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Günther Jauch sitzt am Sonntag (11.09.2011) mit Marcy Borders, einer Überlebenden der Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center, im Studio der Sendung "Günther Jauch" im Gasometer in Berlin.

ARD-Debüt: Jauch zieht kritisches Fazit

Berlin - Berlin, Gasometer, am späten Sonntagabend gegen 23.30 Uhr. Günther Jauch ergriff eine Dreiviertelstunde nach Ende seiner ersten ARD-Talkshow das Mikrofon. Das war sein kritisches Fazit:

“Ich bin mir sicher, dass wir bessere Sendungen machen können, weiß aber auch, dass wir schlechtere Sendungen machen werden.“ Gelächter, die Kritiker verstummen angesichts seines treffsicheren Humors sofort.

Jauch, 55-jähriger ARD-Neuzugang, hatte gerade seine erste Polittalkshow fürs Erste abgeliefert. Die Ehrengäste bekamen zur Aftershowparty Wein, Bier und Häppchen serviert, während viele Twitterer längst festgestellt hatten: Der neue Jauch pustet einen dicken Hauch “Stern TV“ durch die ARD, denn seine Sendung glich in vielen Bestandteilen seinem alten RTL-Magazin.

Die Einspieler und die emotionalen Beiträge zum unausweichlichen Thema 11. September erinnerten an “Stern TV“, nicht aber die Besetzung der Runde, die ARD-gemäß aus sechs Hauptdiskutanten bestand, von denen nicht alle nötig gewesen wären. Warum saß ein Jürgen Klinsmann unter den Gästen, hatte aber außer seiner Einschätzung des Amerikaners an sich aber nicht viel beizutragen?

Kontrovers wurde die erste Show des Talkers Jauch nicht, wie er auch selbstkritisch einräumte. “Das Thema war nicht dazu da, dass sich die Diskutanten hätten in die Haar geraten können.“ Jauch selbst bedankte sich aber bei all denen, die es ihm leicht gemacht hätten, das Kind auf die Welt zu bringen, Er könne aber auch noch nicht so richtig sagen, wie die Sendung wirklich war, irgendwie wie ein “1:0, das wir über die Zeit gerettet haben und dabei ein Eigentor verhindert haben.“

ARD-Programmdirektor Volker Herres resümierte, dass die Sendung “gut gelungen“ sei. Jauch habe es geschafft, “das politisch Intellektuelle mit dem Menschlichen zu verbinden und damit ein Stück Gesprächskultur in die ARD zu bringen“. Der Gedenktag, so sagte auch Herres, sei indes keine Gelegenheit gewesen, eine kontroverse Debatte auszulösen. Auch der zuständige Programmdirektor des Norddeutschen Rundfunks, Frank Beckmann, meinte, Jauch habe den Grat zwischen historischen Fakten und persönlichen Dimensionen hervorragend bewältigt.

Eine Stärke war sicher, dass Jauch längere Einspieler brachte, um damit Betroffene mehr als früher zu Wort kommen zu lassen. Eine Schwäche jedoch bestand darin, dass unter den Hauptdiskussionsteilnehmern mit Elke Heidenreich nur eine Frau saß. Jauchs Nagelprobe wird möglicherweise schon in der nächsten Ausgabe kommen, wenn er sich vielleicht mit dem Ausgang der Berlin-Wahl befassen wird und sich die Gesprächspartner richtig zoffen - und dann nicht mehr auf Jauch hören, so wie sie früher auch schon das Eingreifen von Sabine Christiansen oder Anne Will ignoriert haben.

Jauch selbst sprach schon vor einigen Tagen von “10, 20, 30 Sendungen“, die er brauche, um in Fahrt zu kommen, und von einer “übernatürlichen Erwartungshaltung“. Trotzdem: der Anfang ist gemacht, und Ex-Verteidigungsminister Peter Struck fand zum Schluss der Show genau die richtigen, ein wenig tröstenden Worte: “Ich finde, Sie haben das gut gemacht.“

dpa

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