Gustostückerl im Fernsehen

- Tobias Moretti hat sich rar gemacht im Fernsehen. Seit er den Hitler gab in "Speer und Er" von Heinrich Breloer, war der 47-jährige Österreicher, der vielen vor allem aus der Reihe "Kommissar Rex" bekannt ist, in keiner Neuproduktion mehr zu sehen. Stattdessen spielte er Theater ("König Ottokars Glück" im Burgtheater) und inszenierte Mozart ("Don Giovanni" in Bregenz, "La finta giardiniera" in Zürich).

Heute zeigt SAT 1 den Krimi "Mord auf Rezept" (20.15 Uhr), in dem Moretti einen Mann spielt, der nach einem Unfall ohne Gedächtnis aufwacht. Zusammen mit einem Krankenpfleger kommt er einem Pharmaskandal auf die Spur und rekonstruiert sein eigenes dunkles Geheimnis.

Sie haben im letzten Jahr ausschließlich Theater gespielt. Was hat Sie dazu bewogen, bei "Mord auf Rezept" zuzusagen, der im Raum Innsbruck spielt? Doch nicht nur die räumliche Nähe zu Ihrem Wohnort?

Tobias Moretti: Doch. Um ehrlich zu sein, auch ein bisschen. Obwohl mir auch daran gelegen hat, diese Geschichte nicht an einen Ort zu binden.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Moretti: Ich glaube, dass das ein interessanter, spannender Film ist, ein Thriller, aber kein Actionthriller. Ich glaube auch, dass man ihn gern sieht, wenn man ihn richtig positioniert. Man darf ihn halt nicht als Quotenfänger einsetzen, sondern als Gustostückerl im breiten Spektrum eines Senders. Dann kann ich mir gut vorstellen, dass er funktioniert.

Einen wichtigen Teil des Films verbringen Sie im Liegen. Die Suche nach der Erinnerung müssen Sie da vor allem mit den Augen spielen. Wie geht das?

Moretti: Sie haben recht, es muss auch in der Starrheit etwas leben. Ich glaube, es war so etwas wie ein Wachtraum. Man will sich um jeden Preis zurückerinnern, und trotzdem hat man Angst, was dabei noch kommen könnte.

"Wer bin ich?" lautet eine zentrale Frage Ihrer Rolle. Wer ist Tobias Moretti?

Moretti: Es ist nicht so, dass diese grundsätzliche und immer wiederkehrende Frage mich ständig bei dem Film eingeholt hätte. Der, den ich da spiele, wäre ja schon froh, wenn er seinen Namen wüsste. Ganz langsam tastet er sich an diese zentrale Frage heran. Aber wer ich sei, wollten Sie wissen! Weintrinker, Mopedfahrer, Kindertellerzusammenesser, ein Ungeduldiger, Zahnarztphobist, Musikhörer, Bergmensch.

Unterteilen Sie Ihre Karriere manchmal in die Zeit vor- und die Zeit nach "Rex"?

Moretti: Das tun nur Journalisten. Ich frage mich am Ende eines Jahres eigentlich nur, ob ich gute Arbeit gemacht habe. Und am Ende der letzten Jahre war die persönliche Bilanz sehr ermutigend.

Wie muss ein Projekt, sei es Film, TV, Theater oder Oper gestaltet sein, damit Sie sich dafür interessieren?

Moretti: Die Hierarchie ist folgende: Da kommt das Theater und die Oper als höchste Kunstform meines dramatischen Anspruchs. Dann kommen als Filmkriterien weniger die Verwertungsform Kino oder TV, sondern das Buch, der Regisseur und die Mitspieler. Da gibt‘s beispielsweise Rollen, die man unbedingt spielen will, weil man so etwas noch nicht gemacht hat. Oder weil einen der Regisseur reizt und dergleichen. Manchmal ist eine Figur, die ganz weit weg von einem ist, eine besondere Herausforderung.

Das Gespräch führte Daniel Schoeps.

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