Sender brachte er es bis zum stellvertretenden Leiter im "Funkstudio". Das jedenfalls berichtete vergangene Woche die "Welt" unter Berufung auf Unterlagen der Berliner Stasi-Unterlagenbehörde. Das allein ist für den Norddeutschen Rundfunk (NDR) allerdings kein Grund, sich von dem Mann, der als Nachfolger von Gerhard Delling am 1. März 2006 Sportchef des Senders werden soll, zu distanzieren.

Boßdorf habe bei der DDR-Truppe seinen Wehrdienst abgeleistet, formuliert es NDR-Sprecher Martin Gartzke. Dies sei auch allgemein bekannt gewesen und habe schon seiner Berufung zum Sportkoordinator der ARD vor drei Jahren nicht entgegengestanden.

Nun, nach dem Auftauchen neuer Unterlagen, deren schnelle Auswertung durch einige Medien bereits zu einer Verstimmung zwischen dem NDR und der so genannten Birthler-Behörde führte (wir berichteten), beschäftigt sich heute der Verwaltungsrat der Hamburger Anstalt mit der heiklen Personalie. Dass eine Entscheidung - nämlich gegen Boßdorf - bereits gefallen sei, wie der "Focus" erfahren haben will, dementierte NDR-Sprecher Gartzke gegenüber unserer Zeitung. Im Mittelpunkt der Beratungen steht die Frage, ob Boßdorf Inoffizieller Mitarbeiter ("IM") der Stasi war und als solcher eine Verpflichtungserklärung unterschrieben hat. So lange diese Frage nicht mit Ja beantwortet werden könne, gelte für den 40-Jährigen die Unschuldsvermutung, stellt der NDR lapidar fest.

Dass Boßdorf Kontakte zur Stasi gehabt habe, sei nicht neu, beschwichtigt man beim Sender. Den Unterlagen zufolge müssen diese Kontakte jedoch sehr intensiv gewesen sein. Unter dem Decknamen "Florian Werfer" habe sich Boßdorf regelmäßig mit seinen Vorgesetzten in einer konspirativen Wohnung des Ministeriums für Staatssicherheit getroffen. Dass er das nicht ganz widerwillig tat, lässt eine Notiz erahnen, derzufolge Boßdorf seine geheimdienstliche Tätigkeit "nicht als Spitzelei oder Aushorchen" betrachtet habe. "Große Achtung hat er dabei vor solchen Genossen wie den Kundschaftern Guillaume, da er sie persönlich während eines Forums kennenlernen konnte", zitiert die "Welt" aus dem Material.

Der NDR ist dennoch vorläufig sicher, dass "Boßdorf im Zuge seiner Kontakte zur Stasi zu keinem Zeitpunkt DDR-Bürger belastet hat". Ende der Achtzigerjahre sei er Anfang 20 gewesen, seit 13 Jahren sei er in verschiedenen Funktionen erfolgreich für die ARD tätig gewesen. Vor diesem Hintergrund habe die Leitung des NDR keinen Hinderungsgrund für einen Vertragsabschluss gesehen, heißt es.

Boßdorf selbst gibt sich zugeknöpft - und nicht zum ersten Mal. Aus den Akten ergibt sich laut "Welt", dass der Journalist sogar eine "Schweigepflicht ( . . .) gegenüber seiner Ehefrau" hatte.

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