Zum Tod von Hansjörg Felmy: Sein Kommissar schrieb TV-Geschichte

München - Es war unmöglich, Hansjörg Felmy nicht gekannt zu haben. Nach langer, schwerer Krankheit ist der Schauspieler, wie erst jetzt bekannt wurde, am vergangenen Freitag in Eching in Niederbayern gestorben. Er wurde 76 Jahre alt.

Er war gegenüber Journalisten ein skeptischer Mann. Vielleicht hatte er Sorge, zu sehr als Medienpromi behandelt zu werden und weniger als Schauspieler. Sobald er aber spürte, dass man nicht die Sensation suchte, sondern sich mit ihm über den Beruf des Schauspielers, über die Rolle, die er gerade zu spielen hatte, über Literatur und Kultur unterhalten wollte, war er der offenste, charmanteste, feinsinnigste Mensch, den man sich nur vorstellen kann. Gebildet, gesellig und großzügig. Wer ihn kannte, schätzte die klugen Gespräche mit ihm, seinen Witz und Sarkasmus, seine Kritik an dem gegenwärtigen Zustand des Fernsehens und der Kultur überhaupt.

Was nicht verwunderte, ist Hansjörg Felmy doch groß geworden zu einer Zeit, als Film und Fernsehen noch ihren bildungspolitischen Auftrag ernstnahmen. Als in der jungen Bundesrepublik Nachholbedarf bestand an kritischer Kunst. Als Filme wie "Wir Wunderkinder" oder "Die Buddenbrooks" quasi zu nationalem Kulturgut avancierten.

Hansjörg Felmy blieb immer ein engagierter Schauspieler. Berühmt geworden durch seinen Tatort-Kommissar Haferkamp, wurde er, solange es ihm physisch möglich war, nicht müde, zum Beispiel auf öffentlichen Foren über den Film "Wir Wunderkinder" und seine politische Wirkung zu sprechen.

Seine letzte Rolle spielte Hansjörg Felmy auf dem Theater. Margit Bönisch holte ihn für die geniale Komödie "Kunst" von Yasmina Reza in den Bayerischen Hof. Bis 2000 spielte er in diesem Drei-Männer-Stück immer wieder. Und die Option, die Serie noch einmal zu wiederholen, hatte sich die Theaterchefin bis heute offen gehalten - falls ein Wunder geschehe und Felmy doch noch einmal auf die Bühne zurückkehren könne.

Hansjörg Felmy wurde am 31. Januar 1931 als Sohn eines Flieger-Generals in Berlin geboren. Nach dem Krieg wuchs er in Braunschweig auf. Dort brach er das Gymnasium vorzeitig ab, arbeitete im Schlosser- wie auch im Buchdruckergewerbe und spielte nebenbei an einer Wanderbühne. Von 1947-49 nahm er Schauspielunterricht und debütierte am Staatstheater Braunschweig in "Des Teufels General".

1956 drehte er seinen ersten Kinofilm - und die steile Karriere nahm ihren Anfang. "Der Stern von Afrika", "Herz ohne Gnade", "Der Maulkorb", "Und ewig singen die Wälder", "Der Engel, der seine Harfe versetzte", diverse Wallace-Krimis und und und... Ab 1974 flimmerte er über sechs Jahre lang regelmäßig in die deutschen Wohnstuben hinein. Noch lange vor Colombo war er der Mann im zerknitterten Trenchcoat. Eine ganz neue Art des TV-Kommissars. Hansjörg Felmy ist Fernsehgeschichte.

Anlässlich seines 75. Geburtstages sagte der Schauspieler, dass er nicht mit Wehmut an seine TV-Zeit zurückdenke. "Es war richtig aufzuhören." Von seinen 20 "Tatort"-Folgen waren nach seiner Meinung nur 12 wirklich sehr gut.

In den letzten Jahren litt Hansjörg Felmy nicht nur an krankem Magen und kranker Leber, sondern zunehmend an Osteoporose. Lenden- und Brustwirbelbrüche machten ihm, der nie klagte und mit Demut und heiterer Gelassenheit sein Leiden ertrug, das Leben zur Qual.

Ohne Todesangst, ohne Schmerzen sei er eingeschlafen. Seine Frau Claudia Wedekind, die ihn aufopfernd pflegte, war bei ihm.

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