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"Wenn wir jetzt alle so säßen den ganzen Abend, das ist doch nicht lustig", fand der Journalist Dirk Schümer.

Scheindebatte oder Symboldebatte

Burka-Verbot? "So hier sitzen, wäre doch auch nicht lustig"

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Köln - Kulturkampf um die Burka: Bei "Hart aber fair" ging es am Montagabend um die nicht ganz einfache Frage, ob Verschleierung verboten werden soll. Scheindebatte, Symboldebatte - ja was denn nun? Es gab viele Meinungen.

Wenn Claudia Roth (Grüne) Talkgast bei "Hart aber fair" ist, kann man eigentlich schon fast davon ausgehen, dass die Diskussion keine langweilige sein wird. Und so war es dann auch am Montagabend, als Frank Plasberg seine Gäste fragte: "Offene Gesellschaft, offenes Gesicht – Kulturkampf um die Burka?" Die Grünen-Politikerin legte vor: "Symboldebatte! Scheindebatte! Ich befürchte, es geht nicht um die Burka, sondern um die Frage, gehört der Islam zu Deutschland. Die Burka-Debatte ist eine Scheindebatte."

Mit ihr diskutierten: CDU-Vize Julia Klöckner (43), Welt-Korrespondent Dirk Schümer (54), Michel Friedman (60, CDU) und Khola Maryam Hübsch (35), eine verschleierte Frau. Julia Klöckners Meinung: "In Deutschland zeigt man Gesicht: Deshalb steht die Burka für Entmenschlichung und ein intolerantes Menschenbild." Die verschleierte Khola Maryam Hübsch meinte, der Westen habe ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil er autoritäre Machthaber unterstütze.

Burka tragen? "Das ist wie Apartheid"

Journalist Dirk Schümer ging gleich so weit, das Tragen einer Burka mit der Apartheit zu vergleichen - am Beispiel Garmisch-Partenkirchens. Dort gebe es einen Optiker, der einen separaten Raum für Frauen eingerichtet habe, die eine Niqab tragen. In diesem könnten sie ungestört Sonnenbrillen anprobieren. "Das ist Apartheid. Das ist wie ein Klo für Schwarze und ein Klo für Weiße."

Wie das meist in Talkshows der Fall ist, gab es viele Meinungen - Scheindebatte, Symboldebatte, ja was ist es denn nun? Julia Klöckner von der CDU nutzte die Plattform, um gegen die Grünen zu pfeffern. "Gerade die grünen Frauen sind es doch gewesen, die für die Emanzipation gekämpft haben, für gendergerechte Sprache. Aber wenn es um Zwangsverheiratung geht, oder um Vollverschleierung, dann haben wir dröhnendes Schweigen bei Ihnen." Das konnte Claudia Roth, die Grüne, nicht auf sich sitzen lassen. "Sie müssen mich nicht belehren, was der Einsatz für die Rechte der Frau ist."

Später zoffte sie sich dann auch noch mit Frank Plasberg, als sich die beiden gegenseitig nicht mehr ausreden ließen. Plasberg legte vor: 70 Prozent der grünen Wähler wären für ein teilweises Burka-Verbot. Roths Antwort: "Ich sage, dass es darum geht, deutlich zu machen, was die Basis unseres Zusammenlebens, was der Kitt unseres Zusammenlebens meint, und das ist unsere Verfassung. Und das ist nicht eine Privatsache, die zu interpretieren und zu sagen, 70 oder 80 Prozent haben die und die Meinung, sondern das ernst zu nehmen, was die Basis unseres Zusammenlebens ist." Was sie damit genau gesagt hat, wurde nicht so ganz klar.

"Ich find's auch unheimlich"

Viel verständlicher war es doch, als Frank Plasberg mit einer Österreicherin sprach, die zum Islam konvertiert ist und komplett verschleiert unter einem Niqab ins Studio kam - lediglich ihre Augen waren zu sehen. Plasbergs einleitende Worte: "Ich find's auch unheimlich." Die Dame erzählte von ihrem Leben unter dem Schleier, wie das beim Essen ist und dass sie den Stoff auch mal abnehme. Eigentlich aber, sagte sie, brauche sie die Niqab, um die Grenzen ihrer Religiosität "besser zu definieren". Sollte die Burka aber verboten werden, so werde auch sie sich daran halten, berichtete sie weiter. Allerdings entwickle sich Deutschland durch ein Verbot immer mehr "zur Diktatur", fand die Frau.

Die beste Idee des Abends hatte womöglich Dirk Schümer: Er zog sich eine graue Wollmütze übers Gesicht und fragte: "Wenn wir jetzt alle so säßen den ganzen Abend, das ist doch nicht lustig, oder?" Viel wurde geredet, am Ende jedoch war, wie so oft, niemand wirklich schlauer.

Erst kürzlich warb eine deutsche Schauspielerin bei "Hart aber fair" für Erdogan.

pak

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