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Der Schauspieler im Interview

Hannes Jaenicke: "Ich meide Plastik wie die Pest"

Seit über 20 Jahren ist Schauspieler Hannes Jaenicke im Geschäft. Derzeit allerdings arbeitet er lieber in Nepal an einem Arte-Fünfteiler über den fairen Handel - und redet sich beim Thema Umweltschutz förmlich in Rage.

Im März wird er Löwen für den sechsten Teil der ZDF-Reihe „Im Einsatz für…“ beobachten. Für solche Stoffe brennt der 54-Jährige, schließlich engagiert er sich leidenschaftlich für die Umwelt. Und so redet sich der am Ammersee lebende Schauspieler im Interview über Bio, Lobby-Arbeit und Haiabschlachtungen förmlich in Rage.

Was reizt Sie an den Dokus?

Das ist die Art von Fernsehen, die am meisten Sinn macht. Hinzu kommt, dass diese Drehs auch Abenteuer-Reisen sind. Aber ich habe immer noch Spiellust, und die lebe ich eben mit Comedies, Krimis oder TV-Dramen aus.

Verdienen Sie mit Krimis Ihren Lebensunterhalt, die Dokus sind das Zubrot?

Ich weiß nur von einem Dokumentarfilmer, der damit Geld verdient: Michael Moore. Wir machen das aus Leidenschaft – auch meine Partner Judith Adlhoch und Markus Strobel von Tangofilm in München. Sie leben von „Galileo“, „Abenteuer Leben“, und ich mache eben meine Spielfilme.

Wie kommen Sie auf Ihre Themen zum Beispiel bei „Im Einsatz für…“?

Die Löwen waren expliziter Wunsch des Senders, wir wollten Meeressäuger. Strobel und ich haben den ersten Teil 2006 selbst finanziert, dann bin ich eineinhalb Jahre rumgetapert, bis ich einen Sender gefunden hatte, der den Mumm dazu hatte.

Haben Sie beim Doku-Drehen schon Schauer-Situationen erlebt?

Dauernd. Wir waren auf einem Schiff in Spanien, die hatten 1600 große Haie an Bord – geschlachtet nur wegen ihrer Flossen, für chinesische Haiflossensuppen. Das Tragische ist, dass man hautnah mitbekommt, wie der Mensch Wirbeltierarten in einem Tempo ausrottet, das einem die Spucke wegbleibt.

Wie versuchen Sie privat auf die Umwelt zu achten? Haben Sie Tipps?

Jede Menge, zum Beispiel zu Ökostrom wechseln, Energiesparen wo es geht. Sachen gebraucht kaufen, und ich meide Plastik wie die Pest. Was ist schwierig daran, eine Tragetasche im Auto zu haben? Das verstehe ich nicht. Ich habe immer welche in meinen Motorrad-Satteltaschen.

Aber wenn ich in einem Supermarkt Gurken kaufen möchte, sind die stets abgepackt. Warum?

In Läden, die Bio und anderes Gemüse verkaufen, haben Kunden oft beschissen: Sie haben die Bio- für die normale Gurke an der Kasse ausgegeben. Durch die Verpackungen geht das nicht mehr.

Wie finden Sie den extremen Bio-Trend?

Da wird gemogelt und gelogen, was das Zeug hält. Bio ist eine Mode, was eigentlich gut ist. Und natürlich ist Bio nicht zu 100 Prozent sauber. In einer Studie heißt es, die Produkte sind zu 80 Prozent weniger belastet. Das reicht mir, ehrlich gesagt. Ich kaufe das auch, um die Bauern zu unterstützen, und nicht nur Konzerne wie Nestle, Unilever oder Kraft.

Achten Sie streng darauf?

Ich bin nicht fanatisch, so wie ich kein 100-prozentiger Veganer bin. Ich sündige zum Beispiel bei Käse mit Begeisterung – aber bei Plastik nicht. Warum schleppt eine Mutter mit zwei Kindern an der Hand ein Sixpack mit 1,5-Liter-Pet-Wasserflaschen in den dritten Stock? Mit einem „SodaStream“-Sprudler kann sie ihren Kindern sogar Limo und Cola machen! Ein Durschschnittshaushalt spart so pro Jahr 2000-Pet-Flaschen oder Blechdosen! (Jaenicke ist Markenbotschafter, Anm. d. R.)

Vor zehn Jahren waren die Sprudler modern. Der Trend ist abgeebbt…

Das ändert sich gerade, seit es auch die Glaskaraffen gibt. Aber die Verpackungsindustrie macht leider effiziente Lobby-Arbeit.

Wie meinen Sie das?

Der größte deutsche Hersteller von Plastiktüten ist ein milliardenschweres Unternehmen. Und natürlich tut es alles, um ein Verbot zu verhindern, bisher leider erfolgreich. Ein Hotelier spendet der Regierung siebenstellig, um eine Steuersenkung für Hotels durchzusetzen, große Autokonzerne spenden an die CDU, damit Frau Merkel in Brüssel dafür sorgt, dass die Abgasbegrenzung für Autos gelockert wird. Es gibt dutzende von Beispielen, bei denen es so läuft.

Als TV-Mann haben Sie eine starke Stimme. Unterstützen Sie Kollegen?

Meine Branche ist alles andere als umweltfreundlich. Aber es gibt erfreuliche Gleichgesinnte. Christiane Paul, Stefanie Stappenbeck, Thomas D. und Jan Delay engagieren sich. Aber die Branche ist leider oft selbstverliebt, hohl und oberflächlich.

Sie sind sehr hart…

Wenn jemand „Dschungelcamp“ oder „DSDS“ produziert – wo soll da das Interesse für Umwelt oder Menschenrechte liegen? Das ist eher Menschenverachtung. Es geht nur um die Quote. Wenn wir mit unseren Dokus einen Hit haben, schaffen wir knapp 10 Prozent. Der RTL-Dschungel schafft locker 35. Man muss die guten Sachen im Fernsehen eben suchen.

Interview: Angelika Mayr

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