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Frank Plasberg talkte mit Flüchtlingshelfern.

"Hart aber fair": "Alles unter Kontrolle?" 

Flüchtlingshelfer: Regierung lässt uns im Stich

Köln - Diskussionsrunde der anderen Art: Frank Plasberg hat am Montagabend keine Politiker oder Promis zu "hart aber fair" eingeladen, sondern Flüchtlingshelfer. Ein Experiment, das sich gelohnt hat. 

Kein Phrasengedresche, keine Monologe, kein Verschanzen hinter Positionen: Eine Talkrunde nur aus Flüchtlingshelfern hinterließ bei Plasbergs "hart aber fair" am Montag einen durchweg überzeugenden Eindruck.

Einer der Gäste war Holger Michel. Der selbstständige Unternehmer wollte ursprünglich nur einige Gegenstände für den tägliche Bedarf in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft abgeben, doch er blieb dann den ganzen Tag und auch den Sonntag darauf. Nun verbringt er seine gesamte Freizeit dort, um zu helfen. 150 bis 250 freiwillige Helfer sind täglich vor Ort, unterstützt von sechs Festangestellten, um 850 Flüchtlinge zu betreuen. Für Michel ist das Verhältnis okay: "Der Staat kann und soll das gar nicht alleine hinkriegen. Ohne Ehrenamtliche kann das gar nicht funktionieren."

Unterstützung fehlt derzeit jedoch von Seiten der Politik und der Verwaltung. Holger Michel in der Sendung: "Wir haben in München riesige Bestände, die leer stehen. Seehofer hat auf Nachfrage selbst zugegeben, dass Platz vorhanden ist." Offenbar werden Flüchtlinge in die Peripherie gekarrt, ohne dass vorab gemeldet wird, wer oder wie viele denn ankommen. Heike Jüngling, Sozialdezernentin der Stadt Königswinter in Nordrhein-Westfalen: "Der Gesundheitszustand einiger Menschen, die bei uns ankamen, war schlecht. Das war denen, die Busse zu uns schickten, offenbar auch egal."

In die gleiche Kerbe schlägt auch Lothar Venus, Zweiter Bürgermeister der bayerischen Grenzgemeinde Wegscheid. So erreichten seinen kleinen Ort statt der angekündigten 12 bis 15 Busse aus Österreich plötzlich 55 Busse. Venus: "Die Österreicher haben uns Busseweise die Kinder auf die Wiese gekippt." Er bleibt auch auf Nachfragen bei seiner drastischen Wortwahl und ergänzt: "Für die Brutalität dieser Situation gibt es keine menschlichen Worte." Dort an der grünen Grenze zu Österreich habe es schon regelmäßig Bodenfrost gegeben, berichtet er, dann stünden dort hunderte Menschen im Kalten. Bitten der Polizei, doch die Menschen wenigstens vorübergehend noch im Bus zu lassen, würden laut Venus von der österreichischen Regierung abschlägig beurteilt. Venus erzählt von den nervenzehrenden Einsätzen: "Sie hören das Wimmern und das Klagen kleiner Kinder."

Sind die Flüchtlinge in vernünftigen Unterkünften untergebracht, kommt es jedoch auch oft zu Problemen. Die Bochumer Streifenpolizistin Tania Kambouri fordert, auch diese Fälle zu erwähnen. Als Frau habe sie immer wieder Schwierigkeiten, sich vor allem bei jungen Migranten durchzusetzen, sie betont jedoch auch, dass sie es bisher noch immer geschafft hat. Zugleich warnt sie: "Die Flüchtlinge dürfen keinesfalls in die Parallelgesellschaften abdriften, die wir sowieso schon haben."

Insgesamt eine interessante Sendung, die nach einer Fortsetzung ruft - vielleicht sind dann auch Flüchtlinge dabei?

Hier finden Sie die Sendung in der Mediathek des WDR.

Andrew Weber

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