Großes Lob auch für missglückte Speisen

letzte Folge "alfredissimo!": - Bereits vor vier Jahren beendete er seinen Talk "Boulevard Bio", nun hängt Alfred Biolek auch den Kochlöffel an den Nagel. Morgen um 13.30 Uhr zeigt die ARD die allerletzte Folge seiner kulinarischen Show "alfredissimo!".

Zum Abschied gibt‘s Austern. Alice Schwarzer serviert als letzter Gast einen Salat von Avocados und Mangos, Bio bereitet einen vegetarischen Bohnentopf mit Schafskäse zu. "Jede Fernsehserie hat ihre Zeit", erklärt der Grandseigneur der deutschen Fernsehunterhaltung, der sich mit der letzten Folge der Kochshow vom Bildschirm verabschiedet, gelassen. So manches, was Biolek in "alfredissimo!" immer wieder predigte, hat Eingang in den Sprachgebrauch gefunden - "Pfeffer nur frisch aus der Mühle", "Parmesan nur frisch gerieben", "Küchenwein muss sein".

Legendär auch die höfliche Begeisterung, mit der Bio fast jede Speise seiner zahlreichen Gäste lobte, selbst wenn man sogar mit Tomaten auf den Augen noch gut sehen konnte, wenn eine missglückt war. Doch das ist nun vorbei. Bereits im Jahr 2003 hatte sichder inzwischen 72-Jährige aus dem Abendprogramm zurückgezogen, im vergangenen Herbst war dann auch das Aus für seine nachmittägliche Kochsendung angekündigt worden.

Seit dem 27. Dezember 1994 begrüßte der bekennende Gourmet in "alfredissimo!" im Ersten regelmäßig Promis zum gemeinsamen Kochen und Plaudern - in einer Studioküche, die seiner eigenen nachempfunden war. Anke Engelke gelang bei Bio ein Käsekuchen, Tom Buhrow kredenzte Hamburger, Rudolf Scharping schmorte Lammkeule, Sandra Maischberger schmurgelte Kaninchen und Maybrit Illner servierte Spaghetti mit Garnelen. Harald Schmidt war gleich zweimal da und bereitete 1997 einen Spanischen Fleischtopf zu, 2003 eine Kartoffelsuppe. Die Reste durfte hinterher stets das Produktionsteam vertilgen.

Natürlich ging in insgesamt 459 Sendungen so manches daneben. "Einmal hat ein Topflappen gebrannt, einmal gab es eine Stichflamme, als etwas flambiert wurde, und einmal habe ich mit einem riesigen Messer auf ein Paket Eiscreme gehauen, das einfach nicht aufging. Da segelte das ganze Paket durch die Küche - und mein Gast Wencke Myhre hatte Angst, dass es ihr an den Kopf fliegt", erinnert sich Biolek.

Für den Gastgeber war die Show ein echter Glücksgriff, gingen die Begleitbücher zu "alfredissimo!" doch weg wie warme Semmeln. In jüngster Zeit war das Publikumsinteresse an der Sendung jedoch gesunken, das Ende lag in der Luft. "Außerdem habe ich ja schon viel gemacht und bin seit Jahren auf dem Schirm. Da muss man doch irgendwann sagen: Jetzt ist es gut", sagt Biolek. Statt sich im Fernsehen zu produzieren, reist er mittlerweile mit dem Bühnenprogramm "Mein Theater mit dem Fernsehen" durch die Lande und plaudert über seine bewegte Laufbahn. Hinter den Kulissen ist er aber weiterhin für das Medium aktiv, seine Firma produziert unter anderem die ARD-Talkshow "Menschen bei Maischberger".

Bios Karriere in Kürze

Alfred Franz Maria Biolek, so sein vollständiger Name, wurde 1934 in Freistadt im heutigen Tschechien geboren. Nach Kriegsende aus der Heimat vertrieben, verschlug es seine Familie 1946 ins baden-württembergische Waiblingen. Biolek studierte Jura und arbeitete nach seiner Promotion als Rechtsanwalt.

Seine Fernsehlaufbahn ebnete der Wechsel ins Justitiariat des ZDF. Bald übernahm er redaktionelle Tätigkeiten beim Mainzer Sender und wirkte nun unter anderem als Moderator der "drehscheibe". Im Jahr 1970 ging er zur Bavaria Film, wo er ab 1974 "Am laufenden Band" mit Rudi Carrell produzierte.

Zusammen mit Dieter Thoma startete Biolek ein Jahr später für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) die Talkshow "Kölner Treff". Ab 1978 lief seine erste selbst produzierte und moderierte Sendung unter dem Titel "Bios Bahnhof".

In den Achtzigern und Neunzigern folgten schließlich die Formate "Bei Bio", "Showbühne", "Mensch Meier" und schließlich "Boulevard Bio" und "alfredissimo!".

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