Rückblende

Der große Lord

Rick Schroder, Hauptdarsteller des Weihnachtsklassikers von 1980, stürzte nach frühen Erfolgen erst einmal ab

Alle Jahre wieder, seit 1980, rührt er im Weihnachtsklassiker „Der kleine Lord“ weltweit ein großes Publikum zu Tränen – ein kleiner blonder Junge im Samtjäckchen mit Spitzenkragen, der im Sturm das Herz seines verbitterten Großvaters (Alec Guinness) erobert. Sein Darsteller, der damals zehnjährige Ricky Schroder, wurde mit dieser Rolle über Nacht zum (Kinder-)Star.

Nur die Wenigsten wissen, dass schon zwei Jahre vor Jack Golds Film der Regisseur Franco Zeffirelli den kleinen Ricky Schroder aus 2000 Bewerbern für eine Rolle in seinem Boxerdrama „Der Champ“ (1978) ausgesucht und ihm eine große Karriere prophezeit hatte. „Der Junge wird so berühmt wie Shirley Temple!“, so Zeffirelli damals. Immerhin wurde Ricky Schroder für diese Rolle (neben Angelina Jolies Vater Jon Voight und Faye Dunaway) mit einem „Golden Globe“ ausgezeichnet. Noch bekannter wurde das Milchgesicht durch diverse Werbespots, mit denen er sich einige Millionen dazuverdiente.

Die Pubertät beendete nach Filmen wie „Bruchlandung im Paradies“ und „Mein großer Bruder“ (1982) zwar erst einmal die Filmkarriere dieses Kinderstars, doch gut sah Ricky Schroder auch noch mit 14 aus. Nach dem Streifen „Der Ruf des Adlers“ (1989) machte ihn eine Rolle in der Seifenoper „Silverspoons“ vorübergehend zum viel umworbenen Teenieschwarm, dem verzückte Mädchen an die 40 000 glühende Liebesbriefe schrieben.

Danach fiel Rick Schroder, der eigentlich Richard Schroeder heißt und dessen Großeltern in der Vierzigerjahren aus Hamburg nach Amerika ausgewandert waren, aus seinem Starhimmel. Und die Landung auf dem Boden der Realität war ziemlich hart für den New Yorker Angestelltensohn. Der große Lord suchte immer öfter Trost im Whisky und unternahm schließlich sogar einen Selbstmordversuch. Schließlich unterzog er sich einer Entziehungskur, die das Schlimmste verhinderte.

Nach diesem dramatischen Karriereknick ging für Rick Schroder erst Mitte der Neunzigerjahre die Sonne wieder auf. Als Detective Danny Sorenson in der Erfolgsserie „N.Y.P.D. Blue“ war er weltweit auf den Mattscheiben. Auch bei uns lief die Serie mit gutem Erfolg. 1991 stieg Rick Schroder aus der Serie aus. Der Grund? „Weil ich kurz vor der Geburt meines vierten Kindes, Faith Anne, plötzlich die Einsicht hatte, dass ich zu viel arbeite und zu wenig Zeit mit meiner Familie verbringe. Ich brauchte einfach eine Auszeit, bin mit Sack und Pack auf meine Ranch gezogen, um mich wieder mehr auf das Leben abseits eines Filmstudios zu konzentrieren. So habe ich in den vergangenen Jahren wenigstens viel Zeit mit meinen Kindern verbringen können“.

Zuvor hatte er sich nämlich jeden Freitag nach Dreh–schluss als Fernsehpolizist in den Flieger gesetzt und war am Sonntagabend wieder ans Set zurückgeflogen. Mittlerweile scheint der 38-jährige Vater von vier Kindern erwachsen geworden zu sein. Als äußeres Zeichen dafür hatte Rick Schroder vor Jahren schon das „y“ von seinem Vornamen gestrichen. Im vergangenen Frühjahr ruderte er jedoch wieder zurück und teilte mit, fortan werde er die Verkleinerungsform wieder tragen.

Und auch als Schauspieler ist er weiter aktiv. So spielte er zuletzt eine größere Rolle in der sechsten Staffel der Erfolgsserie „24“ und drehte zwei Kinofilme. Darüber hinaus will sich Rick Schroder nach seinem Debüt als Drehbuchautor des Boxerfilms „Black Cloud“ (2006) vermehrt um das Filmemachen kümmern. Allerdings musste er schon feststellen, dass er als Regisseur hinter der Kamera viel weniger Geld verdient als davor: „Insofern sorgen meine vier Kinder und meine Frau mit ihren Ansprüchen schon dafür, dass ich für eine lukrative Filmrolle doch noch einmal schwach werde.“

Die ARD zeigt
„Der kleine Lord“ heute abend um 20.15 Uhr.

Von Wolf Webber

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