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Zum Tode von Harry Valérien

Er war ein Vorbild

„Wo samma? Da samma!“ – Harry Valériens Umgang mit der Kamera und dem Mikrofon war zu seiner Zeit revolutionär. Der beliebte Sportreporter und -moderator brachte einen neuen Ton auf den Bilddschirm.

In den Sechziger- und Siebzigerjahren, als Sportreporter und -moderatoren oft noch wie brave Buchhalter wirkten, brachte der gebürtiger Münchner eine Natürlichkeit ins Fernsehen, die zum Maßstab für den journalistischen Nachwuchs wurde. Das war umso bemerkenswerter, als Valérien, der auch aus seinem bairischen Akzent keinen Hehl machte, selbst kein ganz Junger mehr war, als er den Gipfel seiner Popularität erklommen hatte. Nun ist der langjährige Moderator des „Aktuellen Sportstudios“ (ZDF) im Alter von 88 Jahren gestorben.

Harry Valérien: Bilder aus seinem Leben

Harry Valérien: Bilder aus seinem Leben

Sein Schwiegersohn, der frühere Extremkletterer Stefan Glowacz, teilte mit, Valérien sei bei einem Treffen mit ehemaligen Kollegen und Sportlern gewesen. „Auf dem Rückweg zu seinem Wohnort in Berg am Starnberger See ist er dann im Auto eingeschlafen und an Herzversagen gestorben.“ Er habe als Mitfahrer im Wagen gesessen, zusammen mit seiner Frau.

Valérien galt als Grandseigneur der deutschen Sportberichterstattung, der auch nach seinem Abschied vom Berufsleben ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen war. Nach Kriegsteilnahme und amerikanischer Gefangenschaft begann der Sohn eines Pressefotografen im Jahr 1946 ein Studium an der neu gegründeten Deutschen Journalistenschule, ein Jahr später wechselte er als Volontär zu unserer Zeitung. Doch dann zog es ihn zum Bayerischen Rundfunk (BR), wo er schnell Karriere machte. Als gerade 28-Jähriger berichtete er 1952 von den Olympischen Winterspielen in Oslo, seitdem war er bis in die Neunzigerjahre als Reporter bei Olympia im Einsatz, vor allem im Skisport und im Schwimmen stellte er seine überragende Kompetenz unter Beweis.

Kein Wunder, dass das neu gegündete ZDF die Finger nach dem Ausnahmejournalisten ausstreckte, als 1963 das „Aktuelle Sportstudio“ auf Sendung gehen sollte. Nicht weniger als 283 Mal führte Valérien bis 1988 durch die Sendung, deren Erscheinungsbild dem lässigen (aber nie nachlässigen) Stil des Moderators entgegenkam.

Bequeme Pullover wurden zum Markenzeichen Valériens, der allerdings auch unbequeme Fragen stellen konnte und keine Angst vor kontrovers geführten Interviews hatte. Doch Fairness war oberstes Gebot. „Ich mach’ keine Reportagen auf Kosten anderer, und auch bei Interviews soll keiner als Sieger oder Verlierer den Ring verlassen“, lautete sein Motto.

Valérien gestattete sich Emotionen, rief auch einmal „Sappradi“, wenn ein Skirennläufer stürzte – und aus diesem Ausruf konnte man die Anteilnahme eines Menschen heraushören, der wusste, wie schmerzhaft Leistungssport auch sein kann. Der Reporter und Moderator schonte sich auch selbst nicht, im Jahr 1973 trat er als 49-Jähriger live gegen den Weltklasseschwimmer Werner Lampe (damals 21) an – mit Schwimmflossen an den Füßen.

Valérien liebte es, an vorderster Front zu arbeiten, den Kontakt zu den Sportlern zu behalten. Als er 1983 ZDF-Sportchef werden sollte, lehnte er ab mit den Worten: „Ich bleibe lieber Reporter, das sagt mir mehr zu als jede Verwaltung.“ Ehemalige Kollegen lobten den bis ins hohe Alter durchtrainiert wirkenden, leidenschaftlichen Golfspieler als Vorbild. „Für Generationen war Harry ein Idol. Er hatte immer einen festen Standpunkt, den er nie verließ“, sagte sein ehemaliger „Sportstudio“-Kollege Dieter Kürten, und Günther Jauch, Valériens Nachfolger als Moderator, meinte, Valérien habe vorgemacht, wie Sport im Fernsehen kompetent und unterhaltsam zu vermitteln sei.

Privat hatte Valérien einige Schicksalsschläge zu verkraften. Als er 14 war, starb seine Mutter bei einem Autounfall, ein Jahr später erlag der Vater einem Herzleiden, Valérien wuchs mit seinen drei Geschwistern beim Großvater auf. Mit seiner Frau Randi, einer gebürtigen Norwegerin, mit der er seit 1960 verheiratet war, hatte er zwei Töchter, Tanja (*1962) und Laila (*1964). Die Jüngere starb im Jahr 2007 an Krebs.

Aliki Nassoufis, Jürgen Magh und Rudolf Ogiermann

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