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„Mit dem Zweiten sieht man besser“: Komiker und Entertainer Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer ist das neueste (Werbe-)Gesicht des ZDF.

Öffentlich-Rechtliche

Gute Nachrichten aus Mainz

Das ZDF stellte gestern in München sein Programm für 2009 vor – Intendant Markus Schächter will „Gas geben“

Schuldenfrei in die neue Gebührenperiode, gemessen am Marktanteil ein Start nach Maß ins neue Jahr und rund 500 Millionen Euro, „so viel wie noch nie“, für Fiktionales im Etat für 2009 – das ZDF wartete gestern in München mit guten Nachrichten auf. Das Führungstrio der öffentlich-rechtlichen Anstalt, Intendant Markus Schächter, Programmdirektor Thomas Bellut und Chefredakteur Nikolaus Brender, war an die Isar gereist, um über die Programmschwerpunkte für das laufende Jahr zu informieren.

Zunächst aber machte Schächter klar, wie sich der Mainzer Sender selbst versteht. In Zeiten der Krise suchten die Menschen Medien, denen sie vertrauen könnten. Das ZDF wolle „die erste Adresse für die Suche nach Orientierung“ sein. „Wir wollen die berechtigten Erwartungen der Zuschauer an ein gebührenpflichtiges System erfüllen“, versprach Schächter.

Diesem Ziel soll unter anderem das neue Nachrichtenstudio dienen, das im Frühjahr in Betrieb genommen wird. Im Zusammenhang damit will der Sender eine neue „Bildsprache“ für die Informationsvermittlung entwickeln, um – beispielsweise in aufwändigen Grafiken – schwierige Sachverhalte zu erklären, „ohne zu simplifizieren“.

Aber nicht nur bei den Nachrichten will der Sender „Gas geben“, sondern auch bei den Dokumentationen. So werde es zehn neue Folgen der erfolgreichen Reihe „Die Deutschen“ geben. Insgesamt stünden im laufenden Jahr 400 Dokumentationen auf dem Programm. Programmchef Bellut nannte unter anderen die Zweiteiler „Kampf um Germanien – Die Schlacht im Teutoburger Wald“ und „Morgenland“ über Leben und Lehre Mohammeds.

Auch Hape Kerkeling, neuestes Gesicht des Senders, soll das Profil der Mainzer Anstalt als Informationsmedium schärfen helfen. Der 44-Jährige, soeben mit „Ein Mann, ein Fjord“ erfolgreich im Bereich Fiktion, reist um die Welt und berichtet von historischen Kulturen von Chile bis China. „Er hat sich sehr eingebracht“, so Bellut, der gemeinsam mit dem Entertainer auch über ein Showformat nachdenkt.

Sehr zufrieden zeigte sich der Programmdirektor mit den beiden letzten Ausgaben von „Wetten, dass...?“. Der gemeinsame Weg mit Showmaster Thomas Gottschalk „wird noch ein langer sein“, kündigte Bellut an. Den Erfolg der Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ will das ZDF im Genre der Comedy wiederholen. Über die Protagonisten wollte man gestern in München jedoch noch nichts verraten. Auch was das Nachfolgeformat für Elke Heidenreichs Sendung „Lesen!“ angeht, gab der Sender keine Details preis.

Umso auskunftsfreudiger zeigte sich die ZDF-Führung, was den finanziell so gut ausgestatteten Bereich (Doku-)Drama angeht. Auf dem Programm stehen Mehrteiler wie „Krupp – Eine Familie zwischen Krieg und Frieden“ mit Iris Berben und Heino Ferch und „Vom Glück nur ein Schatten“ mit Maria Furtwängler über ein Frauenschicksal in der Nachkriegszeit, ferner der Fernsehfilm „Dutschke“ über das Leben des legendären Studentenführers. Weiter gut positionieren will sich der Mainzer Sender auch im Bereich Serie. So bekommt die „Soko“-Familie Nachwuchs, neu im Programm ist das Format „Der Trickser“ über einen Kriminalpsychologen. Auch bei den Telenovelas will das ZDF nicht abseits stehen, schon im nächsten Monat startet „Alisa – Folge Deinem Herzen“.

Chefredakteur Nikolaus Brender hat sich vorgenommen, im Wahljahr bei jungen Menschen Interesse für die Demokratie zu wecken und sie auf diesem Weg auch für das ZDF zu begeistern. Ermöglicht werden soll das durch „Formatbrücken“ zwischen Fernsehen und dem Online-Bereich. In Planung ist eine Reihe namens „Ich kann Kanzler“, in der sich Jugendliche in Debatten, aber auch spielerisch mit Politik auseinandersetzen. Weitere Schwerpunkte setzen sollen Jubiläen wie 60 Jahre Grundgesetz, 40 Jahre Mondlandung und 20 Jahre Mauerfall.
Mit dem Segen der Politik nehmen auch Pläne von einem Umbau des digitalen Dokumentationskanals zu einem „Familienkanal“ Gestalt an. Und auch wenn Senderchef Schächter das Wort „ZDF II“ nicht in den Mund nahm, so sprach er doch euphorisch von einer „historischen Situation“ – dem „Ausbruch des ZDF aus dem babylonischen Gefängnis des Einkanalsenders“.

VON Rudolf Ogiermann

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