Der große Fragensteller

- Seine journalistische Karriere beginnt Klaus Bresser als Verleger und Chefreporter gleichermaßen. Bereits im Alter von zwölf Jahren gibt er die handgeschriebene Zeitung "Der Kurier" heraus. Verwandte und Freunde können sich zum Preis von einer Mark wöchentlich über das Neueste informieren. "Ich habe es schon immer interessant gefunden, Nachrichten für andere aufzubereiten", sagt der ehemalige ZDF-Chefredakteur, der am Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. Für ihn ist nie ein anderer Beruf ernstlich in Frage gekommen.

Als Gymnasiast arbeitet er bereits als freier Mitarbeiter für Tageszeitungen in seinem damaligen Wohnort Aachen. Neben dem Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft und Soziologie volontiert Bresser beim "Kölner Stadtanzeiger". Bei dem Blatt wird er 1962 Chefreporter, begleitet zahlreiche Reisen bedeutender Staatsmänner wie Charles de Gaulle, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow. Besonders das Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten zählt für ihn bis heute zu den bedeutendsten Begegnungen seiner Karriere.

Im Jahr 1965 wechselt Bresser als Redakteur zum WDR, wo er 1971 "Monitor" übernimmt. Zwei Jahre später wird er Leiter der aktuellen Redaktion, präsentiert Wahlsendungen und den "Brennpunkt". Beim ZDF ist Bresser an der Konzeption des "heute-journals" beteiligt, das er sechs Jahre lang moderiert und dessen Leiter er 1980 wird. 1983 übernimmt er die Leitung der Innenpolitik-Redaktion, 1988 wird er Chefredakteur.

"Ein guter Journalist klärt auf, ein schlechter verschleiert."

Klaus Bresser

Während seiner Amtszeit baut Bresser den Informationsanteil des zuvor als Unterhaltungssender abgestempelten ZDF deutlich aus - auch um das Profil des Senders gegenüber den privaten Kanälen zu schärfen. Unter seiner Ägide werden unter anderem neue Sendungen wie "Bonn direkt", "Frontal" und "Berlin Mitte" eingeführt. Zu einem Klassiker der politischen Interviewformate wird die von ihm entwickelte Sendung "Was nun, . . .?", in der er bis 2002 zusammen mit verschiedenen Co-Moderatoren Politikern rhetorisch auf den Zahn fühlt und die ihn zu "einem der großen Fragensteller des Landes" macht (der damalige n-tv-Chef Helmut Brandstätter 2002 über Bresser).

"Am liebsten waren mir Interviewpartner, die präzise auf die Fragen antworteten, dazu zählten Helmut Schmidt, Otto Graf Lambsdorff und Gerhard Schröder", erzählt Bresser. Schwierig seien solche Politiker gewesen, die mit großen Vorbehalten gegen Journalisten in die Sendung gekommen seien, etwa Helmut Kohl oder Franz Josef Strauß. Auf seiner langen Liste mit Interviewpartnern - darunter Kanzler Ludwig Erhard in einem seiner letzten Fernsehinterviews - fehle im Grunde nur der Papst.

Zu den wichtigsten Eigenschaften für Journalisten zählt nach seiner Meinung, nicht zynisch zu werden und sich nicht an "Unterhaltungsbedürfnisse anzubiedern". "Ein guter Journalist klärt auf, ein schlechter verschleiert", sagt Bresser. Dazu gehöre auch, die Distanz zu Ereignissen zu verkleinern und die zu den Politikern zu vergrößern. "Der Beruf ist einer der schönsten der Welt - immer wieder hat man es mit neuen Phänomenen zu tun." Um den Berufsstress bewältigen zu können, habe er stets versucht, so konzentriert zu arbeiten, dass er um 19 Uhr aus dem Büro gehen konnte.

Bresser ist seit 1975 mit seiner zweiten Frau Evelyn verheiratet und hat aus erster Ehe einen Sohn. Im April 2000 endet Bressers Amtszeit als ZDF-Chefredakteur, er bleibt jedoch zunächst Moderator bei "Was nun, . . .?". 2002 wechselt er zum Privatsender n-tv und übernimmt die Interviewsendung "Talk in Berlin" von Erich Böhme, bei der er bis Ende November 2003 die Fragen stellt.

Ganz ins Privatleben zurückgezogen hat sich der Journalist nicht. In Wiesbaden hat Bresser zwar noch eine Wohnung, die meiste Zeit des Jahres verbringt er jedoch in Berlin, wo man näher am politischen Geschehen ist. Dem Rummel um seinen Geburtstag will Bresser allerdings entfliehen. Er unternimmt gemeinsam mit seiner Frau eine Schiffsreise.

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