"Guter Vater der Mainzelmännchen" - Wolf Gerlach wird 80

Bad Zwischenahn - Wenn Wolf Gerlach seine sechs Kinder sehen will, braucht er nur den Fernseher einzuschalten. Fast täglich verfolgt er die Streiche von Anton, Berti, Conny, Det, Edi und Fritzchen. Er ist der Vater der Mainzelmännchen, die seit 45 Jahren im ZDF zu sehen sind.

Inzwischen ist der Karikaturenzeichner im Ruhestand. "Doch ich verfolge noch immer, was meine Nachfolger für Ideen bringen", sagt Gerlach. Am kommenden Donnerstag (17. April) feiert er seinen 80. Geburtstag. In seiner niedersächsischen Wahlheimat wird er dann aber nicht anzutreffen sein. Gemeinsam mit seiner Familie weilt Gerlach an seinem Ehrentag auf Mallorca.

Seit mehr als 20 Jahren lebt Gerlach schon in seinem Haus in Bad Zwischenahn (Kreis Ammerland), nach dem Tod der Ehefrau nun gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin. Gerlach steht in seinem Atelier und zeigt einige seiner Werke aus unterschiedlichen Jahrzehnten. "An jedem Bild hängen Erinnerungen", sagt er. Die Zeichnungen und Gemälde spiegeln die Stationen seiner Biografie wider - Bühnenbildner, Erfinder der Mainzelmännchen und Maler.

Der im pommerschen Stolp geborene Gerlach wächst auf der Nordseeinsel Langeoog auf. Bereits als 19-Jähriger gibt er an einer Privatschule Kunstunterricht. "Für mich stand fest, dass ich Bühnenbildner werden will", erinnert er sich. Sein erstes Engagement hat er am Staatstheater Oldenburg. Als Chefbühnenbildner in Braunschweig wechselt er das Fach, wird Anfang der 60er Jahre Filmarchitekt in Wiesbaden und dreht Werbefilme. Für das ZDF erfindet Gerlach 1963 die sechs Zipfelmützen-Kobolde, die ihn berühmt machen. Die sind zuerst nur als Werbe-Pausenfüller gedacht. Inzwischen seien die Mainzelmännchen das Markenzeichen des Senders, sagt der Leiter des ZDF-Werbefernsehens, Hans-Joachim Strauch. "Die Hälfte meines Lebens habe ich mit den Mainzelmännchen verbracht", berichtet Gerlach. Bevor die pfiffigen Zeichentrickfiguren 2003 eine Verjüngungskur erhalten, zieht er sich endgültig zurück. Viele Zuschauer protestieren zunächst gegen die moderne Version der Figuren. Doch Gerlach mag seine lustigen Fernsehkinder auch mit Handy statt Trompete: "Ich finde die jetzt sehr in Ordnung, meine waren schon sehr nostalgisch", meint er.

In seinen Regalen erinnern noch alte Bücher, Gipsfiguren, Originalfolien und Bleistiftzeichnungen an seine Sechserbande. Einen Liebling hat er nicht: "Ich bin ein guter Vater, ich liebe meine Kinder alle gleich", sagt Gerlach schmunzelnd. Die Mainzelmännchen haben noch mehr "Geschwister". Zu Gerlachs Schaffen gehören auch die WDR-Trickfilmcharaktere Ute, Schnute, Kasimir sowie Leo & Leo vom Bayerischen Rundfunk. Seit seinem Rückzug vom Zeichentrick arbeitet Gerlach wieder als Maler. "Mein ganzes Berufsleben habe ich mich darauf gefreut", sagt er. Seine stark abstrahierten Motive drehen sich meist um sein Lieblingsthema Mittelmeer. Einen Querschnitt seines Schaffens zeigt er von Mitte Mai bis Ende Juni in einer Ausstellung in einer Mainzer Galerie. Danach möchte Gerlach kürzertreten, mehr Zeit für das Reisen haben und sich einem neuen Projekt widmen: Für seine vier leiblichen Kinder und sechs Enkelkinder will er seine Biografie schreiben.

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