"GSG 9" oder "Schmetterlinge im Bauch": TV paradox im Ausland

Cannes - Jens Richter trägt in diesen Tagen gern eine dicke, bunte Werbe-Broschüre unterm Arm. Das erste Produkt, das seine Firma auf Seite 7 den ausländischen Kunden anpreist, heißt "Innocent", auf Deutsch: "Unschuldig". Kaum einer hat bislang in Deutschland von dieser Fernsehserie gehört: Sie wird Ende April auf ProSieben mit Hauptdarstellerin Alexandra Neldel als Anwältin starten.

Bereits vor ihrer Deutschland-Premiere wird sie aber von der ProSieben-Tochter SevenOne International, deren Geschäftsführer Richter ist, internationalen Interessenten auf dem Fernsehfachmarkt MIP TV in Cannes angeboten.

Kein leichter Job für Richter, denn er kann seinen Handelspartnern aus dem Ausland noch keine "validen Daten", wie die Branche sagt, über die deutsche "Performance", sprich:Einschaltquoten, nennen. Aber aus dieser Klemme manövriert sich der findige Geschäftsmann immer wieder raus, denn er muss auch Produkte zu Markte tragen, die in Deutschland nicht funktioniert haben. Zum Beispiel die Sat.1-Telenovela "Schmetterlinge im Bauch", die immerhin in Italien (Canale 5) oder Polen (TVP 1) ihre Anhänger gefunden hat, oder die nicht sonderlich erfolgreiche Sat.1-Serie "GSG 9", die beachtlicherweise in Frankreich, Italien, Russland und Japan (im Pay TV) läuft.

Serien made in Germany haben auf dem inländischen Markt einen schwierigen Stand, doch im Ausland offenbar nicht immer - erst recht nicht, wenn sie konventionell gestrickt sind. So hat Oliver Kreuter, TV-Verkaufschef der Produktionsfirma Bavaria, beachtliche, noch vor wenigen Jahren kaum für möglich gehaltene Erfolge zu verbuchen. Die Langlaufserie "Sturm der Liebe", auch in der ARD schon nachmittags eine Bank, läuft mittlerweile in 22 Ländern. Das ist schon deswegen bemerkenswert, weil kaum jemand es der Bavaria vor rund drei Jahren -mitten im Schleichwerbeskandal rund um den "Marienhof" - überhaupt zugetraut hätte, den ARD-Auftrag zu bekommen.

Alt bewährt vom Strickmuster her sind auch Serien wie "Tierärztin Dr. Mertens" (mit Elisabeth Lanz) und "Familie Dr. Kleist" (mit Francis Fulton-Smith). Das ZDF kann sich immer noch auf den "Alten" mit dem zum Jahreswechsel in Deutschland pensionierten Rolf Schimpf verlassen und jetzt vielleicht auch auf den "neuen Alten" Walter Kreye, der auch seine Abnehmer finden soll. Die ausländischen Kunden verkraften auch den Darstellerwechsel in der Serie "Soko 5113" (Rolf Silberbauer folgte auf Wilfried Klaus). Der ARD-"Tatort" dagegen, vielfach von Bavaria-Töchtern hergestellt, stagniert im internationalen Geschäft, da es sich um schwierig zu veräußernde 90-Minuten-Krimis handelt. "60 Minuten laufen besser", sagt Kreuter.

Der internationale Rechtehandel funktioniert derzeit allgemein gut. Das liegt daran, dass sich die Werbemärkte weitgehend erholt haben und vor allem die ehemaligen Ostblockstaaten, mit denen auf der MIP TV in Euro abgerechnet wird, zugreifen: Länder wie Polen, Tschechien oder die Slowakei haben einen hohen Bedarf, boomende Werbemärkte und starke Währungen, so dass für sie der Einkauf westeuropäischer TV-Ware günstig ausfällt. Mit den Amerikanern wird nach wie vor in Dollar gehandelt, was den Einkauf von US-Serien derzeit günstig macht, aber den Verkauf von TV-Produktionen in die USA schwierig - aber der Export Richtung USA war noch nie leicht für die Europäer.

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