Hanseatischer Mafioso

- Hans-Werner Meyer hat Krimierfahrung, zweifellos. Der 42-Jährige spielte die Hauptrolle in der RTL-Ermittlerserie "Die Cleveren", besetzte einige Episoden in den Krimireihen "Tatort" und "Doppelter Einsatz". Aber reichen diese Einsätze zum Paten? Offenbar ja, denn in dem vom ZDF und dem italienischen Sender RAI koproduzierten Vierteiler "Im Zeichen des Drachen", der heute Abend startet, verkörpert der aus Norderstedt bei Hamburg stammende Meyer einen italienischen Mafiaboss.

International operierendes Verbrechen

"Hans-Werner Meyer hat eine positive Ausstrahlung, der Bart verleiht ihm ein leicht mephistophelisches Äußeres ­ er ist ideal für die Rolle", sagt Ferdinand Dohna, Produzent bei der deutschen Filmfirma EOS. "Er ist nicht allein der typisch italienische Mafioso, sondern der international operierende Verbrecher und repräsentiert eine neue Generation des organisierten Verbrechens." Vor diesem Hintergrund sei diese Wahl ein Glücksgriff gewesen, auch wenn mancher Italiener vielleicht betrübt seufzen möge, warum kein Landsmann, sondern ein Ausländer bei der Besetzung zum Zuge gekommen ist.

Der Vierteiler "Im Zeichen des Drachen" ist eine Weiterführung der fast 20 Jahre alten ZDF-Serie "Allein gegen die Mafia", die in internationaler Koproduktion der damaligen Kirch-Gruppe mit dem italienischen Produzenten Sergio Silva entstanden war. Vor drei Jahren besann sich Silva auf den guten alten Stoff und fragte den ehemaligen Kirch-Manager Jan Mojto, mit EOS Film inzwischen selbstständig, wie es denn um eine Fortsetzung stehe. Diskutiert wurde nicht lange, sondern schnell produziert.

Den Kultfaktor mit "Allein gegen die Mafia" als Vorläufer scheint das ZDF eher gering einzustufen, denn sonst hätte sich der Sender nicht für die späte Ausstrahlungszeit entschieden. Für den ZDF-Vierteiler reiste Hauptdarsteller Meyer zwischen November und Februar nach Tanger in Marokko, nach Bulgarien, Rom und Venedig ­ ein Traumjob. "Ich habe zu Hause vor dem Spiegel die Szenen auf Englisch einstudiert", sagt er. Am Drehort herrschten babylonische Verhältnisse, ein Teil der Darsteller spricht Italienisch, andere Englisch, der Regisseur Antonello Grimaldi wiederum Italienisch ­ er kann kein Englisch. Dennoch: "Geschichten aus fremden Welten faszinieren den Zuschauer immer wieder", sagt Meyer. "Im Zeichen des Drachen" ist ein gutes Beispiel dafür."

Meyers Gegenspieler als Kommissar Stefano Renzi ist der Italiener Pietro Sermonti ­ Renzis Vater war bei einem Mafia-Einsatz der Polizei ums Leben gekommen. Für den Kommissar ist es eine Art persönlicher Feldzug, seinen Vater mit der Festnahme des Mafia-Paten Dandolo (Meyer) zu rächen. Ausgerechnet auf Dandolos Hochzeit erfolgt der Zugriff. Die persönliche Auseinandersetzung geht weiter und wird auch privat ausgetragen: Stefanos Bruder Gianluca und die Schwägerin Dandolos haben sich zufällig kennen gelernt ­ auf einer Rave-Party nimmt Gianluca eine Designerdroge. Zehn Menschen sterben, Gianluca überlebt. Doch was hat Dandolo mit der Schreckenstat zu tun?

ZDF, heute, um 22.15 Uhr; weitere Folgen am 4.1., um 22.30 Uhr, am 6. und 7.1., jeweils um 22 Uhr.

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