Gute Drehbücher sind rar

- "Allein unter Töchtern" ist eine der wenigen Komödien mit Schauspieler Hannes Jaenicke

Hannes Jaenicke ist selbst noch nicht Vater, aber hat vor der Kamera schon oft welche gespielt: "Den Büstenhalter meiner fast erwachsenen Tochter zu bügeln, war allerdings eine sehr neue und ungewohnte Erfahrung", sagt der Schauspieler.

Genau dieser Beschäftigung geht er nun in "Allein unter Töchtern" nach, den Sat.1 heute um 20.15 Uhr zeigt. "Endlich mal eine Komödie", sagt Jaenicke. "Ich würde gern viel mehr Komödien spielen. Aber wo sind die richtigen Bücher dafür?"

Das von Carolin Hecht zum aktuellen Film gefiel ihm auf Anhieb, zumal der Einstieg auf den ersten Blick gar nicht so lustig ist, sondern eher ernste Töne anschlägt: Die Ex-Frau eines Bundeswehroffiziers stirbt und hinterlässt drei Töchter im Alter von 17, 15 und acht Jahren. Um die muss Jaenicke als Papa Harald sich kümmern. Zunächst ist das auch kein Problem für den schneidigen Oberstleutnant, der bei Auslandseinsätzen schon genügend Rekruten unter seiner Fuchtel hatte. Nicht anders glaubt er jetzt auch, seine Töchter drillen zu können. Und muss schon bald er erfahren: So einfach geht das nicht.

"Ich hätte mir zwar gewünscht, dass der Vater-Tochter-Konflikt noch mehr im Mittelpunkt steht und die Teenie-Probleme nicht allzu sehr die Oberhand gewinnen", findet Jaenicke, der sonst mit diesem Film "zufrieden wie schon lange nicht mehr mit einem von mir" ist.

Einmal, weil er sich so gut mit seinen Filmtöchtern Karoline Teska, Nina Gummich und Nina Monka während der Dreharbeiten in Berlin verstand. Vor allem, weil sich Autorin Hecht und Regisseur Oliver Schmitz jeder karikierenden Übertreibung enthalten haben. Jaenicke liefert keine Offiziersparodie: "Ich kenne etliche Leute von der Bundeswehr, ich schätze sie und respektiere ihre Aufgabe, bei Auslandseinsätzen so was wie Frieden in die bedrohten Länder zu exportieren."

Auch sein nächster Film für die ARD, "Sprich mit mir!", wird ein heiteres Thema haben. Außerdem hat Jaenicke gerade eine Dokumentation über tibetische Flüchtlinge in Indien gedreht. Darüber gerät die gelegentliche Serienarbeit in den Hintergrund, auch die mögliche Fortsetzung der RTL-Serie "Post mortem". "Der Sender möchte wohl gern, aber ich schwanke sehr erheblich", sagt Jaenicke mit kritischem Blick auf die beiden ersten Staffeln: "Durch zu rasanten Schnitt, zu heftige Kameraführung haben wir wohl den Zuschauer etwas überfordert."

Die Hauptklage gilt wiederum den Drehbüchern, mit denen er meist unzufrieden war. Ziel müsste sein, "wenigstens ein Standard-Niveau hineinzubringen wie, sagen wir mal, bei einer Reihe wie ,Bella Block."

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