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Harry G spielt am Montagabend auf dem Tollwood – die Veranstaltung ist seit Wochen ausverkauft. Ein Trostpflaster: Sein Programm gibt’s auch auf DVD. „Leben mit dem Isarpreiß – Live“, erschienen bei Sony. 

Komiker spielt am Montag auf dem Tollwood

Harry G kommt ins Fernsehen - Kir Royal 2.0?

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München - Erst im Internet, dann auf der Bühne, bald in einem Film? Harry G begeistert mit Tiraden über die Münchner Schickeria. Bald im TV - und am Montag auf dem Tollwood.

Eine Zigarre. Ernsthaft! Markus Stoll schüttelt den Kopf, hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung und Amüsement. Da lief doch wahrhaftig ein junger Kerl durch die Maxvorstadt, Anfang 20, die Haare „hinterg’schleimt“, Ray Ban auf der Nase, rote Hose, Segelschuhe. Und zündet sich – kein Witz! – eine Zigarre an. Oder neulich, zwischen Tambosi und Schumann’s: ein Typ in Fellweste. Der zieht – jawohl! – eine Taschenuhr hervor. „Eine Taschenuhr! Das kannst du dir gar nicht ausdenken.“

In Wahrheit freut Stoll das natürlich. Gefundenes Fressen für ihn, den Obergrantler des Freistaats. Künstlername: Harry G. Bekannt geworden durch Internetvideos, in denen er sich über die Münchner Schickeria, über Zugezogene und Möchtegern-Bayern lustig macht. Über 70 Millionen Mal wurden sie angeklickt, auf Facebook hat er mehr als 360.000 Fans. Und wenn man deren Onlineprofile so anschaut, dann wird klar: Über Harrys Tiraden lachen sie alle – vom Verbindungsstudenten in rosafarbener Chinohose bis zur Dirndlverkäuferin aus Sachsen. Obwohl doch beide bei ihm ihr Fett wegkriegen. Warum?

„Das ist das gleiche Phänomen wie Ärzte, die über Arzt-Witze lachen. Oder Türken über Türkenwitze“, sagt Stoll. Drei Arten von Menschen schauen seine Filme, erzählt er. „Bayern, Schickeria und Preißn, die Spaß dran haben, das Bairische zu hören. Und wenn die dann Opfer meines Programms werden, finden sie’s gleich doppelt lustig.“

Morgendliches Treffen in München-Haidhausen; der 37-Jährige sieht etwas müde aus um die Augen herum. „Wenig Schlaf gerade, kleines Kind daheim.“ Doch vor allem: viel zu tun. Denn die Kunstfigur Harry G ist kein Internet-Phänomen geblieben. Seit zwei Jahren tourt Stoll mit seinem ersten Bühnenprogramm „Leben mit dem Isarpreiß“. 160 Auftritte, allein dreimal spielte er im ausverkauften Circus Krone. Am kommenden Montag führt er es ein letztes Mal in München auf, beim Tollwood. Bevor im Herbst Programm Nummer zwei startet.

Denn ja, dieser Humor funktioniert auch, wenn er nicht nur in zweiminütigen Video-Häppchen serviert wird. Mit einem Clip über Faschingstrachten auf der Wiesn fing alles an – das wird auf der Bühne konsequent weitergeführt. Und wenn man Stoll fragt, wo er seine Inspiration für all das Fluachn findet, kommt er langsam durch, der Harry in ihm. Da spricht er plötzlich nicht mehr so ruhig wie Markus Stoll, der gern Rennrad fährt und die Natur genießt, der jetzt gar aufs Land zieht, samt Frau und Kind. Freilich nicht an den vom Isarpreißn so geliebten Tegernsee, eh klar. Wenn man ihn also fragt, wieso er angefangen hat mit diesen Videos, da wird die Stimme lauter. „Egal, wo ich in München bin, es ist immer derselbe Schlag Mensch unterwegs! Alles erfindet sich neu, nichts darf mehr normal sein“, setzt er an. Und dann, im schnelleren Sprachtempo: „Du darfst keinen normalen Sport mehr machen, du darfst nichts Normales mehr essen, du darfst keine normale Kleidung mehr tragen. Es muss alles ,individuell‘ sein. Aber im Endeffekt ist’s doch eh alles derselbe Scheißdreck.“ Punkt. „Ist doch wahr!“ Lachen. Und wie das wahr ist. „Und warum sagt’s dann keiner?“ Genau diese Frage hat er sich 2013 gestellt, und sich dann gewissermaßen geopfert. Einer muss es ja machen. Also Kamera an und losgelegt. Seine Parodien von SUV-Fahrern, Unternehmensberatern, Skifahrern und all den anderen Möchtegerns sind jetzt schon Kult – so pointiert hat seit Helmut Dietl keiner mehr die Münchner Gesellschaft abgebildet.

Es klingelt. „Da kommt jetzt eine Journalistin von einem Gesundheitsmagazin, die will bestimmt wissen, was mein Herz macht“, sagt er und grinst. Regt er sich privat auch so viel auf? Man ahnt die Antwort schon. „Ich bin privat schon auch Harry, aber in einer unschönen Variante. Meine Frau sagt immer: ,Mach das halt beruflich, das Schimpfen!‘ Und ich sag’: Aber, es kann doch nicht sein, dass...“ Und schon geht sie wieder los, die nächste Salve über unfreundliche „Fachverkäuferinnen“, die ein Produkt, das noch originalverpackt ist, nicht zurücknehmen, weil es vor 15, nicht vor 14 Tagen gekauft wurde. „Dann stehst du da, völlig umsonst in den Laden gekommen. Das Ding ist etikettiert und nagelneu, sind’s halt 15 Tag’. Nur weil da jemand den perfekten Betrug macht und das Teil immer wieder hinbringt, heißt das doch nicht...“ Pause. „Ich kann mich über solche kleinen Ungerechtigkeiten wahnsinnig aufregen.“

Tut er zur Freude aller Fans ja auch weiterhin. Demnächst prominent im Fernsehen. Alles noch völlig geheim, nur so viel verrät er: „Ich arbeite im Augenblick an einem Filmprojekt, das den Münchner Lifestyle abbildet, wie es einst schon Münchner Serien getan haben.“ Kir Royal 2.0? Lächeln. Nein, er verrät nix.

Dass genug Stoff für eine Serie zur Verfügung steht, daran besteht jedenfalls kein Zweifel. „Eine Zigarre!“ Er kann’s noch immer nicht fassen. Wobei, das mit der Taschenuhr ist ja doch eigentlich schon wieder cool. „Ja, aber only in München!“, ruft er. „Was kommt als Nächstes?“ Ein Monokel vielleicht? „Oh ja, Monaco-Monokel!“ – das übernächste Programm, in Markus Stolls Kopf ist es schon geschrieben.

Harry G geht im Herbst wieder auf Tour. Tickets und Daten unter www.harry-g.com.

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